Home
Volvo
XC90
Tests
Unterschwellige schwedische Erziehung
Der Volvo XC90 T6 mit 320-PS-Benziner im Test

Manuel Lehbrink (old) 
Von: Manuel Lehbrink (old)
20. Okt. 2015 um 13:52 Uhr
Als bevorzugte Quelle Motor1.com auf Google hinzufügen
- (https://twitter.com/intent/tweet?url=https%3A%2F%2Fde.motor1.com%2Freviews%2F154007%2Fschwedischer-erzieher-riese-der-volvo-xc90-t6-awd-im-test-mit-technischen-daten-und-preisen%2F&text=Unterschwellige%20schwedische%20Erziehung&via=Motor1DE)
- Kopie
Teilen
Wir erinnern uns an Auto-Startvorgänge aus längst vergangenen Zeiten mit all ihren Eigenheiten: Man stieg ein, zog den Choke, drückte ein paar Mal auf das Gaspedal – um den Vergaser auch ja gründlich mit verbleitem Sprit zu fluten – dreht anschließend den Schlüssel um und entfachte damit ein Ventile-klackendes und turbofreies Hubraum-Akustik-Feuerwerk im ungedämmten Motorraum. Warum ich ins letzte Jahrhundert aushole, obwohl es hier um die neue automobile Technik-Quintessenz von Volvo gehen soll? Nun ja, weil sich der brandneue XC90 trotz seines umfangreichen und wunderbar neuen Hightech-Schnick-Schnacks zumindest eine dieser ,Qualitäten" bewahrt hat.
Geschichte und Wachstum
Stolze zwölf Jahre hat der Vorgänger auf dem Markt durchgehalten (von 2002 bis 2014) ehe er jetzt durch die zweite Generation ersetzt wurde. 4,95 Meter Länge, 1,78 Meter Höhe, 1,96 Meter Breite (mit Außenspiegeln sind es sogar 2,14 Meter) und ein Radstand von knapp drei Meter lassen den neuen Full-Size-Schweden Abmessungs-formal wieder als Audi-Q7-, BMW-X5- oder Mercedes-GLE-Gegner durchgehen. Die Stadt und der XC90 werden so aber wohl nie Freunde. Auf der Autobahn fühlt man sich hingegen genauso chefmäßig wie in einem der Rivalen.
Business-Klasse auf Audi-Niveau
Steigen wir aber erst einmal ein: Das neue Businessclass-Cockpit ist wunderbar aufgeräumt und das Tablet in der Mittelkonsole visualisiert alle nötigen (und unnötigen) Informationen in guter Qualität auf einem neun Zoll großen Bildschirm. Wir machen es uns auf den elektrisch verstellbaren, beheizten und belüfteten Ledersitzen der ersten Reihe gemütlich. Volvo baut schon seit Ewigkeiten fantastische Langstrecken-Sitze. Im XC90 ist das nicht anders. Insgesamt könnten bis zu sieben Personen Platz nehmen. Die dritte Reihe ist optional, kostet 1.500 Euro Aufpreis und ist sogar für ausgewachsene Menschen annehmbar. Zurück ins Cockpit: Die Materialanmutung und die Verarbeitungsqualität sind schwedisches Premium und stehen der hochpreisigen SUV-Konkurrenz aus Deutschland in nichts nach. Nichts klappert, wackelt oder ist scharfkantig. Es ist fast ein bisschen kühl und technokratisch geworden. Wenn Sie so wollen hat der XC90-Innenraum Audi-Qualitäten (auch wegen der 12,3 Zoll großen Digitalinstrumente hinterm Lenkrad).
Ein Vierzylinder-Benziner in einem so großen Auto?
Man könnte dem XC90 alleine wegen der Fahrzeugbreite eine gewisse Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz zusprechen – wäre da nicht das arg beschnittene Antriebsportfolio: Wir sind mit dem 320 PS starken Zweiliter-Turbobenziner unterwegs (6,5 Sekunden von null auf 100 und 230 km/h Spitze). Ein aufgeladener Vierzylinder in einem rund 2,1 Tonnen schweren Auto? Ja, dem Wagen mit der Bezeichnung T6 fehlt – zumindest akustisch – fast immer die Puste. In Verbindung mit der fantastischen Achtgang-Automatik, die ähnlich perfekt (von Wandler-sanft bis DSG-zackig) wie die Box von BMW-Fahrzeugen schaltet, und dem Allradantrieb lässt sich fahrdynamisch nicht die Elchsalami vom Knäckebrot ziehen. Selbst ein Mercedes GLE wirkt zwar agiler und weniger schwerfällig, trotzdem bleiben allzu große Enttäuschungen aus.
Motor-Alternativen?
Etwas befriedigender dürfte es im D5 zugehen. Der ebenfalls zwei Liter große Vierzylinder läuft mit Diesel, hat zwar eine geringe PS-Leistung aber dafür mehr Drehmoment (470 Newtonmeter). Darüber hinaus ist er günstiger in der Anschaffung und braucht weniger Sprit. Für die Personen unter Ihnen, die auch beim Antrieb noch Geld für den letzten Technik-Schrei übrig haben, ist der XC90 T8 die beste Wahl. Hier wird dem 320-PS-Benziner ein Elektromotor zur Seite gestellt, der die Systemleistung auf 407 PS anhebt. Der Verbrauch? 2,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Glauben sie nicht? Wir auch nicht.
Gibts denn andere Qualitäten?
