Autos mit der Schadstoffnorm Euro 6d-Temp aber nicht betroffen

Zahlreiche Diesel-Fahrzeuge haben bei den so genannten "Schadstoff-Anti-Doping-Tests" des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im realen Fahrbetrieb die Stickoxid-Grenzwerte überschritten. Das geht aus Datenmaterial des KBA hervor, das dem Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb24 vorliegt.

Den Daten zufolge überschreiten 65 Prozent der vom KBA getesteten Modelle die für ihre Schadstoffklasse zulässigen NOx-Grenzwerte. Betroffen sind zahlreiche Marken, wie VW, Subaru, Audi, Mercedes, Fiat, Porsche, Nissan, Kia und BMW. Auffällig ist, dass darunter auch zahlreiche Fahrzeugtypen sind, die die Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen sollen. Die Tests wurden an mehr als 80 ausgewählten Fahrzeugtypen im realen Fahrbetrieb unter unterschiedlichen Wetterbedingungen durchgeführt.

Das Fahrzeug mit den höchsten Stickoxid-Emissionen im Test war ein VW Touareg 3.0 TDI der Schadstoffklasse Euro 5. Ein Nachfolgemodell dieses Typs, das nach Schadstoffnorm Euro 6d-Temp eingestuft ist, gehört dagegen zu den saubersten getesteten Autos. Unter den Euro-6-Fahrzeugen hatte der Subaru Outback 2.0 den höchsten Stickoxid-Ausstoß, gefolgt vom Fiat 500X, dem Fiat Ducato 2.3, dem Audi A6 Avant 3.0 TDI und dem Porsche Macan 3.0 TDI. Deren Stickstoff-Emissionen überschreiten die Grenzwerte wie zahlreiche andere Euro-6-Fahrzeuge um ein Vielfaches.

Dabei sind auffällig viele SUVs. Auch etliche Lieferwagen und hochmotorisierte Limousinen sind betroffen. Deutlich wird aber auch, dass hochmotorige Fahrzeuge nicht unbedingt Dreckschleudern sein müssen: Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 6c und Euro 6d-Temp schneiden in den Tests des Kraftfahrtbundesamts gut ab. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Umweltbundesamt: Ältere Diesel stoßen im realen Straßenverkehr teils erheblich mehr Stickoxid aus als auf dem Rollenprüfstand. Auch nach den UBA-Daten schneiden Euro-6d-Temp-Autos gut ab.

Der Euro-6-Grenzwert liegt bei 80 Milligramm pro Kilometer. Er gilt jedoch nur für die Bedingungen auf dem Rollenprüfstand, das heißt bei festgelegten Beschleunigungen, bei bestimmten Temperaturbedingungen, ohne Beladung und so weiter. Eine Überschreitung der Grenzwerte im normalen Fahrbetrieb ist bei den älteren Schadstoffnormen rechtlich zulässig. Erst ab Euro 6d-Temp gibt es Grenzen. Die danach eingestuften Dieselfahrzeuge dürfen den Euro-6-Grenzwert ebenfalls überschreiten, aber nur um einen festgelegten Faktor, den so genannten Konformitätsfaktor. Der liegt in der ersten Stufe, die seit 2017 und noch bis Ende 2019 gilt, bei 2,1. Das heißt: Euro-6d-Temp-Diesel fürfen im realen Fahrbetrieb bis zu 168 Milligramm pro Kilometer ausstoßen.

Die zweite Stufe gilt jedoch ab 1. Januar 2020. Dann dürfen die realen NOX-Emissionen den Euro-6-Grenzwert von 80 Milligramm nur noch um das 1,5-Fache überschreiben, das heißt, das Maximum liegt dann bei 120 Milligramm. Danach wird die Toleranz weiter abgesenkt. Einen guten Überblick über die Änderungen bei den Stickoxid-Grenzwerten (und dem neuen WLTP-Fahrzyklus) gibt Mercedes auf dieser Website.