Hightech-Verbundgläser können viel mehr, als Wind und Fliegen abzuhalten

Fahren Sie einen Volkswagen? Dann ist die Chance groß, dass Ihr Auto mit Scheiben von Sekurit ausgerüstet ist. Das ist Ihnen egal? Da haben wir das Problem! Saint-Gobain Sekurit ist einer der drei größten Lieferanten für Autoglas in der Welt und Marktführer in Europa, doch kaum ein Autofahrer nimmt das Unternehmen und seine Produkte so richtig war. Doch das soll sich jetzt ändern: Der französische Hersteller lud europäische Autojournalisten in sein Werk in der Nähe von Paris ein, um über die neuesten Trends und Entwicklungen bei Autoglas nach dem Motto zu berichten: "Unsere Produkte spielen für Autofahrer eine große Rolle, aber keiner ist sich dessen bewusst." Wir waren für Sie dabei.

911 Targa mit Glasdach aus Frankreich
Saint-Gobain Sekurit bezeichnet sich als Innovationsführer: Die Panorama-Windschutzscheiben im neuen Citroën Picasso oder im Opel Astra GTC stammen von dem Unternehmen ebenso wie die Panoramadächer in den Peugeot-Kombis oder im Porsche 911 Targa. Und für Ferrari hat man im Jahr 2003 erstmals den Superamericana mit einem verdunkelbaren Glasdach ausgestattet. Das in diesem Jahr anlässlich des 60. Firmenjubiläums präsentierte Sondermodell Ferrari 612 Scaglietti Sessenta trägt eine Weiterentwicklung des elektrochromen Glasdaches.

Wärmeglas fördert Wohlbefinden
Doch was hat der normale Autofahrer von alledem? Er kann Komfort und Wohlbefinden im Auto erhöhen, wenn er zum Beispiel das häufig als Zusatzoption angebotene Wärmeglas ordert. Die silberne reflektierende Schicht in den Scheiben verhindert einen großen Teil der Energietransmission durch Sonneneinstrahlung in das Wageninnere – das Auto heizt sich weniger auf. Zusätzlich bleichen Materialien im Innenraum weniger aus und man soll bis zu drei Prozent Energie sparen können, weil die Klimaanlage weniger laufen muss. Auch das ganz dunkle ,Privacy"-Glas, das nur für die hinteren Seitenscheiben und die Heckscheiben eingesetzt werden darf, trägt zur Wärmedämmung bei.

Folie heizt Frontscheiben
Eine neue Technik wird mittlerweile bei beheizten Frontscheiben eingesetzt: Während bisher feine Mikrodrähte die Sicht störten – speziell nachts bei Licht vom Gegenverkehr – wird nun eine ganzflächige Metallschicht eingesetzt, die das Auftauen von Eis im Winter ermöglicht und das Aufheizen bei Sonne verhindert.

Akustikglas für Musikliebhaber
Für Musikliebhaber oder Intensivnutzer der Freisprechanlage empfiehlt sich eine Akustikverglasung, bei der zwischen den beiden Glasscheiben drei Folien sitzen, eine davon die ,Noise damping"-Schicht. Im aktuellen BMW 5er zum Beispiel werden Geräusche im Frequenzbereich von 2.000 bis 7.000 Hertz um bis zu fünf Dezibel gesenkt, also um ungefähr das Zweifache. So können sich die Insassen besser unterhalten oder die Ansagen des Navigationsgeräts besser hören. Bei akustischen Glasdächern werden unangenehme Regengeräusche um bis zu zehn Dezibel abgesenkt.

Verbundglas auch in die Seiten
Bei den meisten Autos besteht nur die Frontscheibe aus Verbundglas – das ist gesetzlich vorgeschrieben, da es nicht splittern kann. Anders ist das bei Seiten- und Heckscheiben: Zunehmend wird jedoch bei größeren Fahrzeugen Verbundglas auch für die Seitenscheiben angeboten. So kann kein Motorradräuber mal eben beim vor der Ampel wartenden Auto die Scheibe einschlagen, die Handtasche oder den Fotoapparat auf dem Rücksitz packen und davonbrausen. Und wir haben es bei Saint-Gobin Sekurit in einem Workshop ausprobiert: Eine Verbundglas-Seitenscheibe einzuschlagen, braucht so viel Zeit und Kraft, dass sich das wohl nur die wenigsten Diebe antun. Sicherheitsdienste haben zur Rettung von eingeschlossenen Fahrzeuginsassen nach einem Unfall ein Spezialwerkzeug, das Sekurit aber nicht gerne zeigt. In den USA wurde übrigens herausgefunden, dass es weniger Verkehrstote geben würde, wenn die Autos das Verbundglas rundum hätten, weil dann bei einem Unfall keine Gliedmaßen mehr herausragen können.

Trend: Intelligentes Glas
Und wo gehen die Trends beim Autoglas hin? Die großen Panoramascheiben haben wir schon erwähnt. Generell wird durch komplexeres Biegen von Glas das Fahrzeugdesign differenzierter – die gleichzeitig horizontalen und vertikalen Biegungen des Glases nehmen zu. Die Studie Hakaze von Mazda zeigt den Trend zu Windschutzscheibe und Glasdach aus einem einzigen Stück. Kunststoff wird vermehrt für kleine Flächen wie hintere Seitenscheiben (wie bei Smart Fortwo und Roadster) oder für Lampen eingesetzt, da man es sehr komplex formen kann. Außerdem werden Glasscheiben intelligent: Elektrochromes Glas kann sich auf Wunsch verdunkeln. Saint-Gobain Sekurit setzte es im Jahr 2003 erstmals beim Ferrari Superamericana ein. Glas wird aber auch leuchten können. So zeigte Sekurit ein Sonnendach, das zwar transparent ist, aber aufgrund einer Folie abends und nachts Licht abgeben kann. In einigen Jahren soll es auch möglich sein, auf elektroluminiszentem Glas Informationen darzustellen, etwa Verkehrszeichen oder Warnhinweise in der Frontscheibe oder in einer weiter entfernten Zukunft Videos oder Internetseiten auf den hinteren Seitenscheiben. Und auch die Nanotechnologie wird kommen, die Wasser und Schmutz von der Scheibe abgleiten lässt.

Beratung lässt zu wünschen übrig
Leider würden Autoverkäufer ihre Kunden viel zu selten auf die Vorteile von Glas mit besonderen Eigenschaften hinweisen, das meist auch nur einen geringen Aufpreis kostet – das wurmt Bruno Pouillart, den Marketing Manager von Saint-Gobain Sekurit, besonders. Doch jetzt wissen Sie ja, worauf Sie achten sollten.

Bildergalerie: Raffiniertes Glas