Toyota Aygo X Hybrid im Test: Kleiner Wagen auf großer Fahrt
Kann der 3,78 Meter kurze Wagen auch Langstecke? Und was verbraucht er?
Man denkt ja gerne in Schubladen. Helene-Fischer-Fan? Schlichtes Gemüt. Grünen-Mitglied? Mindestens Vegetarier. Kleinstwagen? Nur etwas für die Stadt, Kutsche von Pizza- und Pflegediensten. Aber es hilft, aus seinem inneren Ikea auszubrechen. Und zum Beispiel mit einem Toyota Aygo X Hybrid rund 550 Kilometer unter die Räder zu nehmen. Pro Strecke. Kann das gutgehen?
Wir hatten den im vergangenen Jahr überarbeiteten Toyota Aygo X bereits mehrfach in den Händen. Zum einen als Fahrbericht, zum anderen im Verbrauchstest der italienischen Kollegen. Dort zeigte sich der wohl kleinste Vollhybrid auf dem deutschen Markt zwar knauserig, setzte aber keine neuen Rekordmarken. Ausführliche Details zur recht aufwendigen Technik des Aygo X finden sie in den erwähnten Artikeln. Denn nach dem großen Facelift gibt es ihn nur noch als reinen Hybrid samt Automatik, der 1,0-Liter-Sauger mit Schaltgetriebe ist weggefallen.
Bildergalerie: Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Karosserie/Design
Der Toyota Aygo X präsentiert sich angenehm klein mit einer Gesamtlänge von 3.776 mm, einer Breite von 1.740 mm und einer Höhe von 1.525 mm, was ihm in Kombination mit einem Wendekreis von handlichen 9,4 Metern zum Stadtflitzer prädestiniert. Das Außendesign gibt sich eigenständig mit zarten SUV-Anklängen. Für Frischluftfans gibt es zudem optionale Ausführungen mit einem Canvas-Faltdach.
Die von uns getestete Top-Variante "GR SPORT" setzt mit einem eigenständigen Frontgrill-Design und speziellen Zierelementen zusätzliche optische Akzente. hinzu kommen serienmäßig 18-Zoll-Alus und eine Zweifarb-Lackierung. Hier ist es "Mustard Yellow Metallic" mit schwarzem Dach. Fans von Borussia Dortmund und Dynamo Dresden werden es lieben.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Der Toyota Aygo X präsentiert sich optisch in einem gewöhnungsbedürftigen, aber keineswegs langweiligen Design. Auffällig ist das vergleichsweise dünne Blech der Karosserie: Die Kotflügel geben bei leichtem Druck nach, und das Klopfen auf die Türen erzeugt einen ungewöhnlich hellen Ton. Wenig stabil wirkt auch die quasi aus dem hinteren Fenster bestehende Heckklappe.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Innenraum
Im Inneren bietet der Viersitzer eine moderne, digitalisierte Umgebung. Das Cockpit verfügt serienmäßig über ein 7-Zoll-Multi-Info-Display und wird – je nach gewählter Variante – durch ein 9-Zoll oder 10,5-Zoll-Multimedia-Display ergänzt, welches eine kabellose Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto ermöglicht. Das Kofferraumvolumen beträgt regulär 231 Liter – entscheidet man sich für das optionale JBL-Premium-Soundsystem inklusive 200-mm-Subwoofer, verringert sich das Ladevolumen durch den höheren Ladeboden leicht auf 182 Liter.
Im Interieur ist der Einsatz von Hartplastik für diese Fahrzeugklasse verzeihlich, wobei das lackierte Außenblech auch innen als stylisches Designelement sichtbar ist. Das ist Geschmackssache, uns gefiel es allemal besser als billigstes Hartplastik bei der Konkurrenz. Das Multifunktionslenkrad mit seinen zahlreichen echten Tasten sorgt für eine intuitive und sichere Bedienung.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Die Einrichtung von Apple CarPlay respektive Android Auto auf dem zentralen 10,5-Zoll-Touchscreen gelingt zügig, Gut so, denn Toyota selbst bietet nur eine Cloud-Navigation ab Werk an. Also lieber Google Maps nutzen. Die darunter liegende, serienmäßige Klimaautomatik mit zwei Zonen (!) überzeugt mit einem sehr starken Durchzug.
