Reale Verbräuche und Reichweiten von zwölf Elektroautos
Der Test, bei dem Elektroautos auf 5 % Batteriestand gefahren werden, kehrt zurück, um Daten zu Effizienz, Reichweite und Fahrtkosten zu analysieren
Wenn es um Elektroautos geht, ist die Reichweite oft die erste Frage, die in den Sinn kommt – aber nicht zwangsläufig die sinnvollste. Für Fahrzeuge, die für lange Strecken gedacht sind, ist sie natürlich ein zentrales Thema. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass mehr Kilometer größere Batterien bedeuten. Größere Batterien können höhere Preise, einen höheren Verbrauch und höhere Ladekosten nach sich ziehen. Bei kompakten Elektroautos für den Alltag zählt vor allem ein anderer Wert: die Effizienz, also wie viele kWh pro 100 km verbraucht werden.
Inzwischen sind Elektroautos Teil des Alltags geworden. Die Zahlen, in Italien noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, wachsen weiter – teils dank staatlicher Förderungen, teils aufgrund einer Kundschaft, die immer eher bereit ist, den Schritt zur vollständigen Elektrifizierung zu gehen. Europäische Modelle legen zu, asiatische ebenso, günstige Stadtautos werden mehr und auch Fahrzeuge für lange Strecken nehmen zu. In allen Fällen schreitet die Technik voran, vor allem bei der Energieeffizienz.
Daraus ergeben sich zwei Neuerungen für diese sechste Ausgabe unseres Tests "From 100% to 5%", des größten europäischen Vergleichstests seiner Art. Erstens: Wir haben ihn von unserer Schwesterseite InsideEVs zu Motor1.com verlagert - ein Zeichen dafür, dass sich diese Art von Test nicht mehr nur an Early Adopter richtet, sondern an ein breiteres, allgemeineres Publikum. Auf InsideEVs.de finden sich weiterhin die vertiefenden Inhalte. Zweitens: Die Testfahrzeuge wurden in zwei klar getrennte Kategorien aufgeteilt, um nützlichere und realistischere Ergebnisse zu liefern.
Klar ist: Es handelt sich nicht um ein Rennen zwischen den teilnehmenden Autos, denn jedes von ihnen ist ein eigenständiges Projekt - mit eigener Karosserie, eigener Batterie und eigener Leistung.
Die Unabhängigkeit unseres Tests wurde auch dieses Mal von unseren Sponsoren unterstützt, denen wir erneut danken möchten: Plenitude als offizieller Charging-Partner der Fahrzeuge, dem Team von Pirelli, das sicherstellte, dass Reifen und Reifendruck den Vorgaben entsprachen, sowie Volkswagen Italien für die logistische Unterstützung.
Die Ergebnisse finden sich im Video und am Ende dieses Artikels.
So funktioniert der Test
Unsere Teststrecke ist weiterhin die Autobahn A90, besser bekannt als Grande Raccordo Anulare (GRA), ein 68 km langer Stadtring rund um Rom, der - mit Tempolimits zwischen 130 und 110 km/h, aber häufigem Stau - alle relevanten Geschwindigkeits- und Verkehrssituationen simulieren kann.
Von 100 % auf 5 % (2026)
In diesem Jahr haben wir die Fahrzeuge allerdings in zwei Kategorien aufgeteilt: Stadtautos und Langstreckenmodelle. Außerdem haben wir die Kriterien angepasst. Die Langstreckenfahrzeuge fahren bis an die auf dem Ring erreichbaren Limits, während die eher urban ausgelegten Modelle maximal 110 km/h fahren, also typisches Stadtautobahn-Tempo.
| Das Testprotokoll |
|
| Die Fahrt erfolgt gegen den Uhrzeigersinn (äußere Fahrspur) |
| Die Fahrt beginnt mit 100 % Akkuladung |
| Die Klimaanlage ist im „Automatik“-Modus auf 22 °C eingestellt |
| Der Fahrmodus ist auf „Normal“ oder „Standard“ eingestellt |
| Die regenerative Bremsung ist auf „Standard“ oder die mittlere Stufe eingestellt; |
| In jedem Fahrzeug befindet sich nur ein Fahrer |
| Bei Erreichen von 5 % Restladung verlässt das Fahrzeug die GRA an der nächsten Ausfahrt, und der Fahrer führt die Messungen durch, um anschließend aufzuladen |
| Die Fahrzeuge sind mit Sommerreifen ausgestattet |
Die Fahrzeuge im Test
Wir haben nach Ermessen der Redaktion jene Modelle ausgewählt, die wir aktuell für die interessantesten Elektroautos halten.
