Erstvorstellung 1955: Die Automobil-Legende feiert Jubiläum

Wohl kaum einem anderen Auto wurde eine so hohe Ehre zuteil: ,Göttin" wird der Citroën DS genannt. Der Name kommt bei seinen, pardon, ihren, Fans sicher nicht nur daher, dass ,D-S" im Französischen ,La Déesse" (die Göttin) heißt. Dabei war die Schöpfung des berühmten Mobils alles andere als eine Sieben-Tage-Aktion: Von 1938 bis 1950 entwickelte der Designer Flaminio Bertoni erste Entwürfe für den Nachfolger des berühmten ,Gangster-Citroën" Traction. Dieser stammte ebenso wie der nicht minder berühmte 2 CV von André Lefebvre und bildete die Basis für die spätere DS. Im Oktober 1955 wurde die Göttin erstmals auf dem Pariser Salon vorgestellt.

Dach aus Fiberglas
Der neue Wagen sollte schnell, komfortabel und sicher sein. Um dieses Ziel zu erreichen, führte das Ingenieur-Team unter André Lefebvre Neuerungen auf allen Gebieten ein: So bestand das Chassis aus einem stabilen Unterbau als Träger des Rahmens, an dem die Karosserieelemente befestigt sind. Diese waren zur Gewichtsersparnis aus neuen Materialien wie Alu-Legierungen und Kunststoffen gefertigt, das Dach bestand aus Fiberglas. Die Karosserie besaß großzügige Fensterflächen und schuf Sichtverhältnisse, wie man sie bis dahin in einem Automobil nicht kannte.

Sogar Fahrzeugboden ist verkleidet
Die Aerodynamik bekam einen besonderen Stellenwerk: Der DS hat eine heruntergezogene Motorhaube, eine geneigte und stark gewölbte Frontscheibe, ein Stummelheck, verkleidete Hinterräder und einen verkleideten Fahrzeugboden.

Hydropneumatik ist berühmt geworden
Die eigentliche Revolution der DS 19 bestand jedoch in ihrer zentralen Hochdruck-Hydraulik und den von ihr gesteuerten Funktionen: hydropneumatische Aufhängung mit Trimmkorrektoren vorn und hinten und konstanter Bodenfreiheit bei jeder Last. Die Metallfedern einer klassischen Aufhängung werden durch den Druck zwischen Gas und Flüssigkeit ersetzt.

Halbautomatische Schaltung
Die zentrale Hydraulik unterstützte auch die Servolenkung, indem sie eine direktere Untersetzung und ein schnelleres Ansprechen erlaubte. Ersetzt durch eine halbautomatische Schaltvorrichtung verschwand das Kupplungspedal. Die Gangwahl erfolgte über einen Wählhebel hinter dem Lenkrad. Die DS war der erste Großserienwagen mit Scheibenbremsen. Außerdem hatte das schöne Mobil bereits 1967 Innovarionen wie in Kurven mitlenkende Scheinwerfer.

DS als Staatslimousine
In öffentlichen Bereichen wurde die DS gern gefahren. Viele Jahre war sie als Staatslimousine im Einsatz. General de Gaulle orderte sogar eine ganz besondere DS für den Elysée-Palast. Schließlich hatte bei dem Attentat am Petit Clamart, als de Gaulles Wagen von Kugeln durchsiebt wurde, die DS ihm das Leben gerettet: trotz zweier zerschossener Reifen blieb sie steuerbar und brachte ihn zum Militärflugplatz.

Version mit Trennscheibe und Funktelefon
"Prestige" hieß eine 1959 eingeführte Version mit Trennscheibe zwischen Vordersitz und Wagenfonds, die auch mit Funktelefon ausgerüstet werden konnte. Mit 1.456.115 gebauten Autos in ihrer 20jährigen Karriere war sie eine feste Größe in Sachen komfortabler und sicherer Fortbewegung. Caravaner schätzen sie sehr und machten sie zum Zugwagen par excellence. Wegen ihrer Federung nutzten Kameraleute sie für Aufnahmen während der Fahrt. Die Krankenwagenausführung der Kombivariante Break hatte in Frankreich quasi eine Monopolstellung. Taxifahrer kauften sie wegen des Komforts und wegen der Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen.

