Von Camaro bis Mustang: Die Geschichte der Muscle-Cars

Der Chevrolet Camaro: eine Sportwagen-Legende mit einer wechselvollen Historie, die mittlerweile über vier Jahrzehnte zurückreicht. Besteigen wir deshalb die Zeitmaschine und reisen zurück in das Jahr 1966. Zwei Jahre zuvor hatte Ford den Mustang vorgestellt, einen für US-Verhältnisse kompakten Sportwagen, der eine tolle Optik mit einem günstigen Preis verband. Der Erfolg des Mustang war bombastisch und rief General Motors auf den Plan, damals noch der Gigant unter den amerikanischen Autokonzernen. Natürlich wollte GM nicht tatenlos zusehen und auch ein großes Stück vom neu entstandenen Markt der ,Pony Cars" abhaben. Kein Problem, schließlich hatte man einen riesigen Konzernbaukasten zur Verfügung. Innerhalb kurzer Zeit konstruierte man auf der Basis des braven Chevrolet Nova ein heißes Eisen mit dem Namen ,Panther".

Der amerikanische Kamerad
Kurz vor der Premiere im September 1966 wurde der neue Chevy-Sportwagen ,Camaro" getauft. Der Name soll sich vom französischen Wort ,Camarade" herleiten, welches übersetzt ,Kamerad" oder ,Freund" bedeutet. Hintergrund war, dass zu jener Zeit alle Modelle der Marke einen C-Namen trugen, darunter Corvair und Corvette. Die Zielrichtung gab Chevrolet unmissverständlich vor: Der Camaro sei ein ,kleines, böses Tier, das Mustangs essen würde", diktierten Vertriebsmitarbeiter in die Notizblöcke der Presse. Mit klein meinte man übrigens 4,70 Meter. Böse sah der Camaro tatsächlich aus, speziell die Versionen mit Scheinwerferabdeckungen. Der Erfolg gab den GM-Managern recht: Schon die normalen V8-Versionen litten nicht unter Leistungsmangel, doch die ganz heißen Camaros trugen das Kürzel SS für Super Sport im Kühlergrill. Dahinter verbargen sich Kraftwerke mit Leistungen zwischen 295 und 425 PS, die ihre Power auf Hinterachse mit Blattfedern losließen.

Mit Vollgas in die Ölkrise
Schon 1970 ging die zweite Camaro-Generation an den Start, diesmal mit einem europäisch anmutenden Fastback. Eine Cabrio-Version gab es nun nicht mehr, als Alternative gab es herausnehmbare Dachhälften. Anfangs konnten die Kunden wie gehabt zu riesigen Achtzylindern mit bis zu 6,6 Liter Hubraum greifen. Doch schon 1972/1973 gerieten der Camaro und sein Schwestermodell, der Pontiac Firebird, in Bedrängnis. Verschärfte Sicherheits- und Abgasbestimmungen sowie die Ölkrise sorgten für eine Existenzkrise. Das Überleben des Camaro sicherten ein umfangreiches Lifting im Jahr 1974 und deutlich gedrosselte Motoren. Stärkster Antrieb war ein 5,7-Liter-V8, der ab 1975 nur noch magere 145 PS zu bieten hatte.

Sieben Jahre Pause
Nach für US-Verhältnisse unglaublichen zwölf Jahren ging 1982 die dritte Camaro-Generation an den Start. Das Fahrwerk wurde deutlich verbessert, doch es blieb bei einer bescheidenen Leistungsausbeute von maximal 165 PS. Das Basismodell begnügte sich mit einem 90-PS-Vierzylinder, eine Reaktion auf die zweite Ölkrise von 1979. Gegen Ende der 1980er-Jahre stiegen die PS-Zahlen wieder, der Vierzylinder wurde gestrichen. Ab 1987 konnten die Camaro-Fans zudem wieder ein Cabrio bekommen. Im Jahr 1993 präsentierte Chevrolet die vierte Auflage des Sportwagens. Das bislang eckige Design wich einem umstrittenen rundlichen Äußeren. Dafür gab es endlich wieder richtig Power, im Topmodell Z28 kam der auf 275 PS gedrosselte 5,7-Liter-V8 aus der Corvette zum Einsatz. Obgleich der Name Camaro weltweit bekannt war, stellte Chevrolet die Produktion 2002 ein, offiziell mit schlechten Absatzzahlen begründet. Doch wieder einmal wurde der Ford Mustang zum Weckruf: 2004 debütierte der Mustang im Retro-Look. Nur ein Jahr später zeigte Chevrolet die Studie eines neuen Camaro, der zwar das Vorbild von 1966 zitierte, ohne aber notalgisch zu wirken. 2009 schließlich ging der optisch fast unveränderte Wagen in die Produktion.

Die Idee des Herrn DeLorean
Der neue Camaro markiert den vorläufigen Schlusspunkt einer Welle, die oft als ,neue Muscle-Cars" bezeichnet wird. Fast alle US-Marken brachten Neuinterpretationen von Auto-Legenden heraus: vom Ford Mustang über den Camaro bis zum Challenger und Charger von Dodge. Einzige Ausnahme war die mittlerweile eingestellte Marke, die das Muscle-Car erfunden hat: Pontiac. Hier übernahm Anfang der 1960er-Jahre John Z. DeLorean den Chefsessel, jener Mann, dessen Name später einen berühmt-berüchtigten Sportwagen schmücken sollte. DeLorean erkannte, dass zu jener Zeit die jungen Leute immer kaufkräftiger wurden, aber nicht fanden, was ihrem Geschmack entsprach. Sie wollten nicht in biederen, unsportlichen Limousinen unterwegs sein. Als Lösung verpflanzte man bei Pontiac einen dicken V8 mit 6,4 Liter Hubraum in den kompakten Tempest und taufte das Ergebnis in Anlehnung an einen gleichnamigen Ferrari. Der Erfolg (30.000 verkaufte GTO im ersten Jahr) gab DeLorean recht, man bekam für relativ wenig Geld einen starken Wagen für Beschleunigungsrennen, den man mit einfachen Mitteln noch etwas optimieren konnte. Waren die Muscle Cars anfangs noch unauffällig, versuchte bald jeder Hersteller, mit Zierstreifen, speziellen Emblemen und Heckflügel sich von der Masse abzuheben.

Des Wahnsinns fette Beute
Den Höhepunkt der Muscle-Car-Ära markierte das Jahr 1971: Bis zu 500 PS wurden unter die Motorhauben gepackt. Doch das Ende des Wettrüstens nahte: Weil die extremen Leistungen auf äußerst schlicht gestrickte Fahrwerke trafen, stiegen die Unfallzahlen deutlich an. US-Bundesbehörden machten Druck auf die Hersteller, die Versicherungskosten stiegen in ungeahnte Höhen. Den letzten Rest gab schließlich die Ölkrise 1973, bis Ende des Jahrzehnts verloren die Motoren durch Maßnahmen wie Abgasentgiftung stark an Leistung. Legenden wie Mustang oder Camaro waren nur noch ein Schatten ihrer selbst. Erst Mitte der 2000er-Jahre kamen große Namen und viel Leistung zurück: Ford reaktivierte den Mustang Boss 302 mit nun 443 PS, Dodge den Challenger R/T mit 430 PS, während Chevrolet den Vogel abschießt: Im Camaro ZL1 wüten unglaubliche 590 PS.

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