Das Platzangebot im Fond ist extrem stark eingeschränkt, sodass dort kaum ein Kind Platz findet. Speziell an Beinraum mangelt es, die Beschränkung auf Ausstellfenster hinten passt nicht zur Preisgestaltung. Auch der Kofferraum ist so klein, dass er nicht einmal eine Kiste Bier fasst; erst durch das Umklappen der Rücksitze entsteht vernünftiger Stauraum, was den Aygo X zu einem reinen Ein- bis Zwei-Personen-Auto macht.
Oder 3+1-Sitzer, wenn der Beifahrer seinen Sitz weit nach vorne schiebt. Ganz klar: Ein Hyundai Inster (3,85 Meter) kann das besser. Auf den vorderen Plätzen überrascht hingegen die gute Kopf- und Ellbogenfreiheit. Die Sitze bieten begrenzten Seitenhalt und sind für die Stadt absolut ausreichend.
Im GR Sport gibt es keine expliziten Sportsitze, was sich auf der Langstrecke irgendwann negativ bemerkbar macht. Ein echtes Highlight ist das bassstarke Soundsystem, das ordentlich Druck macht, jedoch als JBL-System 600 Euro extra kostet und erst ab der Ausstattungslinie "Lounge" verfügbar ist. Generell gilt: In der Basisversion "Pure" lässt sich nichts nachrüsten, während Annehmlichkeiten wie Sitzheizung oder Regensensoren in den mittleren Linien meist extra kosten.
Antrieb/Fahreindrücke
Angetrieben wird der Aygo X von einem 1,5-Liter-Hybrid-System, das mit einem stufenlosen Automatikgetriebe (CVT) kombiniert ist und die Kraft auf die Vorderräder überträgt. Das Triebwerk setzt sich aus einem Dreizylinder-Benzinmotor mit 68 kW (92 PS) und einem Elektromotor mit 59 kW (80 PS) zusammen, woraus eine Systemleistung von 85 kW (116 PS) resultiert.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Damit beschleunigt der kleinste Toyota in 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h. Ziemlich stark motorisiert für ein Stadtauto. Was bei uns den Gedanken reifen ließ, ihn auf der Langstrecke zu prüfen. Das Fahrwerk nutzt vorn eine McPherson-Aufhängung und hinten eine Torsionslenker-Verbundachse, wobei die GR SPORT-Variante über eine spezifische, dynamischere Fahrwerksabstimmung verfügt. Es bleibt aber viel Restkomfort übrig, wenngleich der kurze Radstand in diesem Punkt Grenzen setzt.
Und wie klingt das Ganze? Nun, ein Grundbrummen ist immer vorhanden, wozu auch der Dreizylinder sein Scherflein beiträgt. Der früher oft bei Toyota-Hybriden kritisierte "Gummiband-Effekt" ist indes nur spürbar, wenn man voll aufs Gas tritt. Dann läuft das Getriebe kurz der Drehzahl hinterher. Aber nur kurz. Generell hilft der kurze Blick in die Betriebsanleitung: Die Fahrstufe B lässt Elektroauto-Fahrer an mehr Rekuperation denken. Es handelt sich aber um eine Art Motorbremse für Bergabfahrten, viel Geräusch inklusive. Toyota selbst rät dazu, im Alltag in D unterwegs zu sein.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Völlig zu Recht, denn dann bietet der Wagen eine hervorragende Elastizität und Beschleunigung aus dem Stand sowie bei Zwischensprints von 100 auf 130 km/h. Zusammen mit dem Fahrwerk und der Lenkung liefert das Getriebe- und Antriebspaket ein stimmiges Gesamtbild, das bis zur ausreichenden Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h echten Fahrspaß vermittelt. Um einen Kollegen zu zitieren:
"Ich merke absolut nichts von dem 'Gummiband-Effekt'. Ja, wenn du ihn trittst, röhrt er dir was vor. Aber: kurz vom Gas gehen und er ist akustisch wieder bei Sinnen. Und ich muss sagen: so wie er klingt, macht das sogar Laune. Es ist meiner Ansicht nach kein hochfrequentes Jammern, sondern ein kerniges Röhren wie ein brünftiger Hirsch." Nun, das lassen wir mal so stehen.
