Das noble Coupé-Cabrio mit 286 PS starkem Achtzylinder im Test

Das Auto ist so selten, dass es ein waschechter Hingucker ist. Und so wenig bekannt, dass man nicht nur absoluten Auto-Laien sagen muss, um welche Art von Fahrzeug es sich beim Lexus SC430 handelt. Wir haben das noble Coupé-Cabrio mit dem 286 PS starken Achtzylinder für Sie getestet.

Sportlich oder komfortabel?
Schon vor dem ersten Einsteigen stellte sich uns beim SC430 eine Frage, die uns dann lang nicht mehr losließ: Ist das nun ein sportliches Auto oder ein luxuriöses? So manchem mag dieser Gegensatz konstruiert erscheinen. Doch zumindest früher einmal waren Sportwagen sehr harte Gesellen, die den Gedanken an Hunderte von Autobahnkilometern zum Alptraum machten. Umgekehrt waren komfortable Fahrzeuge oft Altherren-Autos, in denen Konzernchefs oder Minister ihre Hausaufgaben machen konnten, ohne dass die Unterschrift verwackelt aussah, die aber eine sportliche Fahrweise kaum mitmachten.

Kompromiss oder Synthese?
Und heute? Autos wie der aktuelle Porsche 911 versuchen, Sport und Komfort zusammenzubringen. Auch der Lexus balanciert auf dieser Linie. Kommt dabei nun ein flauer Kompromiss heraus oder die ideale Synthese? Vergleichen wir zuerst die Daten mit denen des Porsche: Der Lexus mit seinem 4,3 Liter großen Achtzylinder-V-Motor bringt es auf 286 PS und braucht 6,4 Sekunden für den Standardsprint. Der 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxer des 911 Cabrio hat 320 PS und bringt das Auto in 5,2 Sekunden auf Tempo 100. Hier fährt also der Porsche trotz kleineren Motors voraus.

Hubraum zahlt sich aus
Doch der größere Hubraum des SC zahlt sich aus: Der Lexus stellt nicht weniger als 419 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung, und das bei 3.500 Touren. Der Porsche bietet nur 370 Newtonmeter, und dies auch erst bei 4.250 U/min. Von den Daten her ist also klar: Der Porsche ist eher der Sportler, der Lexus eher das Auto für komfortables Dahingleiten. Das bestätigt sich auf der Straße: Der Motor bringt den 1,8-Tonner ohne Umschweife auf Trab, aber besonders gut fühlt sich das Gasgeben aus dem Drehzahlkeller heraus an. Wenn es manchmal eine Spur zu lange dauert, bis die Motorkraft zur Verfügung steht, so liegt es eher an der Automatik, die einen Moment braucht, bis sie zurückschaltet.

Elegantes Äußeres
Vom Äußeren bietet der SC einiges an Eleganz, doch auch Sportliches wie die beiden auffälligen Auspuffrohre. Schön ist der Lexus, keine Frage. Und die Höhe liegt bei sportlichen 1,37 Metern. Zum Vergleich: Das 911 Cabrio liegt bei 1,31 Metern.

Holz und Leder im Inneren
Im Inneren fühlt man sich auf den ersten Blick wie in einer Oberklassenlimousine: Leder und Holz dominieren, Aluminium und Edelstahl werden nur sehr sparsam eingesetzt. Das Lenkrad ist für ein sportliches Auto recht groß, ein Tempomat ist Serie - alles keine Indizien für einen Sportwagen. Wenn man sportliche Details sucht, findet man nur die Taste, mit dem man das ESP ausschalten kann.

2+2-Sitzer
Der SC ist ein 2+2-sitziges Coupé-Cabrio. Das heißt, er ist ein Cabrio, dessen Hardtop sich elektrisch im Kofferraum versenken lässt. 2+2-Sitzer heißt in diesem Fall: Auf den Sitzen im Fond ist für Erwachsene zu wenig Platz, und für Kinder wohl nur dann, wenn die vorne Sitzenden klein sind. Besser eigen sich der Platz hinter den Vordersitzen als Ablage. Wer offen unterwegs ist, kann hier die passenden Reisetaschen unterbringen, die zur Serienausstattung gehören.

