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VW Golf GTI (2014) im Test
Ziemlich lässig und souverän

Matthias Naumann 
Von: Matthias Naumann
22. Apr. 2013 um 17:09 Uhr
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Im südfranzösischen Le Castellet, unweit der schönen Côte d'Azur, liegt der ,Circuit Paul Ricard", ein ehemaliger Formel-1-Kurs im Besitz von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Für VW ist genau das der richtige Ort, den bekanntesten Sportler des Hauses vorzustellen – den neuen Golf GTI. Er geht bereits ein halbes Jahr nach Einführung des Golf VII an den Start und macht vieles, was das Basismodell bereits richtig gut kann, noch ein bisschen besser.
Der Kompaktsportler schlechthin
Die ultimative Sportversion des Bestsellers ist der GTI schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Diese Rolle hat längst der Golf R übernommen, der ab 2014 mit annähernd 300 PS an den Start gehen soll. Trotzdem stehen die drei Buchstaben G, T und I wie kein anderes Kürzel im Automobilbereich für alltagstaugliche Sportlichkeit und bezahlbare Emotionen. Wenn der Golf, wie es uns die Werbung suggeriert, ,das Auto" ist, dann kann man den GTI guten Gewissens mit dem Etikett ,der Kompaktsportler" versehen. Das zeigt auch die neueste Ausgabe, von der es erstmals zwei Varianten gibt: den normalen GTI und die ,Performance"-Ausführung.
Performance-Modell mit Vorderachssperre
Womit wir wieder in Le Castellet auf der Rennstrecke wären. Hier kann der auf 230 PS erstarkte Performance-GTI sein technisches Highlight unter Beweis stellen – eine elektronisch geregelte Differenzialsperre an der Vorderachse. Die funktioniert so: Tritt in schnell gefahrenen Biegungen am kurveninneren Rad Schlupf auf, wird mehr Antriebskraft auf das äußere Rad übertragen. Dadurch wird das Fahrzeug quasi in die Kurve gezogen und bleibt beim Herausbeschleunigen sauber in der Spur. Und wo andere Fronttriebler beim Einlenken untersteuern, kann der GTI-Pilot gefahrenlos wieder voll aufs Gas steigen. Das erhöht die Sicherheit und den Fahrspaß dazu. Das Performance-Paket kostet 1.125 Euro und umfasst zusätzlich eine Bremsanlage mit größeren Scheiben vorne sowie weißen GTI-Schriftzügen auf den roten Sätteln. Die Standardversion des Sport-Golf muss sich mit 220 PS und damit zehn Pferdestärken weniger begnügen. Aber was heißt hier begnügen? Der Leistungsunterschied ist so gut wie nicht zu spüren. Im Vergleich mit dem Vorgängermodell hat der neu entwickelte Zweiliter-Turbobenziner ebenfalls ,nur" um vergleichsweise bescheidene zehn PS zugelegt. Gleichzeitig ist das maximale Drehmoment aber von 280 auf ordentliche 350 Newtonmeter angewachsen.
250 km/h Spitze
Bereits ab 1.000 Umdrehungen geht es zügig voran. Doch den Vierzylinder dreht man gerne auch richtig hoch, bis bei 6.000 Touren der Begrenzer eingreift. Das liegt vor allem am kernig sonoren Sound, den der GTI bei hohen Drehzahlen offeriert. Wer entspannt unterwegs ist, vernimmt hingegen nur eine sehr dezente Sportnote. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt in 6,5 Sekunden, die Performance-Variante ist eine Zehntelsekunde schneller. Geschaltet wird serienmäßig von Hand über ein knackiges Sechsgang-Getriebe oder automatisch mithilfe des zackigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes. Das 1.900 Euro teure DSG lässt sich alternativ auch über Paddles am Lenkrad steuern. Je nach Motor-/Getriebekombination variiert die Höchstgeschwindigkeit zwischen 244 und 250 km/h. Das größte Plus des kompakten Dynamikers ist jedoch dessen Ausgewogenheit: Ob gemütliches Cruisen, schnelle Lastwechsel oder das Auto einfach nur ordentlich treten: Der neue GTI erledigt alles ziemlich lässig und souverän.
18 Prozent weniger Verbrauch
Von den weniger als 900 Kilogramm, die den Ur-GTI 1976 federleicht über den Asphalt brausen ließen, ist die siebte Auflage zwar weit entfernt. Im Vergleich zum Vorgänger speckte sie dennoch um 42 Kilogramm ab. Das kommt unter anderem dem Verbrauch zugute, ebenso wie das serienmäßige Start-Stopp-System. 6,0 Liter gibt VW als Durchschnittswert für den Handschalter an, das sind 18 Prozent weniger als beim Sechser-GTI. In der Praxis ist die Werksangabe allerdings nur schwer realisierbar. Wir kamen selbst bei behutsamer Fahrweise selten unter die Acht-Liter-Marke.
Von komfortabel bis straff
Das serienmäßige Sportfahrwerk legt die Karosserie gegenüber dem herkömmlichen Golf 1,5 Zentimeter tiefer. Sehr zu empfehlen ist die Kombination mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC: Für 990 Euro extra kann der Pilot dann die Dämpfer je nach Fahrsituation und persönlichen Vorlieben variieren. Im Comfort-Modus rollt der GTI beinahe schon sanft ab, in der Sport-Einstellung geht es spürbar straffer zur Sache. Im GTI kommt erstmals die so genannte Progressivlenkung zum Einsatz. Sie unterscheidet sich durch eine variable Verzahnung und einen stärkeren Elektromotor von der Basislenkung. In engen Kurven muss der Fahrer weniger oft umgreifen, auch beim Rangieren wird die Lenkarbeit reduziert. Bis zum Volleinschlag sind nur 2,1 statt bisher 2,8 Lenkradumdrehungen nötig. Dadurch wird der Kontakt zur Fahrbahn noch direkter vermittelt.