Eine feine Sache im Stau oder beim Anfahren ist der kurzzeitig mögliche reine EV-Modus.
Verbrauch/Preis
Auf dem Papier gibt sich das Hybrid-Modell sehr sparsam: Der kombinierte Kraftstoffverbrauch liegt bei lediglich 3,7 bis 3,9 Liter auf 100 Kilometern (im reinen Stadtverkehr sinkt der Wert auf 2,9 bis 3,0 Liter), was CO2-Emissionen von 85 bis 89 g/km entspricht.
Und der harten Realität mit viel Langstrecke? Hier unterstützt auf Abschnitten mit Tempolimit der adaptive Tempomat. Wir kamen im Testmittel auf 4,6 Liter, auch 4,0 konnten erzielt werden. Selbst bei Vollgas und Höchstgeschwindigkeit waren es nicht mehr als 7 Liter. Aber das muss nicht sein, der ideale Autobahnbereich liegt beim Aygo X Hybrid zwischen 120 und 130 km/h. Trotz des nur 30 Liter großen Tank sind dann über 600 Kilometer Reichweite möglich.
Toyota Aygo X GR Sport (2026) im Test
Leider ist die aufwendige Hybrid-Technik aus dem Yaris im Aygo X kein Schnäppchen. Die Preisgestaltung beginnt bei 21.990 Euro für die nackte Basisversion "Pure", die sich mangels Ausstattung und Nachrüstmöglichkeiten nur als günstiges gewerbliches Leasingfahrzeug für Pflegedienste eignet. Für Privatkunden wird es ab der "Active"-Variante (22.490 Euro) oder dem "Teamplayer" (24.690 Euro) interessanter, wo wichtige Features wie Einparksensoren oder die als Winter-Muss empfundene Sitzheizung (teils gegen Aufpreis) einziehen.
Die "Lounge"-Ausführung schlägt mit 27.390 Euro zu Buche, während unser "GR Sport" für 28.390 Euro nur optische Spielereien bietet und vernachlässigt werden kann. Betont sportlich ist eher das Preisniveau für einen Kleinstwagen, angemessener wäre trotz Hybridtechnik eine Preisspanne, die rund 4.000 Euro niedriger ansetzt.
Wo steht die Konkurrenz? BYD brachte kürzlich den Dolphin G DM-i auf den Markt, ein Plug-in-Hybrid im VW-Polo-Format. Mit allen Prämien sinkt der Einstiegspreis hier massiv auf 18.990 Euro. Ein weiterer Chinese ist der MG3 Hybrid, er startet bei 22.490 Euro. Klein und rein elektrisch kommt der Hyundai Inster daher. Grundpreis hier: 24.400 Euro. Oder man greift gleich zum etwas größeren Preisbrecher in Gestalt des Dacia Sandero Stepway: 21.680 Euro in absoluter Vollausstattung mit 120-PS-Turbobenziner und Automatik.
Fazit: 6/10
Der Grundgedanke hinter dem Toyota Aygo X Hybrid ist gut: Ein kleiner Vollhybrid samt Automatik für Stadt und Sparen. Er ist ein spritzig zu fahrender Kleinwagen, der Spaß macht. Und auch für die Langstrecke taugt. Schwächen gibt es beim Platzangebot. Vor allem aber die Preisgestaltung ist viel zu sportlich. Nicht nur beim GR Sport. Das konterkariert den Spargedanken an der Zapfsäule.
Auch interessant
Toyota Hilux vs. Ford Ranger: Duell der Pick-up-Ikonen
Vergessene Studien: Datsun mi-DO Outdoor Leisure (2018)
Toyota GR Yaris vs. Mini JCW: Kraftzwerge im Vergleich
More Sport Utility - Der Dacia Bigster mit H&R-Tieferlegungsfedern
Off-Road total im Adventure-Look: Der Toyota Land Cruiser mit H&R-Höherlegungsfedern
Vespa GTS 310 Edizione Ottantesimo als edles Sammlerstück
Toyota-Chef enthüllt größte Angst: „Alle steigen auf E-Autos um“