Peugeot verliert das 24-Stunden-Rennen, belegt aber Plätze zwei, drei und vier

Oft sind es nur Sekunden, die über Sieg und Niederlage entscheiden, so auch beim 24-Stunden-Rennen 2011 in Le Mans. Wir haben dem Team von Peugeot über die Schulter geschaut. Der erbitterte Kampf mit dem Dauer-Konkurrenten Audi ging über die vollen 24 Stunden. Letzten Endes kam der Audi R18 mit der Startnummer zwei nach 355 Runden (4.838 km) knappe 13 Sekunden vor dem Peugeot mit der Nummer neun durch das Ziel. Für Peugeot ein trauriger Moment, wurde doch viel Arbeit und Geld für das Rennen des Jahres investiert.

Pilgerpfad nach Le Mans
Das 24-Stunden-Rennen ist für viele Fans der Höhepunkt der Rennsaison. So pilgern Jahr für Jahr über 250.000 Fans aus ganz Europa ins Peugeot-Land, um noch einen der spärlichen Plätze auf dem Campinggelände zu bekommen und das Rennen ausgiebigst zu feiern. Auch im Peugeot-Pressezentrum herrschte gute Stimmung und die Zuversicht war vor dem Rennen jedem anzusehen. Der Peugeot 908 sieht seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich, wurde aber von Grund auf neu entwickelt. Ein Aus durch Motorschaden wie im vergangenen Jahr sollte nicht erneut passieren. Das Ziel war ganz klar der erste Platz auf dem Podium.

Der erste Knall kam früh
Schon kurz nach dem Start kollidierte Audi-Pilot Allan McNish beim Überholen in der Indianapolis-Passage mit einem Ferrari der langsameren GT-Klasse. Mit voller Wucht rutscht der Audi R18 über das Kiesbett in die Reifenwand. Teile seines Autos schleudern unmittelbar vor den Zuschauern und Fotografen durch die Luft. Als sich Allan McNish unversehrt aus dem Autowrack zieht, hallt tosender Applaus auch durch das Peugeot-Pressezentrum.

Das Drama mit Audis Ersten
Bis in die Nacht liefert sich Peugeot mit Audi ein hitziges Kopf-an-Kopf-Rennen. In der 117. Runde, kurz vor Mitternacht, passiert das zweite Audi-Drama. Mike Rockenfeller berührt bei einem Überholvorgang, wie schon McNish, einen Ferrari aus der GT-Klasse und schlägt mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 300 km/h in die Leitplanke ein. Nach einem ersten Aufschrei herrscht auch bei Peugeot Fassungslosigkeit vor. Minutenlang ist nicht klar, was mit dem Audi-Piloten passiert ist. Schließlich wird verkündet, dass es Mike Rockenfeller gut geht, er aber zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben muss. So wurde aus der verbliebenen Startnummer zwei das vorne liegende letzte Audi-Team, gejagt von den drei Werks-Peugeots.

Der bittere zweite Platz
Am Ende schafft es der Audi mit dem hauchdünnen Vorsprung von 13 Sekunden vor den Franzosen, ins Ziel zu kommen. Im Peugeot-Quartier ist die Stimmung am Boden. Schweren Herzens sagt der Direktor von Peugeot Sport, Olivier Quesnel: "Wir sind hier angetreten, um zu siegen, daher bin ich natürlich enttäuscht", doch er gratuliert Audi sportlich zum Sieg und bedankt sich bei seinem Team und den Fahrern. Dennoch, trotz verfehltem ersten Platz, stellte das Peugeot-Team drei Sportwagen auf, die bis zum Schluss absolut zuverlässig liefen und in Sachen Leistung die deutsche Konkurrenz bis zum Ende ins Schwitzen brachte. Gerade den Verbrauchsvorteil gegenüber Audi konnten die Franzosen gut ausspielen. Während die Konkurrenz alle zehn bis elf Runden zum Nachtanken musste, schaffte der 908 zwölf Runden mit nur einer Tankfüllung. Eine gute Basis, mit der Peugeot auch im nächsten Jahr wieder für ordentlich Spannung sorgen wird.

Gallery: Peugeot: Knapp daneben