Leichtbau-V8-Sportler fordert Porsche 911 und Co

In einer Zeit von immer mehr Automation und Elektrifizierung ist völlig klar: Die Welt braucht TVR. Jetzt gibt die britische Marke, bekannt für ihre oft beängstigenden, leicht reizbaren Sportwagen, ein Comeback unter neuer Führung. Und der neue TVR Griffith, der nun auf dem Goodwood Revival enthüllt wurde, ist das Modell mit dem die Rückkehr gelingen soll.

Gab es schonmal
Griffith … da klingelt doch was? Richtig, den Namen gab es schonmal. Aber wenn Sie ein Kleinserienhersteller aus Blackpool wären, der elf Jahre lang von der Bildfläche verschwunden war, dann würden Sie vermutlich auch auf ein wenig Historie setzen, oder? Je nach Höhe des eigenen Alters werden Sie sich entweder an das von Jack Griffith pilotierte 60er-Jahre-Rennauto mit Ford-Antrieb erinnern, oder an den 90er-Jahre-Roadster mit Rover-V8, der hauptsächlich damit beschäftigt war, rauchige Drifteinlagen zum Besten zu geben.

Mit 5,0-Liter-Cosworth-V8
Das bringt uns ohne Umschweife zum Thema Antrieb. Der neue TVR Griffith kriegt einen 5,0-Liter-V8, der den meisten Menschen aus dem Ford Mustang bekannt sein dürfte. Für den Griffith jedoch hat Cosworth seine begabten Finger ins Spiel gebracht, das Aggregat für einen niedrigeren Schwerpunkt trockengesumpft und ihm weitere Angriffslust implantiert. Von 400 PS pro Tonne war bisher die Rede. Bei einem Gewicht von lediglich 1.250 Kilo entspräche das einer Leistung von genau 500 PS. Die Front-Mittelmotor-Bauweise trägt zu einer perfekten 50:50-Gewichtsverteilung bei. Die wohl schönste Nachricht für Puristen ist aber eine andere: TVR hat kein Herz für Schaltmuffel. Es gibt ein Tremec-Magnum-Sechsgang-Schaltgetriebe oder nichts. Trotzdem soll der Hecktriebler in unter vier Sekunden von 0-100 km/h sprinten. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 200 Meilen pro Stunde, also bei 322 km/h, liegen.

Gordon Murray entwickelt
Für alles, was beim neuen TVR Griffith irgendwie mit Konstruktion zu tun hat, hat man sich schlauerweise die Dienste von Entwicklungs-Ikone Gordon Murray gesichert. Seine revolutionäre Fertigungstechnik "iStream" kommt beim Griffith gleich zur Anwendung. Die Chassis-Basis ist ein Gitterrohrrahmen aus Stahl mit Carbon-Paneelen, die die Steifigkeit massiv erhöhen und das Gewicht niedrig halten (wie gesagt, der Griffith wiegt lediglich 1.250 Kilo). Da der Auspuff seitlich und relativ weit vorne austritt, konnte zudem ein flacher Unterboden realisiert werden. Zusammen mit dem Frontsplitter, dem Heckflügel und dem bemerkenswert massiven Heckdiffusor dürfte sich so veritabler Downforce erzielen lassen, der für spätere Rennversionen (TVR erwägt eine eigene Rennserie und der neue Chef Les Edgar möchte unbedingt nach Le Mans) mit wenig Aufwand erhöht werden kann.

Zahmer als erwartet
Etwas überraschend für den langersehnten TVR-Neustart: Der Griffith sieht im Vergleich zu den teils völlig abgedrehten Design-Ergüssen von früher erstaunlich zivilisiert aus. Die vorderen Kotflügel, der seitlich austretende Auspuff oder das kantig-komplizierte Heck retten immerhin ein Stück TVR-Madness in die Neuzeit hinüber. Apropos Neuzeit: Wer gehofft hatte, der Griffith würde ein komplett analoges Auto, wird enttäuscht. Wo einst charmante, traditionelle Instrumente und wirr angeordnete Knöpfe und Schalter regierten, herrscht nun ein reduziertes und deutlich digitaleres Ambiente. Ob es an einem 100.000-Euro-Auto wirklich Ford-Fiesta-Lenkstockhebel und 90er-Jahre-Fiat-Lüftungsdüsen gebraucht hätte, ist eine andere Frage. Ach ja, sicherheitsrelevante Errungenschaften wie ABS, Traktionskontrolle oder Airbags (glänzten früher weitestgehend durch Absenz) sind nun Standard. Danken Sie härteren EU-Regulierungen für diesen Umstand.

Launch Edition für 98.000 Euro
Blieben noch die Fragen nach dem endgültigen Preis und dem Marktstart. Die Launch Edition mit spezieller Lackierung, Vollleder-Interieur und besonders schicken Alu-Rädern kommt auf 90.000 britische Pfund. Das entspricht derzeit knapp 98.000 Euro. Das reguläre Modell dürfte etwas günstiger starten. Somit platziert sich der neue TVR Griffith in etwa auf Porsche-911- und Jaguar-F-Type-Territorium. Die Produktion beginnt Ende 2018.

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