Loryc Electric Speedster: Alu-Oldtimer mit Elektroantrieb

Calvia (Mallorca) / Rüsselsheim, 8. November 2016 – Über 90 Jahre nach ihrer Gründung erlebt die mallorquinische Traditionsmarke Loryc ihren zweiten Frühling. Dafür sorgt der schwäbische Auswanderer Karl-Heinz ,Charly" Bosch, der auf der Urlaubsinsel den Loryc Electric Speedster baut. Wie der Name verrät, bekommt der im Stil der 20er-Jahre gehaltene Wagen keinen Verbrennungsmotor, sondern einen Elektroantrieb.

Produktion mit der Holzhammer-Methode
Der wassergekühlte E-Motor liefert 20 PS und 120 Newtonmeter Drehmoment. Die Lithium-Eisenphosphat-Batterie speichert 30 Kilowattstunden Energie, was für 264 Kilometer Reichweite genügt. In der Praxis sollen 200 Kilometer möglich sein. Aufgeladen wird die Batterie über Nacht an der Haushaltssteckdose. Um Gewicht und Verbrauch gering zu halten, besteht die Karosserie aus Alublech. Jedes Teil wird mit von Hand per Holzhammer in Form gebracht. Danach werden die Bleche mit Nieten zusammengefügt.

Teile vom Opel Adam und KW-Gewindefahrwerk
Zwei Dutzend besonders leichte Teile stammen vom Opel Adam, nämlich Vorderradaufhängung, Hinterachse, Lenkung, Bremsen und Handbremse. ,Sicherheit und Zuverlässigkeit hatten für mich oberste Priorität. Daher war Opel mein erster Ansprechpartner", sagt Bosch dazu. KW liefert ein höhenverstellbares Gewindefahrwerk, die Dämpfer lassen sich in Zug- und Druckstufe verstellen. Insgesamt ließ sich das Gewicht so auf 449 Kilo ohne Batterie begrenzen – für die europäische Typgenehmigung durfte der Loryc nicht mehr auf die Waage bringen. Mit den 350 Kilo schweren Akkus kommt der Speedster auf 800 Kilo.

Stilechtes Cockpit und rote Speichenfelgen
Alle Informationen, wie Restreichweite, Geschwindigkeit, Temperaturen sowie Leistungsabgabe bekommt der Fahrer im Cockpit auf stilechten Zeigerinstrumenten präsentiert. Zum historischen Look gehören auch die roten Speichenfelgen von der italienischen Manufaktur Borrani. Insgesamt sind über 1.200 Stunden Handarbeit nötig, um den Speedster herzustellen.

Die Sardine der 20er-Jahre
In Handarbeit entstanden auch die originalen Loryc-Fahrzeuge. Die Automarke wurde 1920 gegründet. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer zusammen: Lacy, Ouvrard, Rivas Y Cia, wobei das Y das spanische Wort für ,und" ist. Noch im Gründungsjahr begann die Fertigung in Palma de Mallorca. Das erste Auto bekam rasch den Spitznamen La Sardina, weil die Karosserie aus Alu bestand und in der Form einer Ölsardinenbüchse ähnelte. Angetrieben wurde das Auto von einem sechs PS starken Verbrenner. Rund 120 Autos wurden in Palma gebaut. Durch Schwierigkeiten bei der Einfuhr der Teile und die Konkurrenz von Modellen aus der Fließbandproduktion (etwa von Ford oder Citroën) musste das Werk im Jahr 1925 schließen.

Charly Bosch kaufte die Namensrechte
2013 erwarb Charly Bosch eines der wenigen verbliebenen Loryc-Exemplare. Nach zweimaligem Motorschaden ersetzte er den Originalantrieb durch einen E-Motor. Vom Resultat war er so überzeugt, dass er die Namensrechte erwarb und beschloss, die Fertigung wieder aufzunehmen. Nun ist das erste komplett selbst produzierte Auto fertig. Bald sollen drei weitere Fahrzeuge entstehen, die für geführte Touren oder zum Verkauf angeboten werden.

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