Ginetta G60: Mittelmotor-Renner mit Karbon-Karosserie

Die kleine britische Sportwagenschmiede Ginetta erweitert ihr Angebot um den G60. Der zweisitzige Mittelmotor-Renner wiegt nur 1080 Kilogramm und wird von einem 3,7-Liter-Duratec-V6 angetrieben, der von Ford stammt. 314 PS sorgen für Vortrieb, das Drehmoment beträgt 390 Newtonmeter. Geschaltet wird mit einem manuellen Sechsganggetriebe. Ein Sperrdifferenzial mit automatischer Kraftverteilung soll verhindern, dass die Kraft sinnlos in Form durchdrehender Räder verpufft. Für das Lenken sind kräftige Arme gefragt, denn es gibt keine Servounterstützung. Auch auf Servobremsen, eine Traktionskontrolle und ABS muss verzichtet werden – Purismus ist angesagt.

In rund fünf Sekunden auf 100
Als Höchstgeschwindigkeit geben die Briten 165 mph (Miles per hour), also umgerechnet etwa 265 km/h an. In rund fünf Sekunden erreicht der G60 aus dem Stand die Marke von 100 km/h. Der 80-Liter-Tank soll für 770 Kilometer reichen. Über Bremsen mit Vier-Kolben-Sätteln rundum und geschlitzten Scheiben im Format 365x32 Millimeter vorne beziehungsweise 355x28 Millimeter hinten wird der G60 zum Halten gebracht. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern ist eine komplette Eigenkonstruktion. Die Karosserie des Sportwagens besteht aus Karbonfasern und mutet vertraut an. Tatsächlich gehörte sie zu einem Modell des kleinen Herstellers Farbio. Ginetta kaufte die Firma 2010 und nannte das Fahrzeug zunächst F400. Weil die Fremdkonstruktion ein ,launenhaftes" Verhalten an den Tag legte, konstruierte Ginetta das Auto bis auf die Karosserie komplett neu.

Nur 50 Exemplare
Gebaut wird der G60 in der Ginetta-Fabrik, die im englischen Garforth beheimatet ist. Zur Ausstattung gehören neben einer Klimaanlage noch eine Wegfahrsperre, ein Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Touchscreen und die Möglichkeit für drahtlose Verbindungen über Bluetooth. Die Windschutzscheibe ist beheizt, die Sportsitze bestehen aus einer Karbon/Stahl-Kombination und sind mit Leder bezogen. In den Kofferraum passen 200 Liter Gepäck. Die Räder bestehen aus 19-Zoll-Felgen, die vorne mit Reifen der Dimension 235/35 ausgerüstet werden und hinten mit Gummis der Größe 285/35 bezogen werden. Lediglich 50 Exemplare des G60 sollen entstehen. Interessenten müssen mit einem Preis von 68.000 britischen Pfund rechnen. Das sind umgerechnet derzeit rund 78.000 Euro. Der erste G60 soll im Februar 2012 ausgeliefert werden.

Sie kennen Ginetta nicht?
Ginetta wurde 1958 gegründet. Das erste produzierte Straßenauto war der G2, ein Kit-Car zum Selbstzusammenbauen. Es folgte der G3. Mit dem G4 zielte Ginetta ab 1961 auf diejenigen ab, die einen im Unterhalt günstigen Sportwagen für den Alltag und die Rennstrecke haben wollten. Bei Clubrennen traten die von Ford-Motoren befeuerten G4 erfolgreich gegen die Modelle wie MGB, Triumph TR und Jaguar 3.8 an. Vom G4 gab es im Übrigen mehrere Serien, 1981 wurde nach einer fast dreizehnjährigen Pause seine Produktion in Form der Serie IV wieder aufgenommen. Auf die ersten Versionen des G4 in den 1960er-Jahren folgten Modelle wie der G15 von 1967. Er war der erste Ginetta, den man auch als Komplettfahrzeug erwerben konnte, und wurde von einem 52 PS starken 873-Kubikzentimeter-Motor angetrieben. Der größere G21 von 1970 wurde mit einem rund 100 PS starken 1,7-Liter-Vierzylinder oder einem Dreiliter-Ford-V6 mit 130 PS ausgerüstet. Anfang der 1980er-Jahre wurde Ginetta umstrukturiert, doch auch einige neue Modelle verhinderten nicht, dass immer weniger Autos verkauft wurden.

Die Neuzeit
Seit 2005 hat die stark im Rennsport verankerte Firma mit Lawrence Tomlinson einen neuen Eigentümer. Zum 50-sten Geburtstag von Ginetta entstand der G50, ein GT-Rennwagen. Aktuell bauen die Briten für die Straße neben dem neuen G60 auch den G40. Der Sportwagen wird von einem Zweiliter-Ford-Vierzylinder mit knapp 180 PS angetrieben und wiegt nur knapp 800 Kilogramm. In knapp sechs Sekunden lässt er sich von null auf 100 km/h beschleunigen.

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