Neue BMW-Motoren

BMWs Baukasten-Motoren sind besonders einheitlich angelegt: Alle Antriebe haben ein Aluminium-Kurbelgehäuse mit gleicher Position von Ein- und Auslassseite, ein Volumen von 500 Kubikzentimeter pro Zylinder sowie die gleiche Anordnung der Nebenaggregate. Nun wurden die Motoren weiterentwickelt. Den Technologieträger, einen 400 PS starken Quad-Turbo-Diesel mit sechs Zylindern, hat BMW bereits im 750d xDrive vorgestellt. Nun gibt es Informationen zu den Drei- und Vierzylindern auf Diesel- und Ottoseite.

Diesel: Alle Vierzylinder künftig mit Biturbo
Bei den Selbstzündern plant BMW Dreizylinder mit 95 und 116 PS sowie Vierzylinder mit 150, 190 und 231 PS. Die CO2-Emissionen sollen um vier bis fünf Prozent sinken, die künftig verschärften Abgasnormen werden eingehalten und die Akustik verbessert. Alle Vierzylinder-Diesel bekommen künftig eine Biturbo-Aufladung. Unter anderem zur Senkung der NOx-Emissionen bekommen sowohl Drei- wie Vierzylinder eine Hochtemperatur-Abgasrückführung (AGR). Sie leitet die Abgase aus dem Krümmer über ein regelbares Ventil (und je nach Bedarf in gekühltem oder ungekühltem Zustand) in die Sauganlage zurück. Da die Hochdruck-AGR bei den Dreizylindern nicht in allen Kennfeldbereichen aktiviert werden kann, bekommen diese zusätzlich eine Niedertemperatur-AGR. Sie entnimmt das Abags erst nach dem Dieselpartikelfilter und führt es (gekühlt) der Reinluftleitung zu.

Erhöhter Einspritzdruck und ,Formhonen"
Der Einspritzdruck wurde ebenfalls erhöht – er beträgt nun je nach Motor 2.200 bis 2.700 bar. So wird der Diesel feiner zerstäubt und die Verbrennung verbessert. Das so genannte ,Formhonen" behebt künftig ein Problem der Zylinderform. Bisher waren die Zylinder oben und unten gleich weit. Doch im Motorbetrieb wird der obere Bereich durch die einwirkenden Kräfte aufgeweitet. Dies führt entweder zu Spiel im oberen Bereich (und entsprechend schlechterer Akustik) oder – wenn man die Zylinder unten enger macht – zu mehr Reibung unten (und damit höherem Verbrauch). Bei der neuen, erstmals für Serienmotoren genutzten Produktionsweise werden die Zylinder nun im unteren Bereich etwas aufgeweitet. Im Motorbetrieb stellt sich dann ein einheitlicher Durchmesser für den gesamten Zylinder ein.

Speicherkat plus Adblue
Zur Abgasreinigung verfügen die künftigen Diesel nicht nur über einen NOX-Speicherkatalysator, sondern zusätzlich auch noch über ein SCR-System (Selective Catalytic Reduction) mit AdBlue. Die Adblue-Tanks sind bei BMW generell so ausgelegt, dass sie in der Regel alle 15.000 Kilometer nachgefüllt werden müssen – das heißt, der Käufer muss einmal zwischen den Serviceterminen auffüllen. So können die verschärften Anforderungen an die NOx-Emissionen durch die neuen RDE-Vorschriften (Real Driving Emissions) erfüllt werden, glaubt BMW. Ab September 2017 sind RDE-Messungen, also Emissionsprüfungen im realen Verkehrsgeschehen, verpflichtend. Dieselautos dürfen dann den Grenzwert für den Rollenprüfstand im Alltagsverkehr um nicht mehr als 110 Prozent überschreiten, also maximal 168 Milligramm pro Kilometer ausstoßen.

Benziner: Sparsamer und stärker
Auch bei den Benzinern sollen Verbrauch und Emissionen um etwa fünf Prozent sinken, die Leistung steigt zudem um je sieben PS. Auch hier sollen die RDE-Grenzwerte eingehalten werden. Bei welchen Aggregaten – alle sind Direkteinspritzer – ein Partikelfilter nötig sein wird, steht noch nicht fest. Das Gewicht der Motoren sinkt um fünf bis acht Kilo; dazu wurde unter anderem die Kurbelwelle um ein bis zwei Kilo leichter. Abgaskrümmer und Turbolader sind nun gemeinsam in den Zylinderkopf integriert. Außerdem haben die Ingenieure den Einspritzdruck auf 350 bar erhöht (richtig gelesen, die Drücke sind bei Benzinern viel niedriger als bei Dieseln). Das erlaubt eine präzisere Dosierung und eine verbesserte Abgasqualität. Bei der Optimierung des Verbrennungsvorgangs hilft auch ein weiterentwickeltes Kühlsystem: Die neue Kühlpumpe verfügt über getrennte Ausgänge für Zylinderkopf und Motorblock, was eine gezieltere Kühlung ermöglicht. Den Wirkungsgrad hebt auch ein einteiliger Steuerkettenantrieb, der zusätzlich die Akustikeigenschaften optimiert. Welche Motoren von den Veränderungen betroffen sind, verrät BMW noch nicht.

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