Elektrisches Verdeck nur im Stand zu öffnen
Das Verdeck selbst lässt sich elektrisch öffnen und schließen - dies allerdings nur im Stand. Wenn es auf der Landstraße zu regnen beginnt, muss man also rechts ranfahren. Und während etwa die Eigner eines Mazda MX-5 das Verdeck manuell in Sekundenschnelle an der Ampel öffnen, ist das beim Lexus nur dann empfehlenswert, wenn man weiß, dass die Rotphase länger dauert. Denn der Öffnungsvorgang dauert rund eine halbe Minute.

Größer als gedacht: Kofferraum
Im Kofferraum ist prinzipbedingt nur wenig Platz. Ein horizontal aufgespanntes Rollo dient dazu, den Platz für das Metalldach zu reservieren. Ist das Rollo geöffnet, weil man den Stauraum darunter für Gepäck braucht oder auch nur, weil man es vergessen hat, dann verweigert der Verdecköffnungsmechanismus seinen Dienst. Ansonsten fällt im Kofferraum das Reserve-Notrad auf, das sich unter einem plüschigen Überzug versteckt. Wird es durch ein Reifen-Dichtset ersetzt, stehen im offenen Zustand 140 Liter Kofferraum zur Verfügung, im geschlossenen Zustand 358 Liter. Mit dem Notrad sind es jeweils 37 Liter weniger.

Offenes Vergnügen
Wie fährt sich der SC im offenen Zustand? Wir haben das Auto nicht ganz bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h offen gefahren, aber immerhin bis 230. Klar, dass man das nur macht, um einmal das Gefühl auszukosten, inmitten eines Tornados zu stehen. Bei vernünftigem Tempo kann man das Offenfahren aber ungestört genießen. Die Turbulenzen im Inneren halten sich in Grenzen, obwohl es kein Windschott gibt. Im Coupé-Modus sind Geschwindigkeiten weit jenseits von 200 kein Problem, auch wenn man bei nicht ganz perfekten Fahrbahndecken manchmal Sprünge macht.

Hinkende Vergleiche
Mit welchen Autos lässt sich der SC vergleichen? Porsche 911 Cabrio, Jaguar XK-8 Cabrio und Mercedes SL 500 kommen dem Auto wohl noch am nächsten. Preislich ist der SC mit 69.000 Euro allerdings ein Underdog in dieser Reihe: Die anderen drei liegen allesamt zwischen 80.000 und 85.000 Euro. Aber auch in anderer Hinsicht hinkt der Vergleich: Porsche und XK-8 sind reine Cabrios, und der SL ist zwar ein Coupé-Cabrio, hat aber nur zwei Sitze.

Der SL 350 hat mit 245 PS weniger Leistung. Außerdem ist er mit 76.734 Euro immer noch wesentlich teurer als der Lexus. Doch nicht genug damit: Um die Ausstattung des Lexus zu erreichen, müssen noch für ein paar Tausend Euro Extras nachgeordert werden. Denn die Ausstattung des SC ist sehr umfangreich und umfasst beispielsweise auch 18-Zoll-Aluräder, eine Reifendrucküberwachung, eine Klimaautomatik, Ledersitze, eine Sitzheizung, ein exzellentes Audiosystem mit CD-Wechsler und einen Tempomat. Es zeigt sich also, dass der Preis für den SC günstig ist.
(sl)

Preisliste


Lexus SC430

Grundpreis: 69.000 Euro
Navigationssystem mit Europa-DVD und 7-Zoll-Touchscreen-Display 3.450
Mica-/Metallic-Lackierung 900

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Achtzylinder-V-Motor, variable Ventilsteuerung, 32 Ventile 
Hubraum in ccm 4.293 
Leistung in PS 285 
Leistung in kW 210 
bei U/min 3.500 
Drehmoment in Nm 419 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.515 
Breite in mm 1.825 
Höhe in mm 1.370 
Radstand in mm 2.620 
Leergewicht in kg 1.815 bis 1.865 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 12,0 
Weitere Informationen
1/moreName Super 
2/moreName Heckantrieb 
3/moreName Euro 3 und D4 
4/moreName 103 bis 321 Liter 
5/moreName 140 bis 358 Liter 

Lexus SC430 im Test