Bei den kompakten Fahrzeugen haben wir die Hersteller um die Versionen mit der kleineren Batteriekapazität gebeten – also jene mit stärkerem City-Fokus und niedrigerem Preis. Bei dem Renault 4 war das nicht möglich, weshalb er mit der größeren der beiden verfügbaren Batterien antritt. Das sind die ausgewählten Modelle:
- BYD Dolphin Surf
- Fiat Grande Panda
- Ford Puma Gen-E
- Leapmotor T03
- Renault 4 E-Tech
Von 100 % auf 5 % (2026)
Bei den Reiselimousinen haben wir dagegen genau das Gegenteil gewählt und die Versionen mit der größten Reichweite angefordert – sowohl in Bezug auf die Batterie als auch auf eine nicht extreme, aber höhere Leistung:
- BMW iX3
- Kia EV5
- Mazda 6e
- Mercedes CLA
- smart #5
- Tesla Model Y
- Volvo ES90
Bei jedem Auto haben wir dank unseres Partners Pirelli vor dem Start außerdem überprüft, ob der Reifendruck der Reifen den Herstellervorgaben entsprach und ob die richtige Bereifung montiert war. Schon wenige Zehntel-Bar zu wenig können nämlich 2 bis 3 % Reichweite kosten. Noch relevanter ist die Reifenwahl selbst: Bei Elektroautos können Reifen die Gesamtreichweite um bis zu 10 % beeinflussen. Deshalb gibt es spezielle Reifen für Elektro- und Hybridfahrzeuge wie den P Zero E Elect.
| Auto | Reifengröße |
| BMW iX3 | 255/40 R21 |
| BYD Dolphin Surf | 185/55 R16 |
| Fiat Grande Panda | 205/55 R17 |
| Ford Puma Gen-E | 215/55 R17 |
| Kia EV5 | 235/60 R18 |
| Leapmotor T03 | 165/65 R15 |
| Mazda 6e | 245/45 R19 |
| Mercedes CLA | 225/40 R19 – 255/35 R19 |
| Renault 4 E-Tech | 195/60 R18 |
| smart #5 | 255/45 R20 |
| Tesla Model Y | 235/55 R18 |
| Volvo ES90 | 255/40 R22 – 285/35 R22 |
Die Ergebnisse nach Effizienz
Beginnen wir mit den Verbrauchswerten. Die niedrigsten erzielen mit nur wenigen Zehnteln Unterschied die Mercedes CLA und der Ford Puma Gen-E: Beide kommen auf 14 kWh/100 km und schaffen damit mehr als 7 km mit nur einer kWh. Die CLA profitiert von einer hervorragenden Aerodynamik und einer modernen, konsequent auf Effizienz ausgelegten Architektur, während der Ford mit geringem Gewicht im Verhältnis zur Größe, moderater Leistung und ausgewogen dimensionierten Reifen punktet.
Knapp dahinter folgt mit 14,5 kWh/100 km der Leapmotor. Er ist das leichteste und leistungsschwächste Fahrzeug mit den kleinsten Rädern im Feld. Er konnte in der ersten Tageshälfte den Verkehr geschickt zur Energierückgewinnung nutzen. Auch der BYD profitierte von einer wirkungsvollen Rekuperation und blieb beim Verbrauch sogar unter seinem WLTP-Wert. Erwähnenswert ist zudem Tesla, das seine Stärke bei der Effizienz erneut bestätigt und sich Autos annähert, die leichter, aerodynamischer oder weniger leistungsstark sind.