Auch wenn der Top-Benziner etwas enttäuscht, der Plug-in-Hybrid ein utopisches Nischenprodukt bleibt und der Diesel auch nur eine mittelmäßige Kompromisslösung ist – der XC90 hat andere Qualitäten: Zum Beispiel sieht er viel besser aus als die gesamte Konkurrenz (Achtung: Subjektivität!). Außerdem ist er randvoll mit Assistenzsystemen, die im Paket einen Aufpreis von 1.650 Euro bedeuten. Der Wagen misst Abstände zwischen Fahrzeugen, regelt die Geschwindigkeit, lotst uns autonom durch den Stau, hält die Spur mit sanftem Gegenlenken und warnt vor allem, was wir im hektischen Alltagsverkehr übersehen könnten. Im Gegensatz zu anderen Systemen in vergleichbaren Autos macht das der XC90 alles sehr unterschwellig. Er erzieht uns unterbewusst zu besseren Autofahrern. Wenn alte Volvos nur passiv sicher waren, dann trumpft die neue Generation aus Schweden mit aktiver Sicherheit.
Ein kleiner Dämpfer und der Preis
Der Dämpfer und die Reminiszenz an vergangene Autotage? Bei all dem Technikgedöns fordert der hochkomplexe Großrechner auf Rädern bei unserem Test außerplanmäßige Bremspedal-Pumper, bevor sich der Motor über den extravagantesten Drehknopf der SUV-Oberklasse starten ließ. Der gewisse Druck im Bremssystem fehlte. Man arbeitet dran. Der zweite Dämpfer ist der Preis: Unser Testwagen trägt die genaue Bezeichnung ,Volvo XC90 T6 AWD Inscription". In roten Zahlen auf dem Konto liest sich das wie folgt: 68.830 Euro. Mit der Zusatzausstattung (Business-Pro-Paket, Winter-Paket, adaptives Luftfahrwerk, Designpaket, Metallic-Lackierung, 21-Zoll-Leichtmetallfelgen etc.) kommt unser Modell auf 99.968 Euro. Ob Sie wirklich 100.000 Euro für einen schwedischen Premium-Wagen ausgeben wollen? Das bleibt Ihnen überlassen. Die Premium-Konkurrenz aus Deutschland liegt preislich auf Augenhöhe.
Wertung
-
★★★★★★★★☆☆
Wenn Sie auf die ,Sports"-Komponente im ,Utility Vehicle" am meisten Wert legen, bleibt nur der Gang zum BMW-Händler. Der XC90 hat aber von allem ein bisschen: Ein bisschen BMW X5 (Agilität), ein bisschen Audi Q7 (Technik-Schick) und ein bisschen Mercedes GLE (Design-Komfort), wobei die letzte Komponente am deutlichsten ausgeprägt ist. Das Durchschnittskonglomerat aus Schweden ist ausreichend motorisiert. Aber zumindest ein Fünfzylinder-Motor, wie es ihn noch bis vor Kurzem bei Volvo gab, hätte dem Autoriesen deutlich besser getan und ihn höchstwahrscheinlich etwas konkurrenzfähiger in Deutschland gemacht.
+ schickes Design, technisiertes und aufgeräumtes Cockpit, bequeme Sitze, viel Platz, ausgewogene Achtgang-Automatik, komfortables Fahrwerk
- hoher Preis, nur ausreichender Motor, geringer Verbrauch benötigt viel Gefühl
-
Antrieb
70%
-
Fahrwerk
80%
-
Karosserie
95%
-
Kosten
75%
Preisliste
Volvo XC90 T6 AWD Inscription
Grundpreis: 68.830 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation Serie CD-Radio 110 Metalliclackierung 1.400 Leichtmetallfelgen 2.960 (21-Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (elektrisch, Fahrer und Beifahrer) Tempomat Serie Kurvenlicht Serie
LED-Scheinwerfer Serie Regensensor Serie 12,3-Zoll-Digitalinstrument Serie Sitzheizung Serie Fahrmoduseinstellung Serie elektrisch einstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz Serie elektrische Heckklappe Serie Winter-Paket 2.100 adaptives Luftfahrwerk 2.560 Fahrassistenz-Paket 1.650
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Benzin-Reihenmotor mit Roots-Kompressor und Monoturbolader mit Wastegate Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.969 Leistung in PS 320 Leistung in kW 235 bei U/min 2.200 - 5.400 Drehmoment in Nm 400 Antrieb Allrad Gänge 8 Getriebe Automatik Kraftverteilung variabel Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.665 Spurweite hinten in mm 1.667 Radaufhängung vorn Doppelquerlenker Radaufhängung hinten Integralachse Bremsen vorn Innenbelüftete Scheibenbremsen (366 Millimeter) Bremsen hinten Innenbelüftete Scheibenbremsen (340 Millimeter) Wendekreis in m 12,1 Lenkung elektrische Servolenkung Geländekompetenz Böschungswinkel vorn in Grad 23,8 Böschungswinkel hinten in Grad 23,3 Wattiefe in mm 450 Bodenfreiheit in mm 227 - 267 (mit Luftfahrwerk) Maße und Gewichte Länge in mm 4.950 Breite in mm 1.958 (2.140 mit Außenspiegeln) Höhe in mm 1.770 Radstand in mm 2.984 Leergewicht in kg 2.125 Zuladung in kg 625 Kofferraumvolumen in Liter 314 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.886 Anhängelast, gebremst in kg 2.700 Dachlast in kg 100 Tankinhalt in Liter Benzin Kraftstoffart 71 Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 230 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,5 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,0 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,8 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,0 Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 9,8 Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 11,1 CO2-Emission in g/km 186 Schadstoffklasse Euro 6
Lesen Sie auch:
- Volvo XC90 mit Plug-in-Hybrid im Test
- Audi Q7 im Test
- So fährt die M-Klasse-Ablöse: Mercedes GLE im ersten Test
Bildergalerie: Unterschwellige schwedische Erziehung
Volvo
- Make: Volvo
- Model:
- URL: Volvo

