Verschiedene Konzepte für ein günstiges Auto mit Platz und dem gewissen Etwas

Die Zeiten, in denen sich Autokäufer zwischen einer Limousine, einem Kombi und eventuell noch einem Schrägheckmodell entscheiden konnten, sind lange vorbei. In den letzten Jahren sind zig Karosserievarianten hinzugekommen – und ein Ende der Nischenfahrzeuge ist nicht in Sicht. Citroën und Kia haben jetzt mit zwei neuen Modellen junge Stadtmenschen ins Visier genommen. Der C3 Picasso und der Soul sollen die Vorteile eines peppigen Kompaktwagens mit einem großzügigen Platzangebot und einem günstigen Preis kombinieren. Grund genug für uns, die beiden Lifestyleautos als 1,6-Liter-Benziner im Vergleichstest gegeneinander antreten zu lassen.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Citroën und Kia setzten ihre Idee eines modernen Stadtautos unterschiedlich um. Ähnlich sind allerdings die Außenmaße: Mit einer Länge von 4,08 Meter (C3 Picasso) beziehungsweise 4,10 Meter (Soul) fallen unsere Testkandidaten äußerlich rund zehn Zentimeter kürzer als ein VW Golf aus. Der C3 Picasso ist im Wesentlichen ein klassischer Kompaktvan mit hohem Dach. Die Karosserieform ist der eines Würfels mit abgerundeten Ecken nachempfunden. Insgesamt dominieren eher weiche Linien.

Kia: Minivan meets SUV
Der Soul hingegen ist ein Crossover-Modell, das Elemente eines Minivans mit denen eines SUV kombinieren will. Eine höher gelegte Karosserie, mehr Ecken und Kanten sowie markant gezeichnete Kotflügel verpassen dem Koreaner echten Offroad-Look. Zum Trendmobil mutiert der Soul in der höchsten Ausstattungslinie ,Spirit" dank 18-Zoll-Leichtmetallrädern, einer Dachreling sowie Zierstreifen quer über das Fahrzeug. Ein wenig davon würde auch dem C3 Picasso gut zu Gesichte stehen. Aber 17-Zoll-Alus oder eine Dachreling sind selbst in der teuersten Version ,Exclusive" aufpreispflichtig. Die durchaus prägnant gestaltete Front mit hoher Motorhaube, großen Scheinwerfern und schwarzen Blenden verleiht dem Franzosen nur von vorne einen markanten Auftritt.

Citroën: Innen mehr Pepp
Was der Kia von außen mehr an Pepp zu bieten hat, macht der Citroën durch sein spaciges Cockpitdesign wieder wett. Silberapplikationen und Klavierlack in der Mittelkonsole vermitteln einen edlen Eindruck. In Kombination mit hochwertigem schwarzen Kunststoff sorgt das im Picasso für ein individuelles Interieur. Der Schaltknauf aus Aluminium sieht zwar ebenfalls schick aus, er ist allerdings beim Start immer so kalt, dass man am liebsten einen Handschuh anziehen will. Und dann wären da noch die Instrumente: Citroën verwendet sehr gerne Digitalanzeigen und platziert sie mittig. Doch das ist heutzutage nicht mehr besonders innovativ, außerdem sind Tacho und Drehzahlmesser so schlecht ablesbar. Die Sitzposition vorne ist angenehm hoch, das weiche Gestühl sehr bequem. Leider kann die Lehne nur stufenweise verstellt werden, sodass wir entweder zu aufrecht oder zu sehr in Liegeposition sitzen.

Etwas langweiliger Innenraum
Etwas enttäuscht sind wir hingegen von der Innenraumgestaltung des Kia. Hier geht es sehr konventionell und eher langweilig zu. Am Armaturenbrett kommt vorrangig Hartplastik in Grau- und Schwarztönen zum Einsatz. Doch wer es lebendiger mag, der kann Instrumententafel, Türverkleidungen und Sitzbezüge auch in Beige oder knalligem Rot ordern. Im Soul sitzen Fahrer und Beifahrer noch höher als im Picasso, was eine gute Übersicht ermöglicht.

