Guigiaro stellt auf dem Genfer Autosalon 2012 den scharfen Brivido vor

Italdesign Giugiaro nutzt den Genfer Autosalon (8. bis 18. März 2012), um eine ganz besondere Studie zu präsentieren. Der schnittige Brivido, ein Gran Turismo, ist eine Orgie aus Glas, Kohlefaser und Aluminium. Neben diesem feuerroten Spielmobil zeigen die Italiener einen im Yacht-Stil veränderten VW Up, den ,Azzurra Sailing Team".

Brivido bietet Panoramasicht
Giugiaro kombinierte bei der Karosserie des Brivido Aluminium, Kohlefaser und Glas. Überzogen wurde der Gran Turismo, dessen italienischer Name auf Deutsch ,Schauer" bedeutet, mit einem roten Xirallic-Perleffekt-Lack. Weil Windschutzscheibe, Dach, Heckscheibe und die großzügigen Fensterflächen der Seitentüren eine ,kristallene" Kuppel bilden, ist es im Fahrgastraum des Viersitzers hell. Besonders exotisch wirken die Seitentüren. Es gibt nur eine pro Flanke, jede öffnet sich wie ein Flügel nach oben. Die Fondpassagiere können ihren Platz einnehmen, ohne sich verrenken oder eine Rückenlehne umklappen zu müssen. Alle Insassen können gleichzeitig den Innenraum entern. Die Türen bieten außerdem nicht nur Fenster oberhalb der Gürtellinie, sondern sind auch darunter teilweise verglast.

Leuchten als Designelement
Giugiaro verwendet beim Brivido die Scheinwerfer- und Blinkeranlage als Gestaltungsmerkmal. Die vorderen LEDs reichen 2,60 Meter von der Motorhaube über die Karosserie bis zur Mitte der Flanken, wo sie als Standleuchten und Blinker fungieren. Den Brivido erkennt man also auf Anhieb auch bei Nacht. An den Seiten übernehmen Kameras die Funktion von Außenspiegeln. Sie sind in Flügeln versteckt, die sich jeweils in Höhe der seitlichen Lufteinlässe hinter den vorderen Radläufen befinden. Beim Start schwenken die Flügel um 90 Grad nach außen. Die Bilder werden auf Monitore übertragen, die auf der Lenkradsäule angebracht sind. Die Bildschirm-Anordnung wirkt wie ein Paar Motorradspiegel.

Brivido mit aggressiver Front
Von vorn wirkt der 4,98 Meter lange und 1,48 Meter hohe Brivido sehr aggressiv. Seine Motorhaube, unterteilt in ein rot lackiertes und ein V-förmiges Element aus mattem Aluminium, hebt sich im Fall eines Fußgängercrashs leicht an. Der einteilige Kühlergrill erstreckt sich über die komplette Fahrzeugbreite von 1,96 Meter. Er dient als Frontspoiler und ermöglicht eine ausreichende Motorkühlung. Integriert sind außerdem die Tagfahrlichter sowie die Fern- und Nebelscheinwerfer. Die Heckpartie besteht ebenfalls aus Karbon. Hier fallen die extravagant gestylten Leuchten auf. Über die Heckscheibe gelangt man an den Kofferraum, der von einer Hutablage aus Titan abgedeckt wird. Zudem befindet sich hinten ein kleiner Spoiler, der ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h automatisch ausfährt. Zum Antrieb des bis zu 275 km/h schnellen Brivido gehört ein Dreiliter-Kompressor-V6 aus dem VW-Konzernregal, der 360 PS leistet und ein Drehmoment von 600 Newtonmeter generiert. Von null auf 100 km/h lässt sich der Italiener in 5,8 Sekunden beschleunigen. Auch die Achtgang-Automatik entstammt dem Volkswagen-Konzern. Ein nicht näher spezifiziertes Hybridsystem bringt den Brivido auf eine Gesamtleistung von 408 PS.

Interaktive Elektronik
Seit 2010 gehört Italdesign Giugiaro zu Volkswagen. Daher lag es nahe, nicht nur die Antriebskomponenten des Herstellers zu nutzen, sondern auch das Electronic Research Lab (ERL) der Volkswagen AG in Kalifornien. So wurden die Anzeigen im Innenraum sowie die interaktive Elektronik und die Touchscreen-Steuerelemente dort entwickelt. Das Armaturenbrett des Brivido wurde beispielsweise mit einer Docking-Station für ein iPad versehen, das als Tastatur verwendet werden kann, wenn es nicht komplett versenkt wird. Die rechte Seite des symmetrisch gestalteten Armaturenbretts ist, bis auf das Lenkrad, beinahe ein Spiegel der linken Seite. Fahrer und Beifahrer blicken auf Instrumente und Displays, beiden stehen dieselben Informationen zur Verfügung. Beim Innenraum-Material spielt Titan-Tex eine zentrale Rolle. Es handelt sich dabei um eine widerstandsfähige und leichte Titanfaser. Zudem verwendet Giugiaro eine Menge Leder. In den Seitenpartien der Rücksitze finden Fondpassagiere 3D-Brillen vor, die zum Infotainment-System des Brivido gehören. Mit ihnen kann man einen Film sehen, Reiseinformationen lesen oder über die Außenkameras die Straße beobachten.

VW Up Azzurra Sailing Team
Neben dem Brivido zeigt Giugiaro auf dem Genfer Autosalon 2012 auch den VW Up Azzurra Sailing Team. Er entstand in Kooperation mit VW-Chef-Designer Walter da'Silva. Giorgetto Giugiaro wurde in Garessio geboren, einer Stadt an der Ligurischen Küste, Walter da'Silva in Lecco am Comer See. Diese Umgebungen inspirierte die Designer zu einem offenen, kleinen und umweltfreundlichen Fahrzeug. Der Namenszusatz Azzurra Sailing Team ist einem Yacht-Club an der Costa Esmeralda entlehnt. In dem luftigen Fahrzeug sollen sich die Insassen wie an Bord eines Bootes fühlen. Der tür- und dachlose Prototyp ist innen mit komplett wasserdichten und -festen Materialien ausgestattet. Sie sollen an die Einrichtung einer Luxus-Yacht erinnern. Die vier Einzelsitze des besonderen VW Up sind mit weiß-blauem Leder bezogen. Chromzierrat und ein Armaturenbrett aus Mahagoni samt Ahornholz-Einlagen sollen das Yacht-Feeling perfekt machen.

Feuerroter Flügeltürer