Im Klappdach-Cabrio unterwegs zum nördlichen Ende Europas

Ich wälze mich im Bett und kann nicht schlafen. Der Radiowecker zeigt 2:19 Uhr an, aber draußen ist es taghell. Der bereits etwas zerschlissene Vorhang am Fenster schafft es nur ungenügend, die Strahlen der Mitternachtssonne aus meinem Hotelzimmer fernzuhalten. Hier im Norden Norwegens verschwindet die Sonne zwischen Mitte Mai und Ende Juli an 79 Tagen nicht hinter dem Horizont. Der typische Mittsommernachts-Tourist feiert dieses Ereignis am authentischsten am Nordkapp. Dorthin strömen jedes Jahr tausende von Touristen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto und mit dem Motorrad. Sogar ein Hochradfahrer begegnet uns auf unserer Fahrt. Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist die 307 Meter hohe Felsklippe übrigens nicht der nördlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Der befindet sich einige Kilometer weiter östlich auf der Halbinsel Nordkinn.

Anreise in mehreren Etappen
Wir haben uns mit dem Klappdach-Cabrio Volvo C70 auf den Weg nach Norden gemacht. Freilich nicht aus Deutschland, die Entfernung Frankfurt-Nordkapp beträgt einfach 3.452 Kilometer, sondern aus dem etwa 200 Kilometer südlich unseres Zielpunktes gelegenen Alta. Die Anreise dorthin erfolgt per Flieger in vier Etappen: München-Frankfurt, Frankfurt-Oslo, Oslo-Tromsø und Tromsø-Alta. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, noch weiter nach Norden zu fliegen. Denn hier oben besitzt jedes noch so kleine Kaff einen Flughafen. Allerdings sind die Landebahnen nur etwas für Hartgesottene: rechts Felswand, links Klippen ins Meer und teilweise geht es sogar bergauf, damit die sehr knapp bemessene Länge überhaupt zum Landen reicht. Als ob das noch nicht genug ist, packt das norwegische Wetter als Zugabe noch einen kräftigen Seitenwind mit drauf. Da wird ein Linienflug noch zum echten Abenteuer.

Volvo C70: Idealer Begleiter bei launischem Wetter
Doch wieso ein Cabrio mit Metallmütze? Weil sich das Wetter 550 Kilometer nördlich des Polarkreises im Viertelstunden-Takt von Hochsommer zu Weltuntergang und wieder zurück ändern kann. Wo eben noch schönster Sonnenschein herrschte, können kurze Zeit später dicke Regenwolken und eine steife Brise über einen hinwegfegen. Der C70 trotzt mit seiner festen Dachkonstruktion der gesamten Spanne an Wetterkapriolen von hochsommerlichen Temperaturen bis hinzu winterlichem Schneetreiben. Im geschlossenen Zustand sieht der Schwede auf den ersten Blick aus wie ein Coupé. Erst beim zweiten Hinsehen offenbart sich der stählerne Deckel als dreiteilige Klappkonstruktion, der bei Bedarf im Kofferraum verschwindet. In unserem Fall wird der offene Schwede von der neuen Einstiegsmotorisierung angetrieben. Der Turbodiesel generiert aus zwei Liter Hubraum eine Leistung von 136 PS und wuchtet 320 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. In exakt 11,0 Sekunden beschleunigt der Volvo C70 2.0D auf Tempo 100.

Goldenes Licht über der Landschaft
So schnell wie das Wetter ändern sich im Norden Norwegens auch Landschaft und Vegetation. Je nördlicher wir fahren, desto spärlicher wird der Baumbewuchs und desto karger die Landschaft. So trostlos das bei schlechtem Wetter sein mag: Kaum haben sich die Wolken verzogen, legt die Sonne ihr goldenes Kleid auf die von Moos, Gräsern und Steinen überzogenen Weiten und sorgt für eine ganz besondere Stimmung, die es so nur am Nordkapp zur Mittsommerwende geben kann. Das Dach lässt sich innerhalb von 30 Sekunden im Kofferraum verstauen. Sofort fühlt man sich, als könne man ewig über die schier endlos langen Straßen der Region Finnmark cruisen. Sofern nicht eines der unzähligen wildlebenden Rentiere vor das Auto läuft. Wenn sie friedlich grasend am Straßenrand stehen und treudoof dreinschauen, kann man davon ausgehen, dass sie sich im letzten Moment doch noch dazu entscheiden, die Straße überqueren zu müssen. Danke Volvo, dass eure Bremsen so gut zupacken!

Gefährliche Gesellen am Straßenrand
Ebenfalls am Straßenrand lauert eine weitere Gefahr in Form von Gesteinsbrocken. Die hinterlistigen Dinger sind so scharfkantig, dass sie problemlos tiefe Risse in den Reifenflanken hinterlassen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Schnell sind zwei Reifen demoliert und die nächste Werkstatt ist weiter weg, als einem lieb ist. Doch normalerweise geht es auf norwegischen Straßen eher gemütlich zu: Die Höchstgeschwindigkeit liegt außerorts bei 80 km/h. Auch wenn unser Volvo mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h deutlich mehr schaffen würde, macht ein höheres Tempo keinen Sinn: Zumindest an der Küste geht es nämlich nur selten über längere Distanzen geradeaus.

24 Stunden am Tag Sonne
Letztendlich ist in Norwegen immer der Weg das Ziel. Übertriebene Hektik ist hier absolut fehl am Platze. Wozu auch? Derzeit geht die Sonne 24 Stunden am Tag nicht unter, die pittoreske Landschaft sowie das unglaubliche Licht locken auch nachts zu einem Ausflug und als normaler Mitteleuropäer gewöhnt man sich ohnehin nur langsam an den neuen Rhythmus. Da hätte ich mal besser noch eine Runde mit dem Cabrio gedreht, anstatt mich jetzt im Bett von einer Seite zur anderen zu wälzen.

Bildergalerie: Im Volvo C70 ans Nordkapp