Viel Platz in Fond
Dass sowohl der Franzose als auch der Koreaner als Familienautos konzipiert sind, zeigt das Platzangebot im Fond. Bein- und Kopffreiheit sind für Fahrzeuge dieser Größe überraschend großzügig, ein sehr niedriger Mitteltunnel lässt auch passablen Raum für eine dritte Person in der Mitte. Einzig die niedrigen Kopfstützen beim C3 Picasso bieten Anlass zur Kritik. Der Blick in den Kofferraum fällt bei beiden erfreulich aus. Das Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen geht jeweils unkompliziert vonstatten, sowohl beim Picasso als auch beim Soul erhalten wir eine ebene Ladefläche.

Franzose mit größerem Gepäckraum
Der Citroën fasst im Normalzustand bereits 385 Liter. Die Rücksitzbank lässt sich um bis zu 15 Zentimeter nach vorne verschieben, was zusätzlichen Platz schafft. Bei umgelegten Rücksitzlehnen und bis unters Dach beladen fasst der Franzose sogar 1.506 Liter. Der Kia hat durch seine höhere Karosserie auch eine deutlich höhere Ladekante. Zu den 222 Litern regulär kommt noch ein zusätzliches Staufach unter dem Kofferraumboden. Mit maximal 1.140 Liter fällt das Gepäckraum­volumen beim Koreaner jedoch deutlich geringer aus als beim Kontrahenten.

MOTOR/GETRIEBE
Das 126 PS starke 1,6-Liter-Aggregat ist der einzig erhältliche Ottomotor für den Soul. Beim Blick aufs Datenblatt erahnen wir bereits, dass hier kein Power-Triebwerk am Start ist: 156 Newtonmeter maximales Drehmoment, elf Sekunden von null auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h. Unten herum ist der Motor etwas träge, und auch im hohen Drehzahlbereich kommt nicht mehr viel nach. Untermotorisiert ist der Asiate damit zwar nicht, für sportliches Fahren reicht das allerdings nur bedingt.

Nur fünf Gänge
Die Fünfgang-Handschaltung arbeitet weitgehend ordentlich, ein gelegentliches Hakeln muss aber hingenommen werden. Dass eine sechste Schaltstufe trotzdem schön wäre, merken wir auf der Autobahn: Ab etwa 130 km/h wird das Vierzylinder-Triebwerk doch recht laut. Durchschnittlich 6,5 Liter Benzin soll der Soul auf 100 Kilometer verbrauchen. Dass unser Testwagen sich gleich drei Liter mehr genehmigt, mag auch unserer nicht immer ganz sparsamen Fahrweise geschuldet sein. Den Herstellerwert aber tatsächlich in die Praxis umsetzen zu können, erscheint uns dennoch zweifelhaft.

Ausreichender Antrieb, mehr aber nicht
Das 120-PS-Triebwerk im C3 Picasso ist das leistungsstärkste Aggregat des kleinen Franzosen. Auch hier gilt, was bereits zum Kia Soul gesagt wurde: Der 1,6-Liter-Vier­zylinder ist ausreichend, mehr aber auch nicht. Das maximale Drehmoment von 160 Newtonmeter liegt erst bei 4.250 Umdrehungen an. Das verleitet dazu, relativ hochtourig zu fahren. 188 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 11,7 Sekunden zeigen, dass auch der Citroën eher brav ist. Ein stetig lauter werdender Motor verführt nicht wirklich zum Rasen. Der Picasso muss ebenso mit fünf manuellen Gängen auskommen.

Wie ein Rührlöffel in der Puddingschüssel
Die Schaltung ist aber noch einige Worte mehr wert: Der Wählhebel fühlt sich in der Hand an wie ein Rührlöffel in der Puddingschüssel, so viel Spielraum ist vorhanden. Außerdem sind die Schaltwege sehr lang, das ganze Getriebe wirkt etwas undefiniert. Dass sich der erste Gang vor dem Anfahren manchmal nicht richtig einlegen lässt, komplettiert das unerfreuliche Bild. Auch beim C3 Picasso haben wir den Normverbrauch von 6,9 Liter je 100 Kilometer nicht ansatzweise erreicht und benötigten im Schnitt 9,3 Liter Benzin.

