JLR CEO tritt vor Jaguars großem Relaunch plötzlich zurück
Nach 35 Jahren im Unternehmen und zwei Jahren an dessen Spitze geht Adrian Mardell - in einer äußerst kritischen Phase
Adrian Mardell ist der Mann, der Jaguar Land Rover in das schlichtere „JLR“ verwandelt hat. Zudem beschloss er, Range Rover, Defender und Discovery als eigenständige Marken zu vermarkten. Nun hört er auf. Laut einem Bericht von Autocar tritt Mardell nach zwei Jahren an der Spitze des Unternehmens zurück. Ein Nachfolger wurde bislang nicht benannt.
Mardell kam 1990 zu JLR und wurde 2018 Finanzvorstand. Die Leitung des Unternehmens übernahm er, nachdem sein Vorgänger Thierry Bolloré im Jahr 2023 zurückgetreten war. Mardell gelang es, JLR nach schwierigen Jahren während der Corona-Pandemie wieder in die Gewinnzone zu führen. Dennoch erfolgt sein Rückzug in einer entscheidenden und sicher nicht einfachen Phase für das Unternehmen.
Jaguar gab im letzten Jahr bekannt, sich als Hersteller hochpreisiger Elektroautos komplett neu positionieren zu wollen – begleitet von einer Werbekampagne, die extrem kontrovers aufgenommen und vielerorts belächelt wurde. Die Produktion aller bisherigen Modelle wurde eingestellt, um Platz für neue Elektrofahrzeuge mit Preisen jenseits der 100.000-Euro-Marke zu schaffen. Doch der Markt für kostspielige Luxus-Elektroautos ist aktuell mehr als schwierig. Jaguar schlägt eine mutige Richtung ein, aber die Zukunft der Marke ist ungewiss.
Bei Land Rover sieht es besser aus – dank des anhaltenden Erfolgs von Range Rover und Defender. Beide Modelle sind profitabel. Allerdings steht auch Range Rover vor der Einführung seines ersten Elektrofahrzeugs. Offenbar aufgrund schwacher Nachfrage wurde der Marktstart bereits auf das nächste Jahr verschoben.
Hinzu kommen die US-Zollprobleme. Auf die ersten 100.000 Fahrzeuge, die jährlich aus dem Vereinigten Königreich exportiert werden, wird ein zehnprozentiger Zoll erhoben – weniger als für Fahrzeuge aus anderen Ländern. Defender und der Discovery werden jedoch in der Slowakei gebaut und unterliegen daher einem Zollsatz von 15 Prozent. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Thema auf die Zahlen von Land Rover haben wird.
In mancher Hinsicht hinterlässt Mardell JLR in besserem Zustand als bei seinem Amtsantritt. Doch das Unternehmen steht vor denselben Herausforderungen wie viele andere Autobauer. Zudem könnte sich der Jaguar-Neustart zu einem absoluten Fiasko entwickeln. Ob diese Vermutung eine Rolle in Mardells Handeln gespielt hat? Klar ist jedenfalls: Sein Nachfolger wird alle Hände voll zu tun haben.
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