Traditionelle Zutaten
Optisch gibt sich der neue Golf GTI wie eh und je: Er ist eindeutig als Sportversion auszumachen und wirkt trotzdem nicht aufdringlich. Als Zutaten dienen große Lufteinlässe vorn, 17-Zoll-Leichtmetallräder rundum sowie verchromte Endrohre hinten. Die traditionelle rote Umrandung des Kühlergrills ist einer einzigen roten Linie gewichen, die sich jetzt durch die Scheinwerfer zieht. Die ohnehin hochwertige Golf-VII-Kabine präsentiert sich noch etwas schicker eingerichtet. Unter anderem gibt es ein griffiges Dreispeichen-Sportlenkrad, edel anmutende Alupedale und gut geschnittene Sportsitze. Als nette Reminiszenzen an den ersten GTI dienen Sitzbezüge mit Karomuster und der Schaltknauf in Form eines Golfballs. Preislich geht's für den Dreitürer samt Handschaltung bei 28.350 Euro los, mit fünf Türen sind es 900 Euro mehr. Die insgesamt ordentliche Serienausstattung lässt beim Radio allerdings einen CD-Player vermissen, der 205 Euro zusätzlich kostet. Ebenfalls aufpreispflichtig sind technische Raffinessen wie der Abstandstempomat, der Spurhalteassistent, der Einparkassistent sowie das Navigationssystem mit Gestensteuerung.
Wertung
-
★★★★★★★★★★
Der Golf GTI bleibt auch in seiner siebten Auflage, was er bislang war: das Maß aller Dinge unter den Kompaktsportlern. Der Stärkste ist er in dieser Liga schon lange nicht mehr, seit hier 300 PS und mehr aufgerufen werden. Dafür verbindet der GTI hohen Alltagsnutzen und ausgewogenen Fahrkomfort mit einer genau richtig dosierten Note Sportlichkeit. Die Vorderachssperre nur gegen Aufpreis anzubieten, ist schade, hält aber immerhin den Einstiegspreis unter 30.000 Euro. Einzige nennenswerte Schwäche ist der stets deutlich über der Normangabe liegende Realverbrauch.
-
Antrieb
100%
sehr agil knackige Schaltung
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Fahrwerk
100%
mit DCC breit gefächerte Fahrwerkseinstellungen Vorderachssperre erhöht Fahrdynamik spürbar
-
Karosserie
90%
hochwertige Einrichtung ab Werk nur Radio ohne CD-Player
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Kosten
90%
Einstieg mit ordentlicher Ausstattung unter 30.000 Euro Normverbrauch selbst bei gediegener Fahrweise nicht realisierbar
Preisliste
VW Golf GTI Fünftürer
Grundpreis: 29.250 Euro
Modell Preis in Euro VW Golf GTI Performance Fünftürer 30.375
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten 355 Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie elektr. Schiebedach 1.050 Metalliclackierung 525 Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat 205 Lederausstattung 1.630 Xenonlicht Serie Kurvenlicht 350 Nebelscheinwerfer 350 Anhängevorrichtung 835
Start-Stopp-System Serie MP3-fähiges Radio Serie Navigationssystem 965 Navigationssystem mit Gestensteuerung 2.315 Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe 1.900 Sportsitze Serie Dreispeichen-Sportlenkrad Serie Einparkhilfe vorn und hinten Serie Müdigkeitswarner Serie Abstandstempomat inkl. City-Notbremsassistent 555 Fernlichtassistent 465 Einparkassistent 200 Rückfahrkamera 280 aktiver Spurhalteassistent 505 Verkehrszeichenerkennung 320 adaptive Fahrwerksregelung DCC 990 Internetanbindung inkl. WLAN-Hotspot 465 (nur in Verbindung mit Navigationssystem)
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Reihen-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.984 Leistung in PS 220 Leistung in kW 162 bei U/min 1.500 bis 4.400 Drehmoment in Nm 350 Antrieb Frontantrieb Gänge 6 Getriebe Schaltgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.538 Spurweite hinten in mm 1.516 Radaufhängung vorn McPherson-Federbeinachse mit unten liegendem Dreiecksquerlenker Radaufhängung hinten Vierlenkerachse mit Einzelradaufhängung Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 10,9 Räder, Reifen vorn 225/45 R17, 7,5 x 17 Räder, Reifen hinten 225/45 R17, 7,5 x 17 Lenkung elektromechanische Progressivlenkung Maße und Gewichte Länge in mm 4.268 Breite in mm 1.799 Höhe in mm 1.442 Radstand in mm 2.641 Leergewicht in kg 1.351 Zuladung in kg 544 Kofferraumvolumen in Liter 380 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.270 Anhängelast, gebremst in kg 1.600 Tankinhalt in Liter 50 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 246 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,5 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,0 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,5 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,1 CO2-Emission in g/km 139 Schadstoffklasse Euro 6
Bildergalerie: Lässig und souverän
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