Renault Clio, Fiat Grande Punto und Peugeot 207 mit 90-PS-Benzinern im Test

Steigende Spritpreise, verstopfte Innenstädte, Parkplatznot: All das lässt einem den Spaß an großen Reiselimousinen vergehen. Wer mag schon noch hunderte von Kilometer mit dem Dickschiff abreißen, wenn ein Liter Super über 1,30 Euro kostet? Dann für die Urlaubsreise lieber in den Zug steigen oder einen Billigflug buchen, und für die wirklich nötigen Versorgungsfahrten einen sparsamen Kleinwagen nehmen.

Neue Stadtflitzer
Gut, dass in letzter Zeit gleich mehrere Stadtflitzer auf den Markt gekommen sind. Neu sind der Renault Clio, der Peugeot 207, der Fiat Grande Punto, der Opel Corsa und der Toyota Yaris. Den Yaris haben wir bereits in Heft 04-05/2006 vorgestellt, und über den Corsa lesen Sie einen Einzeltest ab Seite 40. Die ersten drei aber haben wir für Sie direkt miteinander verglichen: die neue Nummer 207, den großen Punkt von Fiat und die Dichtermuse Clio.

Alle über vier Meter
Unser erster Blick gilt dem Äußeren der drei Fahrzeuge. Außer dem Yaris, der schon immer etwas kleiner war, haben alle fünf neuen Kleinwagen eine Länge von rund vier Metern. Sie sind damit deutlich länger als die jeweiligen Vorgänger. Alle sind Fünfsitzer, und es gibt sie als Drei- oder Fünftürer. Das Design gefällt uns eindeutig am besten beim Grande Punto – die Investition in die Gestaltungsarbeit von Giugiaro hat sich wirklich gelohnt. Recht ansehnlich sind aber auch der 207 und der Clio.

MOTOR / GETRIEBE
Für unseren Test wählten wir eine für Kleinwagen schon recht gute Motorisierung: Benziner um die 90 PS. Beim Clio handelt es sich um einen 1,6-Liter-Motor mit 88 PS. Dieselbe Leistung, aber etwas weniger Hubraum hat der 207 1.4. Der Stärkste im Testfeld ist der Grande Punto mit 1,4-Liter-Motor und 95 PS. Clio und 207 sind mit Fünfgang-Schaltung bestückt, während der Grande Punto in der 95-PS-Version sechs Gänge aufweist.

Ähnliche Sprintdaten
In puncto Beschleunigungsdaten liegen alle drei Testlinge nahe beieinander. Sie schaffen allesamt den Tempo-100-Sprint in 11,4 bis 12,7 Sekunden. Das hört sich so an, als müssten sich alle Drei etwa gleich flott fahren. Doch weit gefehlt: Mit Abstand am spritzigsten wirkt ausgerechnet der 207, der die schlechteste Sprintzeit aufweist. Der Peugeot dreht schön hoch, und sogar sportlicher Ehrgeiz entwickelt sich, wenn man den Kleinen mit dem Löwenlogo fährt.

Clio: Gutmütig von unten heraus
Den zweiten Platz belegt der Clio, der sich zwar kaum als Sportler geriert, dafür aber sehr gut aus dem Drehzahl-Untergeschoss herauskommt. Der Kleine mit dem Rhombus auf dem Kühler besitzt auch am meisten Drehmoment, und das steht schon ab 3.000 U/min zur Verfügung. Deutlich abgeschlagen ist in der Motorenwertung der Grande Punto, paradoxerweise das Auto mit der größten Leistung und dem besten Beschleunigungswert im Vergleich.

Grande Punto will gedreht werden
Hier zeigt sich wieder einmal, dass das Drehmoment bei niedrigen Touren viel ausmacht, wenn es um die subjektive Spritzigkeit eines Aggregats geht. Der Grande Punto hat das geringste Drehmoment, und auch das steht erst bei 4.500 U/min zur Verfügung. Das sagt auch etwas über die allgemeine Charakteristik des Italieners aus: Der Motor ist etwas für Leute, die gerne hoch drehen, und die zurückschalten, bevor sie auch nur ans Beschleunigen denken.

