Wartburg und Lada mit originaler DDR-Ordnungshüter-Ausrüstung

Sie sehen nagelneu aus, die beiden Dienstfahrzeuge: ein Wartburg 353 Tourist und ein Lada 2103 mit grün-weißer Lackierung und hoher Blaulicht-Anlage. Die Volkspolizei, also die Polizei der DDR, gibt es seit dem 3. Oktober 1990 nicht mehr. Aber zwei ihrer Wagen kann man jetzt, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, mieten.

Oldtimer aus dem Osten
Jens Plücker ist einer der Inhaber der Berliner Firma Pankow Mobile. Sein Geld verdient er mit Autohandel im Internet. Als er und seine Kollegen bei einer Fahrzeug-Recherche auf den Wartburg 353 und den Lada 2103 von der ehemaligen Volkspolizei stoßen, haben sie eine Idee: Die Autos werden gekauft, ein bisschen hergerichtet und dann zur Vermietung angeboten. Plücker ist in der DDR aufgewachsen und kennt die Fahrzeuge noch aus seiner Kindheit. Der Wartburg wurde 1983 in Eisenach gebaut. Sein 1,0-Liter-Zweitakt-Triebwerk leistet 50 PS, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h reicht. Gefüttert wurde der Dreizylinder-Motor seinerzeit mit VK88, dem sogenannten Vergaserkraftstoff mit 88 Oktan. Das Benzin wurde mit einem Öl-Beimischungsanteil von eins zu 50 versehen – auch heute ist es noch an einigen Tankstellen zu bekommen. Der zur Vermietung stehende Lada 2103 wurde 1976 im russischen Togliatti gebaut. Sein 1,5-Liter-Viertakt-Aggregat ist für 75 PS gut. Der Vierzylinder-Motor bringt den Wagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 152 km/h. Damit das Triebwerk weiterhin rund läuft, muss dem Benzin inzwischen ein Bleiersatz zugesetzt werden.

Anbauteile voll funktionsfähig
Die Lichtsignal-Anlage, die Sirene und die Sprechanlage sind bei jedem der Wagen voll funktionsfähig. Falls es mal an einem der Fahrzeuge zu einem technischen Defekt kommen sollte, ist das laut Plücker kein Problem: Es gibt immer noch Neuteile für die Autos. Der Autovermieter im Nebengeschäft erzählt, dass die VP-Dienstfahrzeuge gerne für Hochzeiten, Junggesellen-Abschiede und Geburtstage genommen werden. Manche Mieter kommen stilecht in originaler DDR-Polizeiuniform. Die weitesten Touren, die Kunden bisher mit den Vopo-Mietwagen unternommen haben, gingen über 400 Kilometer.

Volkspolizist für einen Tag – oder mehr
Gemietet werden können die Wagen übers Internet (miet-vopo.de). Drei Stunden kosten 69, sechs Stunden 99 Euro. Für einen ganzen Tag DDR-Polizei-Groove werden 149, für ein komplettes Wochenende 249 Euro fällig. Eine Erweiterung seines besonderen Mietwagen-Parks hat Plücker im Moment nicht geplant. Aber er sagt: ,Man weiß ja nie, was einem noch so Skurriles über den Weg läuft." Schließlich fehlen noch ein Wolga, ein Barkas und ein Motorrad von MZ mit Vopo-Ausstattung.

Bildergalerie: Die Volkspolizei ruft