Reifendruck-Kontrollsysteme: Wirklich zuverlässig? (2016)
Druck-Probleme: ACE kritisiert indirekt messende Systeme
Wer ein neues Auto fährt, hat es vielleicht schon mal erlebt: Im Cockpit blinkt die Warnleuchte für zu niedrigen Luftdruck. Seit November 2014 sind Reifendruck-Kontrollsysteme (RKDS, auf englisch TPMS) für alle Neuwagen Pflicht. Jetzt übt der Automobilclub ACE scharfe Kritik an dieser Ausrüstung: Besonders die günstigen indirekten Systeme seien unzuverlässig.
Zu faule Sensoren?
Zu diesem Schluss kommen Tests der Umweltorganisation Transport & Environment. Indirekt messende Kontrollsysteme, die einen Druckverlust über die ESP- und ABS-Sensoren ermitteln, hätten zu niedrige Werte nur in seltenen Fällen erkannt. Besonders der VW Golf und der Fiat 500L stehen in der Kritik. ,Offensichtlich sind die Auslöseschwellen der indirekten Systeme bewusst zu niedrig angesetzt worden, um das System für den Verbraucher möglichst bequem zu gestalten und Reklamationen wegen Fehlalarmen vorzubeugen. Raus gekommen sind dabei Messsysteme, die nur auf dem Prüfstand wirklich funktionieren," so Gunnar Beer, Reifenexperte beim ACE. Apropos Fehlalarm: Tatsächlich ist dieser bei besonders niedrigen Außentemperaturen oder nach einem Reifenwechsel (sofern nicht neu kalibriert wurde) nicht ausgeschlossen.
Regelmäßig selbst prüfen
Doch ob nun echter oder falscher Alarm: Eine regelmäßige Luftdruckmessung an der Tankstelle ist ratsam. Laut ACE können schon 0,5 bar zu wenig im Reifen das Fahrverhalten spürbar verändern. Wichtig: Achten Sie darauf, ob die Messgeräte geeicht sind. Meist ist das nicht der Fall, hier macht es Sinn, 0,1 bis 0,2 bar über den angegebenen Wert zu gehen.
Wie funktioniert ein RDKS?
Die beiden RDKS-Varianten unterscheiden sich durch die Art des Messaufwands. Die indirekten Systeme prüfen die Drehzahl des Reifens. Ist sie zu hoch, schlägt das System Alarm. Und wie ist das bei direkten System? Sie verfügen über Sensoren in jedem Reifen, die Druck und Temperatur messen und auch im Stand aktiv sind. Per Funk werden die Daten an einen zentralen Empfänger im Auto übermittelt. Statt einer schlichten Warnleuchte gibt es exakte Informationen, welcher Reifen betroffen ist. Die Sensoren sind aber teuer und das Deaktivieren des Systems ist verboten.
Bildergalerie: Druck-Probleme
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