Was Drehmoment ausmacht
Aber wenn man an Kleinwagen denkt, dann fällt den meisten wohl eher das Adjektiv sparsam ein als die Bezeichnung sportlich. Hier liegen die drei Testwagen wieder eng beieinander: Der Clio hat mit 6,6 Litern auf 100 Kilometer den höchsten Herstellerverbrauch, es folgen der 207 mit 6,4 Litern und der Grande Punto mit 6,1 Litern. In der Realität sieht es genau andersherum aus: Bei unseren Fahrten brauchte der Grande Punto mit 8,3 Litern am meisten – wahrscheinlich, weil wir ihn, der Motorcharakteristik entsprechend, am höchsten drehten. Es folgten der 207 mit 7,4 Litern und schließlich der Clio, der sich mit seinem gutmütigen Von-unten-heraus-Beschleunigen mit datenblattnahen 6,9 Litern begnügte. Auch hier sieht man wieder, was Drehmoment ausmacht.

Sechsgang-Getriebe ohne Spritsparwirkung
Die größere Getriebespreizung des Grande Punto mit Sechsgang-Getriebe hilft dem Auto offensichtlich wenig. Auch die so genannte Kanalabschaltung nicht – eine Spritspartechnik, die bei Opel den Namen Twinport trägt. Möglich, dass es bei längeren Autobahnfahrten anders aussieht, doch dafür sind Kleinwagen ja weniger gemacht.

FAHRWERK / LENKUNG
Mit Kleinwagen fährt man selten längere Autobahnetappen, und auch für sportliche Ambitionen auf Landstraßen sind sie nicht gemacht. Für den gelegentlichen Wochenendausflug sollte es natürlich trotzdem reichen. In puncto Fahrwerk sind unsere drei Kleinen solchen Anforderungen allesamt gewachsen. Aber es gibt klare Unterschiede.

Grande Punto mit Sportfahrwerk
Am deutlichsten profiliert sich der Grande Punto Sport mit seinem serienmäßigen Sportfahrwerk. Das nämlich lässt den Italiener sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten erreichen, ohne dass man wegen der Seitenneigung vom Gas gehen muss. Autobahnausfahrten mit Tempo 80 zu nehmen, ist damit kein Problem. Auf holprigen Strecken zeigen sich beim Grande Punto aber die Grenzen von Kleinwagen-Fahrwerken; hier müssen die Insassen mit Erschütterungen rechnen. Selbst auf der Autobahn bei hohem Tempo stört das Geholper auf die Dauer.

Komfortabler Clio
Komfortabler präsentiert sich da der Clio. Der bügelt Wellen und Stöße viel besser weg und vermittelt selbst bei hohem Tempo noch ein sicheres Fahrgefühl. Der zweite Franzose fällt demgegenüber wieder ab: Im 207 schaukelt man etwa bei Ausweichmanövern mit schnell gefahrenen S-Kurven deutlich mehr als im Clio. Obgleich der Peugeot in der Kurve sehr weich wirkt, zeigt er sich bei Fahrbahnunebenheiten wieder von der harten Seite und hoppelt dann etwas. So überzeugt uns das Fahrwerk des 207 am wenigsten.

Lenkung: Grande Punto sehr lebendig
Was die Lenkung angeht, so hat uns an den drei Kleinen kaum etwas gestört. Der Grande Punto fällt etwas auf durch die City-Taste: Ist die gedrückt, wird das Kurbeln und Rangieren zum Kinderspiel. Auf der Autobahn schaltet man den Stadtmodus besser aus. Aber auch dann bewegt sich das Lenkrad ständig, aber nicht weil die Lenkung zu wenig verhärtet, sondern weil die Erschütterungen durch das harte Fahrwerk auch auf die Lenkung durchschlagen. Beim Clio lässt sich das Lenkrad etwas schwer aus der Mittellage herausbringen, aber das hat uns nur wenig gestört.

