Das 400-km/h-Projekt nimmt konkrete Formen an

Bugatti will noch in der zweiten Hälfte 2005 vom Veyron die ersten serienreifen Exemplare ausliefern. Eigentlich war die Markteinführung deutlich früher geplant. Doch geriet das ehrgeizige Projekt ins Stocken und verzögerte sich um Jahre. Immerhin soll der 1001 PS starke Veyron über 400 km/h schnell fahren. Und um diese Geschwindigkeit sicher auf die Straße zu bringen, bedurfte es einiger aufwendiger technischer Kniffe, deren Lösung schließlich viel Zeit verschlang. Bemerkenswert ist unter anderem die Technik der Bremsanlage. Zu den gigantischen Stoppern hat Bugatti auf dem Genfer Autosalon im März 2005 einige interessante Details bekannt gegeben.

Riesige Carbon-Keramik-Bremsen
Die Carbon-Keramik-Bremsanlage besteht laut Bugatti-Pressetext aus zum Teil einzigartigen Komponenten. Mit ihr sollen Verzögerungswerte möglich sein, die sonst kein anderes Serienmodell bietet. Garant dafür ist allein schon die schiere Dimensionierung: Die Carbon-Scheibenbremsen weisen vorne 400 und hinten 380 Millimeter Durchmesser auf. Jede Scheibe wird von einem Acht-Kolben-Monoblock-Bremssattel in die Zange genommen. Dessen Kolben bestehen aus Titan und verfügen über eine Edelstahlkrone sowie eine keramische Wärmeabschirmung. Die Kühlluftkanäle in den Scheiben verlaufen zudem nicht gradlinig, sondern zeigen eine turbinenartige Struktur, um während der Fahrt selbsttätig Kühlluft ansaugen zu können.

Zusätzliche Staudruckkühlung
Um die Bremsen mit zusätzlicher Kühlluft zu versorgen, wurde außerdem eine Staudruckkühlung eingebaut. Ein spezieller Ansaugkanal an der Fahrzeugfront leitet dabei Luft an die Vorderbremsen. Um eine besonders große Luftmenge vorbeizuleiten, verfügt diese über einen Leitkanal, der sich schraubenförmig verjüngt und damit einen sehr großen Durchsatz auf engstem Raum ermöglichen soll. Mit einem Drall wird die Luft so durch das Scheibeninnere gejagt und kühlt dabei zusätzlich Sattel und Beläge. Damit sollen die Bremsen selbst bei höchster Beanspruchung ohne Fading souverän zupacken und im Rennstreckeneinsatz hohe Rundenzeiten ermöglichen. Im normalen Straßenverkehr sind derart hochgerüstete Bremsen selbst bei ambitionierter Fahrweise kaum nötig.

Heckflügel ab 200 km/h als Airbrake
Neben den eigentlichen Bremsen unterstützt außerdem der Heckflügel zusätzlich die Bremsleistung. Oberhalb von 200 km/h wird dieser innerhalb von 0,4 Sekunden auf 70 Grad angestellt. Diese Zusatzfunktion wurde von Bugatti Airbrake getauft, was sich ganz profan mit dem Wort Luftbremse übersetzen lässt. Mit dieser Airbrake soll zum einen der Luftwiderstand wachsen und sich zudem der Hinterachsabtrieb verringern. Letzteres verbessert die Bremsleistung zwischen Vorder- und Hinterachse. Das schließlich auch die elektronischen Helfer ABS und ESP auf das enorme Leistungspotenzial des Veyron abgestimmt wurden, versteht sich fast von selbst.
(mh)

Bildergalerie: Endspurt: Bugatti Veyron