FAHRWERK/LENKUNG
Die beiden unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte treten am deutlichsten beim Fahrwerk zutage. Der C3 Picasso zeigt sich hier vornehmlich als Familienauto, bei dem Wert auf Komfort gelegt wird. Dementsprechend weich ist der Franzose ausgelegt. Das mag im Stadtverkehr seine Vorteile haben. Starke Unebenheiten bei höherem Tempo werden dafür umso unvermittelter und direkter an die Passagiere weitergegeben. In Kurven wankt der Citroën nicht zu knapp – allzu dynamisches Serpentinenfahren ist also nicht zu empfehlen. Die Lenkung könnte direkter arbeiten, sie ist dafür aber leichtgängig zu handhaben.

Sehr straff abgestimmter Soul
Ganz im Stile eines sportlichen SUV kommt dagegen der Kia Soul daher. Federn und Dämpfer sind sportlich-straff abgestimmt, was für eine satte Straßenlage sorgt. Auch auf unwegsamer Fahrbahn fühlt sich der Koreaner nicht unwohl. Kurven meistert er auch bei hoher Geschwindigkeit gut. Was der Citroën jedoch zu weich, das ist der Kia zu hart ausgelegt: Auf langer Autobahnfahrt werden die Insassen ganz schön durchgeschüttelt. Ob sich Kinder hier wohl fühlen würden, darf bezweifelt werden. Die Lenkung verhält sich weitgehend neutral und zeigt keine nennenswerten Schwächen.

AUSSTATTUNG/PREIS
Die günstigste Variante des Citroën als 1,6-Liter-Benziner fällt über 3.000 Euro teurer aus als der vergleichbare Kia. In der höchsten Ausstattungsstufe liegt der Preisunterschied dann bei nur noch 750 Euro: Der C3 Picasso VTi 120 Exclusive kostet mindestens 19.700 Euro, der Soul 1.6 CVVT Spirit ist ab 18.950 Euro erhältlich. Front-, Kopf- und Seitenairbags für hinten sowie ESP und Nebelscheinwerfer gehören bei beiden zur Serienausstattung.

Picasso nur gegen Aufpreis mit Alurädern
Der Franzose ist zudem mit einem Licht- und Regensenor, einer Klimaautomatik, einem Tempomat sowie einer Einparkhilfe für hinten ausgerüstet. Gegen Aufpreis sind Leichtmetallfelgen, ein Panorama-Glasdach sowie ein Navigationssystem verfügbar. Der Konkurrent aus Südkorea kommt mit Alurädern in 18 Zoll, Parksensoren für hinten, einer manuellen Klimaanlage sowie beheizbaren Vordersitzen. Aufwerten lässt sich der Soul zudem mit vier verschiedenen Stylingpaketen: Hier sind unter anderem eine Rückfahrkamera, ein elektrisches Schiebedach oder ein hochwertiges Soundsystem enthalten.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Der Citroën C3 Picasso wie der Kia Soul sind zwei moderne Lifestyleautos für den nicht so üppig gefüllten Geldbeutel. Dabei folgen sie unterschiedlichen Konzepten: Der Citroën ist ein klassischer Familienvan mit tollem Platzangebot, aber leider nur mit einer Prise Pepp. Der Kia hingegen kombiniert die Vorteile eines Minivans mit denen eines SUV und spricht eher sportlich ambitionierte Fahrer an. Die Mitnahme von Kindern und Gepäck ist möglich, aber nicht Hauptbestimmung des Asiaten. Sowohl der Franzose als auch der Koreaner zeigen Stärken und Schwächen. Welche davon für den Käufer den Ausschlag geben, muss dieser letztlich selber entscheiden. Uns hat der Kia ein wenig mehr überzeugt – er ist günstiger, liegt besser auf der Straße und ist ein bisschen außergewöhnlicher.

  • Citroën C3 Picasso VTi 120
    80%
    großzügiges Platzangebot, sehr übersichtlich
    schlechte Schaltung, starke Wankbewegungen
  • Kia Soul 1.6 CVVT
    80%
    stylische Optik, sportliches Fahrwerk
    mehr SUV als Minivan, etwas schlichtes Interieur

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