24

Diesen Artikel teilen
- (https://twitter.com/intent/tweet?url=https%3A%2F%2Fde.motor1.com%2Freviews%2F154007%2Fschwedischer-erzieher-riese-der-volvo-xc90-t6-awd-im-test-mit-technischen-daten-und-preisen%2F&text=Unterschwellige%20schwedische%20Erziehung&via=Motor1DE)
- Kopie
Meistgelesen

Carado CV600 Pro (2026) im Test: Reichen sechs Meter für drei Wochen Familienurlaub mit Hund?

Royal Enfield Classic 650: Edles, streng limitiertes Sondermodell zum Geburtstag

Dacia Striker: Das kostet der Günstig-Kombi und so sieht das Basismodell aus

Porsche baut keinen elektrischen Supersportwagen, weil keine Nachfrage besteht
AKTUELLSTE ARTIKEL
- Tatsächlicher Verbrauch: Honda Jazz Vollhybrid (2026) im Test 21 Okt. - Verbrauchstests
- Benimar Kaleo (2026): Viel Wohnmobil für unter 60.000 Euro? 20 Okt. - Campingmobile
- Mazda CX-80 Diesel (2026) im Video: Ist Downsizing doch Unsinn? 20 Okt. - Einzeltests
- Geld für Autozubehör sparen? Skoda hat eine ungewöhnliche Idee ... 20 Okt. - Designstudien
- Offroad-Klassiker neu gedacht: 212 kommt als Dreitürer nach Deutschland 20 Okt. - Auto News
- Mercedes eröffnet neues Classic Center: Ein Blick hinter die Kulissen 20 Okt. - Historie und Oldtimer
- ADAC-Kindersitztest 2026: Zwei Modelle fallen durch 20 Okt. - Ratgeber
Auch interessant

Die Plug-in-Hybride mit der größten elektrischen Reichweite 2026

Benimar Kaleo (2026): Viel Wohnmobil für unter 60.000 Euro?

Wie das Design einer Autofamilie entsteht

Geld für Autozubehör sparen? Skoda hat eine ungewöhnliche Idee ...

Paukenschlag: Skoda-Erfolgs-CEO Klaus Zellmer wird neuer Volvo-Chef

Offroad-Klassiker neu gedacht: 212 kommt als Dreitürer nach Deutschland

Mazda CX-80 Diesel (2026) im Video: Ist Downsizing doch Unsinn?