Polizei stoppt Wohnmobil ohne Fenster in NRW
Keine Windschutzscheibe, keine Seitenfenster: Dem Fahrer war einfach zu heiss
Wer schon einmal über fehlende Klimaanlagen im Auto geschimpft hat, dürfte auf diese Idee vermutlich trotzdem nicht kommen. In Lippstadt stoppte die Polizei jetzt ein Wohnmobil, dem nicht nur die Windschutzscheibe, sondern gleich sämtliche Scheiben fehlten. Die Weiterfahrt war damit schneller beendet als die Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser etwas radikalen Lüftungslösung.
Aufgefallen war das Fahrzeug bei einem Schwerpunkteinsatz der Polizei. Als das Wohnmobil den Beamten entgegenkam, staunten diese nicht schlecht: Ohne Frontscheibe, ohne Seitenscheiben und obendrein mit einem nicht angeschnallten Fahrer unterwegs. Bei der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass das Fahrzeug noch deutlich mehr Probleme hatte als nur seine fehlende Verglasung.
Die Polizei fand dafür ungewöhnlich deutliche Worte. Das Wohnmobil sei "eher ein rollender Schrotthaufen" und von der Verkehrssicherheit ungefähr so weit entfernt wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vom WM-Titel 2026. Entsprechend untersagten die Beamten die Weiterfahrt und leiteten ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.
Spannend wird die Geschichte allerdings beim Blick auf das Fahrzeug selbst. Denn hinter dem kuriosen Auftritt steckt offenbar kein beliebiger Eigenbau, sondern ein Reisemobil der heute fast vergessenen deutschen Marke Bawemo. Das Kürzel steht für Barnickel Wechselmobile. Gegründet von Theobald Barnickel in Erlangen, gehörte das Unternehmen in den 1970er-, 1980er- und frühen 1990er-Jahren zu den ungewöhnlichsten Reisemobilherstellern Deutschlands.
Der vollintegrierte Bawemo Streamliner wurde von 1974 bis in die 2000er-Jahre gebaut (Bild KI-generiert)
Statt auf große Stückzahlen setzte Bawemo auf hochwertige Individualfahrzeuge und luxuriöse Reisemobile der Oberklasse. Das von der Polizei fotografierte Fahrzeug erinnert stark an Modelle wie den Bawemo Streamliner oder den Bawemo 630. Die großen Vollintegrierten entstanden meist auf robusten Fahrgestellen von Mercedes oder Iveco Magirus und galten damals als rollende Luxuswohnungen.
Während andere Hersteller damals oft noch vergleichsweise einfache Grundrisse bauten, experimentierte Bawemo bereits mit großzügigen Wohnbereichen und aufwendigen Raumkonzepten. Entsprechend gefragt sind gut erhaltene Exemplare noch immer: Auf den Gebrauchtbörsen werden für seltene Fahrzeuge teils fünfstellige Summen aufgerufen, Spitzenmodelle erreichen sogar die Region um 50.000 Euro.
Der Dreamliner von Bawemo setzte als Basis auf ein Volkswagen LT-Chassis (Bild KI-generiert)
Gerade deshalb wirkt der aktuelle Zustand besonders kurios. Denn was heute von der Polizei als rollender Schrotthaufen aus dem Verkehr gezogen wurde, dürfte vor rund 35 Jahren einmal zu den exklusiveren deutschen Reisemobilen seiner Zeit gehört haben. Manchmal steckt hinter einer kuriosen Polizeimeldung eben auch ein kleines Stück Camping-Geschichte.
Quelle: Kreispolizeibehörde Soest via Presseportal
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