INNENRAUM / PLATZ
Kleinwagen sind natürlich keine Kombis, und in Bezug auf das Platzangebot darf man im Inneren nicht allzu viel Raum erwarten. Doch allein die Tatsache, dass bei uns viertürige Stufenheckkarosserien in dieser Klasse keine Chance haben, belegt, dass Kleinwagenkäufer auch mal ein Fahrrad mit Plattfuß transportieren oder einen kaputten Kühlschrank zum Wertstoffhof fahren wollen. Außerdem darf man auch in dieser Klasse erwarten, dass im Fond Erwachsene mitfahren können, ohne sich verbiegen zu müssen. Sehen wir uns also an, was die Testwagen in diesem Punkt zu bieten haben.

Grande Punto am engsten
Große Menschen tun sich mit Kleinwagen generell etwas schwer. Über 1,90 Meter hat man nicht nur im Fond, sondern auch auf den Vordersitzen Probleme. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Im Cockpit des 207 ist am wenigsten Platz für Große, bei den anderen beiden geht es besser. Im Fond fährt man bei Clio und 207 am besten: Hier bleiben jeweils ein paar Zentimeter vor den Knien und über dem Kopf. Beim Grande Punto wird es hinten am engsten. Schon mittelgroße Erwachsene stoßen hinter einem ebenso großen Fahrer mit den Knien an die Vordersitze. Der Fiat hat zudem in der Sport-Version nur vier Sitzplätze – eine deutliche Einschränkung für die Alltagstauglichkeit. Übrigens: Während der getestete Grande Punto und der 207 Dreitürer waren, führen wir den Clio als Fünftürer. Doch ist dieser nicht länger als die dreitürige Version, so dass sich die Platzverhältnisse im Fond kaum unterscheiden und die Vergleichbarkeit gewahrt ist.

207 mit dem kleinsten Kofferraum
Beim Kofferraum kann man von einem Kleinwagen etwa 250 bis 1.000 Liter erwarten. Unsere drei Kleinen bieten in etwa diese Werte. Am kleinsten ist hier wiederum der 207, der nur maximal 923 Liter einlädt. Der Grande Punto schafft zwar über 1.000 Liter, doch in der Sport-Ausstattung gibt's nur eine ungeteilte Rückbank. Das fällt vor allem dann negativ auf, wenn man zum Beispiel mal mit Frau und Kind einen neuen Schuhschrank im Baumarkt besorgt. Dann muss entweder ein Passagier mit der U-Bahn nach Hause fahren, oder die Kommode muss dableiben.

Hohe Ladeschwelle beim Grande Punto
Außerdem enttäuscht die extrem hohe Ladeschwelle des Grande Punto. Wer öfter Bierkästen ein- und auslädt, wird sich über die deutlich höhere Barriere ärgern. Die beiden Franzosen haben allerdings ebenfalls eine Ladeschwelle. Hier brilliert der Corsa mit seinem Einlegeboden. Nach dem Umlegen der Fondsitze – bei allen Drei werden zuerst die Sitzpolster und dann die Lehnen geklappt – bleibt bei allen drei Testwagen eine unpraktische Schwelle, das heißt: Der Laderaumboden wird nicht eben. Unpraktisch, aber so ist das eben bei den meisten Kleinwagen. Löbliche Ausnahmen wie etwa der Toyota Yaris bestätigen die Regel.

AUSSTATTUNG / PREIS
Der Preis spielt gerade bei kleinen Fahrzeugen eine wichtige Rolle. Denn Kleinwagen werden eben nicht nur wegen ihrer Größe gekauft, sondern auch, weil sie schlicht günstig sind. Allerdings muss man selbst für unsere Vier-Meter-Mobile schon etwas Geld auf der hohen Kante haben. Der Günstigste im Testvergleich ist der 207. Mit 88 PS bekommt man ihn ab 12.350 Euro – in der Basisausstattung Filou. Den Clio gibt es mit der Testmotorisierung ab 12.850 Euro. Hier erhält man die schon etwas gehobene Ausstattung Expression. Beim Grande Punto muss man für die 95-PS-Motorisierung mindestens 13.650 Euro ausgeben, und bekommt dann die Version Dynamic. In der Ausstattung Sport gibt es das Auto gar erst für 14.990 Euro, und zwar ausschließlich als Dreitürer.