"Pallas" als Spitzname in Deutschland
In den meisten europäischen Ländern war die DS sehr geschätzt. Aber die Göttin trug die Citroën-Farben auch auf andere Kontinente, bis in die USA, nach Kanada und Australien. In etlichen Ländern erhielt die ,Göttin" weitere Spitznamen oder wurde wie in Italien und Deutschland nach der Bezeichnung der Spitzenversion einfach ,der Pallas" genannt. In Großbritannien gab es bis 1965 eine eigene Produktion. Die dortigen DS erhielten ein Holzarmaturenbrett mit Rundinstrumenten und eigene Rückleuchten. Besonders beliebt war der Break, der auf dem britischen Markt Safari hieß.

Auch im Motorsport erfolgreich
Mit der DS nahm Citroën erstmals offiziell an internationalen Motorsportwettbewerben teil. Und gewann oft: So beispielsweise die Rallye Monte Carlo (1959 und 1966), die Tour de Belgique, Lüttich-Sofia-Lüttich (1961), den Marathon de la Route, die Tour de Corse (1961, 1963), die Coupe des Alpes und die Rallye Marokko (1969).

Ergonomie als Entwicklungsziel
Aber nicht nur das Äußere der DS ist einzigartig, auch ihr Innenraum macht sie unverwechselbar. Die meisten Schalter und Hebel lassen sich bedienen, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Ergonomie stand im Vordergrund der Entwicklung: Der Innentürgriff zum Beispiel war damals völlig neuartig und erlaubte das Öffnen und Schließen ohne Verrenkung der Handgelenke.

Auch in Filmen zu sehen
Form und Funktion begeisterten Fans wie Filmproduzenten gleichermaßen. Wer erinnert sich nicht an ,Fantomas" (1964) mit Louis de Funès und Jean Marais, ,Das Superhirn" mit Jean-Paul Belmondo und Bourvil (1969). Selbst in US-Streifen durften Göttinnen mitfahren: ,Zurück in die Zukunft II" (1989) mit Michael J. Fox, ,Gattaca" (1997) mit Uma Thurman und Ethan Hawke oder auch ,Catch me if you can" mit Leonardo Di Caprio, Tom Hanks und Christopher Walken.
(hd)

Die Historie in Fakten:
1955: Vorstellung der DS 19 am 5. Oktober auf dem Pariser Salon.
1956: Vorstellung der ID 19 mit mechanischem Getriebe auf dem Pariser Salon.
1957: Einführung ID 19 Normal mit 63 PS und ID 19 Luxus mit 66 PS im Mai.
1958: DS Prestige (mit Trennscheibe zum Chauffeur) und ID 19 Break (Kombi) kommen auf den Markt.
1959: Aluminium-Lufteinlässe in Grillform auf den vorderen Kotflügeln. 12 Volt Lichtanlage bei allen Modellen.
1960: ID und DS Cabriolet kommen auf den Markt
1961: Stärkerer Motor mit 83 PS, neues Armaturenbrett. Alle Stoßstangen sind nun aus Inox.
1962: Die Frontverkleidung wird noch aerodynamischer geformt, die Lufteinlässe auf den Kotflügeln verschwinden, die Front-Stoßfänger-Spitzen sind nun aus Kautschuk.
1964: DS 19 Pallas kommt im Oktober
1965: Der DS 21 kommt mit 109 PS und der DS 19 mit 90 PS. Es gibt nun eine automatische Höhenverstellung der Scheinwerfer, um die verschiedenen Lastsituationen auszugleichen. Die Frontverkleidung wurde überarbeitet.
1967: Die neue Karosseriefront hat vier Scheinwerfer, davon können die zwei Fernscheinwerfer sich in Lenkrichtung mitbewegen.
1968: Der DS 20 ersetzt den DS 19A. Der ID 20 ersetzt den ID 19.
1969: Der DS 21 bekommt eine Einspritzelektronik. Das Armaturenbrett hat nun drei Rundinstrumente. Der D Super ersetzt den ID 20, der D Spécial den ID 19.
1970: Ein serienmäßig mechanisches Fünf-Gang-Getriebe wird im DS 21 eingeführt.
1971: Stärkerer Motor im DS 20.
Borg-Warner Automatikgetriebe auf Wunsch im DS 21.
1972: Der DS 23 kommt wahlweise mit Vergaser (124 PS) oder elektronischer Einspritzung (141 PS). Anstieg des Hubraums im ID.
1974: DS und ID werden eingestellt.
Die Gesamt-Produktion (inklusive ausländischer Werke) umfasst 1.456.115 Autos.

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Benzinmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.911 
Leistung in PS 75 
Leistung in kW 55 
bei U/min 3.000 
Drehmoment in Nm 130 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Hydraulik-Schaltung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.810 
Breite in mm 1.730 
Höhe in mm 1.470 
Radstand in mm 3.125 
Leergewicht in kg 1.215 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 140 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 10 

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