| Modell | Gemessener Verbrauch (GRA) | Leistung | Gewicht | Tatsächliche Batteriekapazität |
| Mercedes CLA | 14,0 kWh/100 km | 272 CV | 1.980 kg | 85 kWh |
| Ford Puma Gen-E | 14,0 kWh/100 km | 169 CV | 1.488 kg | 43,6 kWh |
| Leapmotor T03 | 14,5 kWh/100 km | 95 CV | 1.175 kg | 36 kWh |
| Tesla Model Y | 14,8 kWh/100 km | 299 CV | 1.878 kg | 77 kWh |
| BYD Dolphin Surf | 15,3 kWh/100 km | 156 CV | 1.390 kg | 43,2 kWh |
| Renault 4 E-Tech | 16,6 kWh/100 km | 150 CV | 1.462 kg | 52 kWh |
| BMW iX3 | 17,6 kWh/100 km | 469 CV | 2.285 kg | 108,7 kWh |
| Mazda 6e | 17,7 kWh/100 km | 258 CV | 1.962 kg | 68 kWh |
| Fiat Grande Panda | 18,0 kWh/100 km | 113 CV | 1.440 kg | 43,8 kWh |
| smart #5 | 18,1 kWh/100 km | 363 CV | 2.260 kg | 94 kWh |
| Volvo ES90 | 18,7 kWh/100 km | 333 CV | 2.410 kg | 88 kWh |
| Kia EV5 | 19,3 kWh/100 km | 218 CV | 1.994 kg | 78 kWh |
Die Ergebnisse bei der Reichweite
Bei der Reichweite, berechnet auf Basis des gemessenen Verbrauchs bis zur vollständigen Entladung und damit direkt mit den WLTP-Werten vergleichbar, bestätigte der BMW die Erwartungen. Dank der größten Batterie im Feld in Verbindung mit einem durchschnittlichen Verbrauch führt er die Tabelle an. Der CLA folgt nur wenige Kilometer dahinter und profitiert von seinem niedrigen Verbrauch trotz einer großen, aber nicht übermäßig großen Batterie.
Auf Rang drei liegt das Tesla Model Y, das trotz eines für diese Klasse relativ kleinen Batteriepakets mit niedrigem Verbrauch kompensiert. Zu beachten ist außerdem, dass der Renault 4 unter den Citycars weiter kam als seine Rivalen, weil er, wie erwähnt, mit der größten verfügbaren Batterieversion ausgestattet war.
Zur Einordnung: Die durchschnittliche prozentuale Abweichung zwischen WLTP-Zyklus und unseren Messungen beträgt -23,3 %.
| Modell | Reichweite (100–0 %) | GRA-Umdrehungen | WLTP-Reichweite | WLTP-Abweichung in % | Tatsächliche Batteriekapazität |
| BMW iX3 | 586 km | 8,6 | 805 km | -27,2 % | 108,7 kWh |
| Mercedes CLA | 577 km | 8,5 | 792 km | -27,1 % | 85 kWh |
| Tesla Model Y | 495 km | 7,2 | 657 km | -24,7 % | 77 kWh |
| smart #5 | 493 km | 7,2 | 590 km | -16,4 % | 94 kWh |
| Volvo ES90 | 447 km | 6,5 | 662 km | -32,5 % | 88 kWh |
| Kia EV5 | 384 km | 5,6 | 530 km | -27,5 % | 78 kWh |
| Mazda 6e | 365 km | 5,3 | 479 km | -23,8 % | 68 kWh |
| Renault 4 E-Tech | 297 km | 4,3 | 409 km | -27,4 % | 52 kWh |
| Ford Puma Gen-E | 296 km | 4,3 | 376 km | -21,3 % | 43,6 kWh |
| BYD Dolphin Surf | 268 km | 3,9 | 310 km | -13,5 % | 43,2 kWh |
| Leapmotor T03 | 236 km | 3,4 | 265 km | -10,9 %; | 36 kWh |
| Fiat Grande Panda | 231 km | 3,4 | 320 km | -27,8 % | 43,8 kWh |
Die Kosten pro 100 Kilometer
Was kosten also 100 km mit diesen Autos? Wir haben für drei Szenarien gerechnet: Laden zu Hause, Laden an der öffentlichen Säule in der Stadt und Laden an der Schnellladesäule, wie sie üblicherweise an Autobahnen zu finden ist.