Fiat mit Klima und elektrisch einstellbaren Spiegeln
Der Fiat ist der Teuerste im Vergleich, doch hier bietet auch die Ausstattung am meisten. Anders als die beiden Franzosen hat er elektrisch einstellbare Außenspiegel und eine Klimaanlage. Dafür muss man bei den Konkurrenten über 1.200 Euro Aufpreis zahlen, so dass der Fiat ausstattungsbereinigt nicht mehr teurer ist. Dem Peugeot fehlen in der eher mageren Basisversion Filou auch die Kopfairbags, doch die kosten nur 250 Euro, und das Löwenbaby ist ja 500 Euro billiger als der Clio, der ein vollständiges Airbagpaket besitzt. Vollständig heißt in dieser Klasse: Frontairbags, Seitenairbags vorne und Kopfairbags. In puncto passiver Sicherheit erreichen übrigens alle drei Testfahrzeuge die vollen fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest. ESP ist bei keinem der drei Kleinen Serie.

Keine bedeutsamen Preisunterschiede
Offenbar beobachten die Marketingabteilungen die Konkurrenz mit Argusaugen, so dass es kaum Ausstattungs- und Preisunterschiede gibt. Bei der Betrachtung der Gesamtkosten, berechnet mit dem ADAC-Programm (www.adac-autokosten.de) und inklusive Sprit, Wartung, Steuer, Versicherung und Wertverlust, ergibt sich ein ähnliches Bild: Die drei Autos liegen nahe beieinander. Der Fiat ist etwas teurer und der Peugeot etwas günstiger, der Renault liegt in der Mitte. Die Unterschiede kommen vor allem durch den Wertverlust zustande, der bei teureren, besser ausgestatteten Fahrzeugen natürlich höher ist.

Gleich verteilte Sympathie
Alles in allem kann man Preis und Ausstattung beim Vergleich der Drei außen vor lassen und sich nach den Fahrzeugeigenschaften entscheiden. In der Redaktion stießen unsere drei Kleinwagen auf gleichmäßig verteilte Sympathie. Wen man auch fragte – jeder nannte einen anderen Favoriten, und für jeden der drei Kleinen fand sich ein Liebhaber. So schenkte unsere Redaktionssekretärin dem Peugeot ihr Herz, der Chefredakteur mochte den Fiat am liebsten, und der Haupttester selbst gab dem Renault den Vorzug. Man sieht: Hier entscheiden Nuancen und mitunter auch persönliche Vorlieben.
(sl)

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Beim Motor schneiden die beiden Franzosen am besten ab. Wer gern sprintet, sollte den 207 wählen, wer lieber dahingleitet den Clio. In puncto Fahrwerk empfehlen wir den Fiat dem Kurvenkratzer, den Renault dem Komfortliebhaber. Beim Innenraumangebot schneidet der Clio am besten ab, obwohl der Yaris noch deutlich besser zu bewerten ist. Bei Preis und Ausstattung schließlich schneiden alle drei gleich ab. Insgesamt geben wir dem Clio die beste Note: Motor, Fahrwerk und Innenraumangebot sind jeweils einen Deut besser als bei der Konkurrenz.

  • Peugeot 207
    80%
    sportlichster Motor
    wackeliges Fahrwerk
  • Fiat Grande Punto
    80%
    kurvengieriges Sportfahrwerk
    lahmer Motor
  • Renault Clio
    90%
    drehmomentstarker 88-PS-Motor
    solider Eindruck, bestes Raumangebot

Nummer, Punkt und Muse