Die Schweizer Fahrzeug-Veredler bauen eine Tragflächen-Amphibie

Rinspeed, der schweizer Spezialist für Prototypen und exklusives Autozubehör hat es jetzt mit seinem Amphibienfahrzeug Splash ins Guinnessbuch geschafft. Dafür musste der Tragflächen-Prototyp hochseetauglich werden.

Uhr-ige Seemacht
Wer schon mal die vielen Segelboote bei schönem Wetter auf dem Zürichsee gesehen hat, weiß: Die Schweizer sind eine Wassersport-Nation. Frei von jeglichen Meeren sind es schweizer Jachten, die bei internationalen Regatten Erfolge einheimsen. Da konnte Frank Rinderknecht, der innovative Chef von Rinspeed, nicht abseits stehen. Sein 2004 in Genf vorgestelltes Amphibienfahrzeug Splash hat er jetzt fit gemacht für den garstigen Ärmelkanal. Ein neuer Rekord in Sachen Kanalüberquerung mit einer Amphibie sollte her.

Durch den Kanal
Am 26. Juli 2006 ist es dann soweit. Chef Frank Rinderknecht himself klemmt sich hinters Steuer. Mit Vollgas umkurvt er riesige Tanker und rumdümpelden Müll. Dann trifft eine harte Welle das kleine Gefährt. Es knackt und ein nicht identifizierbarer Defekt verringert die mögliche Höchstgeschwindigkeit erheblich. Aber Frank Rinspeed nimmt es wie ein zäher Kanalschwimmer: Es muss weiter gehen.

Aufgearbeitet
Um mit dem Fahrzeug auf hoher See operieren zu können, mussten einige Verbesserungen vorgenommen werden. Besonders die Stabilität ist wichtig, wenn es darum geht, über die Wellen des Ärmelkanals zu surfen. Zwei Jahre Vorbereitung waren nötig, um das Projekt wasserfest zu machen. Das Fahrzeug an sich ist zum großen Teil eine Eigenentwicklung. Nur der Gitterrohrrahmen kommt vom kleinen englischen Spezialisten Ariel Atom, der mit seinem Sportwagen ohne Dach, Scheiben und Karosserie von sich Reden macht. Die recht groß geratenen Tragflächen klappen beim Landgang erst hydraulisch zusammen und dann hoch. Der hintere Schwimmflügel wird einfach um 180 Grad gedreht und dient dann auf der Straße als Heckspoiler.

Was fürs Wasser
Um die benötigte Offshore-Qualität zu erreichen, mussten vor allen Dingen die Tragflügel verstärkt werden. Dies wurde mit neuen Hightech-Kunststoffen erreicht. Das Gleiche gilt für die kratz- und salzwasserfeste Frontscheibe. Da bei höheren Geschwindigkeiten jede Welle sehr hart gegen das Boot schlägt, wurden die Sitze mit modernen Polsterstoffen gefüttert. So ist das Gefährt quasi gefedert. Für die enorme Höchstgeschwindigkeit auf dem Wasser von 80 km/h sorgt ein 0,75-Liter-Zweizylinder-Triebwerk vom Motorspezialisten Weber. Das Aggregat MPE 750 ist sehr kompakt und leistungsstark. Es hat an beiden Stirnseiten einen Kraftabtrieb und ist mit einem drehbaren Zylinderkopf versehen. 140 Seepferdchen ziehen den Splash durchs Wasser. Das Drehmoment von 150 Newtonmetern liegt schon bei 3.500 U/min an.

Rekord-Jagd
Bei diesen Werten hätte der Splash in einer halben Stunde die 36 Kilometer lange Strecke zwischen dem englischen Dover und dem französischen Sangatte zurücklegen können. Aber der wilde Ärmelkanal ist eins der kompliziertesten und gefährlichsten Gewässer der Welt, in keinster Weise vergleichbar mit dem oft spiegelglatten Zürichsee. Trotzdem gelingt es Frank Rinderknecht zu zeigen, dass seine Firma das schnellste Tragflächen-Amphibienfahrzeug der Welt gebaut hat. Drei Stunden, 13 Minuten und 47 Sekunden hat die Wasserfahrt gedauert. Der Splash ist ein Prototyp, eine Serienproduktion ist nicht geplant. Seine Entwicklung hat deutlich mehr als 645.000 Euro gekostet.
(gh)

Bildergalerie: Rinspeed Splash