Futuristisch: Laser für mehr Fahrkomfort im Mercedes F 700
Prescan-Fahrwerk mit vorausschauender Federverstellung überzeugt im Test
Das ABC als Grundlage
Bei ABC handelt es sich um eine elektronische Federungsverstellung. Wohlgemerkt: Es werden nicht etwa die Stoßdämpfer verstellt – so etwas gibt es auch bei anderen Herstellern. Eine Verstellung für die Schraubenfedern aber bekommt man nur bei Mercedes, und zwar in Oberklassefahrzeugen wie der CL- und S-Klasse. Das System funktioniert so: Wenn die Sensorik feststellt, dass an einem Rad gerade eine straffe Einstellung von Vorteil ist – zum Beispiel bei einem kurvenäußeren Rad –, dann wird einfach die Kraft vergrößert, die zum Zusammendrücken der betreffenden Feder nötig ist. Dies wird erreicht, indem ein Hydraulikzylinder die Schraubenfeder zusammendrückt. Um sie noch weiter zusammenzupressen, ist dann eine größere Kraft als zuvor nötig.
Kein Wanken, kaum Erschütterungen
Folge: Das betreffende Rad federt nicht so weit ein, und in der Kurve wankt das Fahrzeug kaum. Aber auch bei Unebenheiten ist das System wertvoll. ,Sleeping Policemen" oder ähnliche Schwellenhindernisse werden gut herausgefiltert. Außerdem hilft die Verstellung, Kippbewegungen beim Anfahren und Bremsen zu vermeiden. So gut das System ist – einen Nachteil hat es doch. Es kann nicht voraussehen, welche fahrbahntechnischen Zumutungen auf es zukommen. Diesen Trick beherrscht das Prescan-Fahrwerk. Basis der Technik ist eine Sensorik: Der F 700 besitzt je einen Laser in den beiden Scheinwerfern, die den Bereich vor dem Auto abtasten. Das System registriert die reflektierten Strahlen und misst, wie lange diese unterwegs sind. Daraus können Entfernung und Form von Hindernissen errechnet werden.
Keine Funktion bei Regen
Voraussetzung ist allerdings, dass überhaupt Laserstrahlung zum Fahrzeug zurückkommt. Bei reflektierendem Untergrund, zum Beispiel bei regennasser oder mit Schnee bedeckter Straße, funktioniert die Messung nicht. Doch bei trockener Fahrbahn ist eine deutliche Verbesserung spürbar. Wir haben das an einem etwa drei Zentimeter hohen, schwellenförmigen Hindernis erprobt. Fährt man in einem Auto mit konventionellem Fahrwerk und 20 bis 30 km/h über das Hindernis, ist die Erschütterung sehr deutlich. Viel besser geht es mit einer S-Klasse mit ABC-Fahrwerk. Und doch steigt der Komfort nochmals, wenn man mit dem Prescan-Fahrwerk über das Hindernis fährt.
Auch bei versetzten Hindernissen nützlich
Bei versetzten Hindernissen, etwa einem Schlagloch links und kurz danach rechts, reagiert das Prescan-System ebenfalls spürbar besser als das ABC-Fahrwerk. Eine Schwachstelle ist jedoch noch der Tunnelblick des Lasers: Er sieht derzeit stur geradeaus, auch wenn der Wagen in eine Kurve fährt. Besser wäre natürlich ein zweidimensional scannender Laser, der seinen Blick auch in Links-rechts-Richtung wandern lässt. Und noch etwas will man verändern: Es muss günstiger werden. Schon das ABC-System kostet in der S-Klasse knapp 3.500 Euro Aufpreis. Die Lasersensorik dürfte ebenfalls nicht billig sein, sodass man wohl nochmal mindestens 1.000 Euro drauflegen müsste. Deshalb möchte Mercedes noch andere, günstigere Sensoren testen. Aber ob das System überhaupt in Serie geht, ist noch nicht entschieden.
Fazit: Stärkungsmittel für Kernkompetenzen
Aus technischer Sicht und aus der Perspektive des Fahrers ist das Prescan-System ein Gewinn. Mercedes könnte mit seiner Einführung außerdem seine markenspezifische Kernkompetenz stärken: komfortable Fahrwerke. Geeignet wäre das Prescan-Fahrwerk wie ABC zuerst nur in der Oberklasse – vielleicht als System für die nächste S-Klasse, die in einigen Jahren ansteht. Man darf gespannt sein, ob dann ABC Serie sein wird und Prescan als Option angeboten wird.
Bildergalerie: Laser gegen Hindernisse
Auch interessant
Radikales Mercedes-AMG CLE Coupé mit V8 im Video auf der Nordschleife
Camping auf dem Wasser und auf der Straße zugleich
Gewinneinbruch bei Mercedes: China-Krise trübt Bilanz
Kia K4 (2026) mit 150 PS im Test: Neuer Name, neues Glück?
Mercedes baut den Über-CLE! CLE 63? Black Series? Oder noch krasser?
Mitsubishi Eclipse Cross (2026) im Video: 635 km Reichweite
Mercedes 300 (W 186): Dieser Adenauer ist rot