Geheimtipp mit Achtzylindermotor, Achtstufen-Automatik und super Ausstattung

Das Sprachspiel, ,Luxus" mit ,Lexus" zu verbinden, ist mittlerweile etwas müde. Die Edel-Marke des Mutterkonzerns Toyota ist bereits schon länger als Premium-Ableger bekannt. Hierzulande fristen die höheren Klassen GS und LS in Anbetracht der deutschen Konkurrenz eher ein Mauerblümchen-Dasein. Zu Recht? Wir haben mit dem Lexus GS 460 Luxury Line das 347 PS starke Topmodell seiner Reihe getestet.

Unauffällig, aber elegant
Der Lexus GS spielt in der Liga von Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Sein Auftreten ist eher unauffällig, aber recht elegant. Damit avanciert der japanische Gentleman zum Geheimtipp für Menschen, die nicht auffallen wollen. Beim letzten Facelift hat der Vertreter der oberen Mittelklasse neue Schürzen und dezente Chromapplikationen an den Grill bekommen.

Kritikpunkt: Enge Laderaumöffnung
Eines der wenigen äußeren Kennzeichen, dass auf die kräftige V8-Befeuerung unseres Testwagens hinweist, sind zwei Auspuffenden. Eine auffällige Verspoilerung sucht man zum Glück ebenso vergebens wie gierige saugende Luftschlünde. Nur eine kleine Abrisskante auf dem Heckdeckel weist dezent darauf hin, dass hier der Anpressdruck erhöht werden muss. Schicke Alufelgen verleihen unserem schneeweißen Lexus einen Touch Dynamik. Zu den Kritikpunkten der Karosserie gehört die enge Ladeöffnung für den 430 Liter großen Kofferraum.

Komfort-Ledersitze mit viel Seitenhalt
Wir berühren den Griff und die Tür entriegelt wie von Geisterhand. Innen fühlen wir uns sofort wohl: Dank der Ausstattung ,Luxury Line" hat unser Testwagen alles dabei, was uns den Aufenthalt an Bord versüßt. Wir sitzen vorn in bequemem Ledergestühl, das sich beheizen und belüften lässt. Für beide Vordersitze, das Lenkrad, die Außenspiegel und die Kopfstützen steht eine Memory-Funktion zur Verfügung. Zwei Gäste im Fond residieren ebenfalls in einer Wohlfühl-Landschaft, eine Armlehne in der Mitte lässt entspannt reisen. Holzapplikationen mit polierten Oberflächen verleihen eine edle Note, nur am Lenkrad könnten wir durchaus auf das Naturmaterial verzichten.

Navigation und Surround-Anlage
So genannte Optitron-Instrumente zeigen die wichtigsten Daten an. Sie sind gut ablesbar: Dank elektrochromatischem Glas stellt sich die Instrumentenbeleuchtung je nach Sichtverhältnissen automatisch ein. Mittels Tasten auf einem ausklappbaren Bedienpaneel lässt sich diese Durchlässigkeit noch einmal individuell anpassen. Diese Funktion ist allerdings mehr eine nette Spielerei. Die Mittelkonsole bietet uns ein Navigationssystem mit großem Touchscreen. Es zeigt gleichzeitig auch das Bild der im Luxury-Paket enthaltenen Rückfahrkamera an. Das Navigationssystem hat einen Nachteil: Während der Wagen rollt, kann beispielsweise das Ziel nicht verändert werden.
Eine Mark-Levinson-High-End-Anlage mit 5.1-Dolby-Surround-System mit 14 Lautsprechern und Sechsfach-DVD-Wechsler bietet einen super Klang. Sie dürfte zudem zu den letzten ihrer Art gehören, die noch einen Cassetten-Einschub bieten.

Im Leerlauf leiser Sound
Schlüssellos per Startknopf wird der Achtzylinder aus seinem Ruhezustand geholt. Die Maschine ist bemerkenswert leise und im Leerlauf nur überaus dezent im Hintergrund zu vernehmen. Beim Hochdrehen rauscht das Aggregat kraftvoll und souverän und wird nur bei Vollgas nervig laut. Der zunächst leise Sound birgt natürlich auch die Gefahr, dass man mehr Gas gibt, als eigentlich nötig ist. Denn unter seinem feinen Anzug trägt der Lexus die überaus kultivierten Muskeln eines Sportlers. In nur 5,8 Sekunden absolviert die Limousine den Spurt auf Tempo 100, erst bei 250 km/h wird abgeregelt. Der Weg dorthin ist druckvoll und spürbar souverän.

Sanfte Wechsel: Achtstufen-Automatik
Der 4,6-Liter-V8 überträgt seine Kraft mit einer Achtstufen-Automatik auf die Hinterräder. Das Getriebe verfügt über ein sehr sanftes Wesen: Die Wechsel zwischen den Stufen sind bei normaler Fahrweise fast nicht spürbar. Beim Kickdown kann die Box beim Runterschalten auch Stufen überspringen, um die optimale Kraft zu gewährleisten. Per Knopfdruck können je nach Bedarf die Fahrprogramme ,Power" und ,Snow" gewählt werden, die Schaltpunkte werden dann entsprechend beeinflusst.