Für das Laden zu Hause haben wir einen Durchschnittspreis von 0,37 Euro pro kWh angesetzt, für das Laden an öffentlichen Säulen durchschnittliche marktübliche Verbrauchspreise von 0,52 Euro und 0,60 Euro pro kWh.
| Modell | Batterie (Nutzbar) | €/100 km Zu Hause Laden |
€/100 km AC-Laden |
€/100 km DC-Laden |
| BMW iX3 | 113,4 kWh | 6,52 | 9,16 | 10,57 |
| BYD Dolphin Surf | 46 kWh | 5,67 | 7,97 | 9,20 |
| Fiat Grande Panda | 44 kWh | 6,65 | 9,35 | 10,79 |
| Ford Puma Gen-E | 53 kWh | 5,18 | 7,29 | 8,41 |
| Kia EV5 | 81,4 kWh | 7,14 | 10,03 | 11,58 |
| Leapmotor T03 | 37,3 kWh | 5,37 | 7,55 | 8,71 |
| Mazda 6e | 68,8 kWh | 6,55 | 9,21 | 10,62 |
| Mercedes CLA | 90 kWh | 5,18 | 7,28 | 8,39 |
| Renault 4 E-Tech | 55 kWh | 6,15 | 8,65 | 9,98 |
| smart #5 | 100 kWh | 6,70 | 9,42 | 10,86 |
| Tesla Model Y | 80 kWh | 5,47 | 7,68 | 8,87 |
| Volvo ES90 | 92 kWh | 6,92 | 9,72 | 11,22 |
Das Begleitfahrzeug
Sowohl für unser Videoteam als auch zur Begleitung des Tests auf dem Raccordo Anulare nutzten wir als logistisches Unterstützungsfahrzeug ein Auto mit großer aufladbarer Batterie, allerdings keinen reinen Stromer. Der Volkswagen Tiguan e-Hybrid ist ein besonders leistungsfähiger Plug-in-Hybrid mit einer netto fast 20-kWh Batterie, die mehr als 120 km elektrische Reichweite ermöglicht.
Zu den Gemeinsamkeiten mit reinen Elektroautos gehört auch das Laden: Wechselstrom mit 11 kW ist möglich, vor allem aber Gleichstrom mit 50 kW, womit der Akku in weniger als einer halben Stunde auf 80 % kommt. Das System ist darauf ausgelegt, selbst bei leerer Batterie einen gewissen Ladeanteil zu halten, sodass elektrische Fahrten in der Stadt und Fahrten mit ausgeschaltetem 1,5-Liter-Benziner außerhalb urbaner Zentren möglich bleiben.
Fazit
Die zentrale Erkenntnis unseres Tests lautet: Heute hängt die Reichweite nicht mehr nur von der Größe der Batterie ab. Der BMW iX3 führt die Wertung mit 586 km an, verfügt allerdings auch über den größten Akku im Testfeld (108,7 kWh). Noch beeindruckender ist das Ergebnis der Mercedes CLA, die nur 9 km hinter dem BMW liegt, obwohl ihr mehr als 20 kWh weniger zur Verfügung stehen. Das zeigt, dass Aerodynamik, Elektronik und Energiemanagement wichtiger werden als die reine Batteriekapazität.
Das Tesla Model Y bestätigt erneut seine Qualitäten: Mit einer 77-kWh-Batterie erreicht es 495 km reale Reichweite, also praktisch so viel wie der smart #5 mit 94 kWh. Tesla bleibt damit einer der Maßstäbe in Sachen Effizienz, doch vielleicht noch interessanter ist, dass Marken wie Mercedes inzwischen ein sehr ähnliches Niveau erreichen.
Auch bei den kompakten Fahrzeugen zeigen sich äußerst interessante Ergebnisse. Der Ford Puma Gen-E ist gemeinsam mit der Mercedes CLA mit 14 kWh/100 km sogar das effizienteste Auto des Tests, während Leapmotor T03 und BYD Dolphin Surf ihre jeweiligen WLTP-Werte sogar unterbieten.
Das ist ein Zeichen dafür, dass für die Stadt konzipierte Elektroautos inzwischen eine bemerkenswerte technische Reife erreicht haben: Sie verbrauchen wenig, nutzen die Rekuperation im Verkehr sehr effektiv und schaffen es im realen Einsatz, für den sie entwickelt wurden, häufig, die Herstellerangaben zu erreichen oder sogar zu übertreffen.
Bildergalerie: Von 100 % auf 5 % (2026)
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