Adaptives Fahrwerk in Serie
Ebenfalls auf Tastendruck werden die Fahrmodi ,Sport" und ,Normal" gewählt. In der Sporteinstellung wird der Unterbau straffer abgestimmt, die Lenkung reagiert direkter und das ESP greift später ein. Was hier so einfach klingt, ist ein prall gefülltes Technikpaket im GS 460, von dem der Fahrer nur die Wirkung spürt. An Bord ist ab Werk das adaptiv variable Dämpfungssystem AVS. Es passt die Charakteristik der einzelnen Dämpfer je nach Fahrstil, Karosseriebewegung und Straßenbeschaffenheit in neun Stufen automatisch an.

Variabler Lenkwinkel
Elektronik beeinflusst auch die Lenkung: Die Servounterstützung funktioniert geschwindigkeitsabhängig, der GS 460 hat zusätzlich eine variable Lenkunterstützung an Bord. Je nach Einschlag des Steuerrades und Geschwindigkeit variiert die Übersetzung. Das heißt: Beim Einparken lässt sich die Limousine leicht und direkt rangieren, reagiert dafür bei hohen Tempi indirekter auf Lenkbewegungen.

Elektronik bündelt die Features
Im ,intergrierten Fahrdynamik-Management" VDIM sind alle Fahrwerkssysteme – dazu gehören auch das elektronische Stabilitätsprogramm VSC, die Traktionskontrolle und die elektronische Bremskraftverteilung – miteinander vernetzt. Die Elektronik überwacht ständig die Fahrsituation und greift im Notfall von allein mit der jeweils erforderlichen Maßnahme ein. Soweit zur Theorie, die jeder GS-460-Besitzer noch einmal ausführlich in der telefonbuch-dicken Betriebsanleitung nachlesen kann.

Lenkung: Etwas steriles Feedback
In der Praxis fährt sich der starke Lexus sehr souverän. Er ist leise, flink und unheimlich stark. Die Lenkung fühlt sich allerdings etwas steril an und dürfte besonders bei langsamer Fahrt noch direkter agieren. Nichts auszusetzen gibt es am Unterbau: Der Wagen ist komfortabel gefedert und bügelt kleinere Unebenheiten sauber weg. Für höhere Geschwindigkeiten auf der Autobahn empfiehlt sich der Sportmodus, dann liegt der GS satt und sauber auf dem Asphalt. Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die schlecht dosierbaren Bremsen: Sie packen erst beim stärkeren Tritt aufs Pedal zu, dann aber richtig kräftig.

Für 69.100 Euro fast komplett
Ein recht kurzes Kapitel ist die Preisbeschreibung: Der Lexus GS 460 ist ab 62.750 Euro zu haben, der Luxury Line kostet inklusive Annehmlichkeiten wie beispielsweise Lederausstattung, DVD-Navi, Heckkamera und Dolby-Surround-Anlage 69.100 Euro. Hinzu kommen ein Abstands-Tempomat mit Pre-Crash-System für 3.500 Euro, aktive Fahrwerksstabilisatoren für 3.100 Euro und Metalliclack für 820 Euro. Für 76.520 Euro ist der Edel-Japaner bis aufs Schiebedach komplett. Schauen wir kurz zur Konkurrenz: Der allradgetriebene Audi A6 4.2 FSI quattro tiptronic mit 350 PS steht mit 64.900 Euro in der Liste, der 367 PS starke BMW 550i Automatik schlägt mit 66.260 Euro zu Buche und der Mercedes E 500 Elegance 7G-Tronic mit 388 PS ist 65.450 Euro teuer.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Lexus GS ist nach wie vor ein Geheimtipp in seinem Segment. Das unauffällige, elegante Äußere und sein dezentes Auftreten passen zu Leuten, die Understatement suchen. Dabei erscheint der Preis im Vergleich zur deutschen Konkurrenz sogar vernünftig.

    Die Fülle an technischen Features ist beachtlich, die überaus sanfte Achtstufen-Automatik und der leise und starke Motor sprechen die Sprache einer höheren Klasse. Der GS 460 ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Verbindung ,Lexus" und ,Luxus" nicht nur sprachlich herzustellen ist.

  • Antrieb
    95%
    bemerkenswert leiser Motor
    viel Kraft vom Start weg
  • Fahrwerk
    90%
    adaptives System für individuelle Einstellungen
    komfortable Abstimmung für den Alltag
  • Karosserie
    90%
    sehr gute Sitze, viel Platz im Fond
    enge Kofferraumöffnung
  • Kosten
    95%
    in der Luxury Line fast komplett ausgestattet
    vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis

Preisliste


Lexus GS 460 Luxury Line

Grundpreis:  
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.300
Metalliclackierung 820
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Abstandstempomat ACC 3.500
aktive Fahrwerksstabilisatoren 3.100

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart V-Motor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 4.608 
Leistung in PS 347 
Leistung in kW 255 
bei U/min 4.100 
Drehmoment in Nm 460 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.540 
Spurweite hinten in mm 1.545 
Radaufhängung vorn Doppelquerlenkerachse, Dreieckslenker 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben, innenbelüftet 
Wendekreis in m 11,2 
Räder, Reifen vorn 245/40 R18 
Räder, Reifen hinten 245/40 R18 
Lenkung geschwindigkeitsabhängige Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.850 
Breite in mm 1.820 
Höhe in mm 1.430 
Radstand in mm 2.850 
Leergewicht in kg 1.810 
Zuladung in kg 350 
Kofferraumvolumen in Liter 430 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 71 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 16,3 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,9 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 12,6 
CO2-Emission in g/km 258 
Schadstoffklasse Euro 4 

Noble Car aus Japan