Besuch beim renommiertesten Seven-Car-Hersteller zum 50. Firmenjubiläum

Von der Decke strahlt der für kleinere britische Autohersteller anscheinend obligatorische Wasserfleck. Darunter sitzt uns auf einer Couch David Ridley gegenüber, der Sales Export Manager von Caterham. Gut aufgelegt verkündet er uns, dass Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Caterham in Europa sei. 30 bis 40 Fahrzeuge werden jedes Jahr über ein offizielles Händlernetz an deutsche Kunden ausgeliefert – Tendenz steigend.

Ein Händler steigt auf
Caterham bietet ausschließlich Seven-Style-Cars an, also Autos, die dem legendären Lotus 7 nachempfunden sind. Als sich der Lotus-Gründer Colin Chapman 1973 entschloss, die Produktion des Seven einzustellen, konnte das Graham Nearn, ein Lotus-Händler aus dem südlich von London gelegenen Örtchen Caterham, nicht akzeptieren. Er kaufte von Colin Chapman einige Baupläne und Rechte und begann umgehend mit der Produktion eigener Seven Cars unter dem Namen ihres neuen Entstehungsortes: Caterham.

Logo und Alu
Aber in England gibt es viele Anbieter von Seven Cars, das Grundkonzept ist nicht geschützt. Allerdings sind Caterham die Einzigen, welche das umgekehrte ,Lotus-7-Logo" und die ,7" als Frontgrill verwenden dürfen. Außerdem gibt es Designschutz für Teile der Karosserie. Der ärgste Konkurrent von Caterham ist Westfield aus dem englischen Kingswinford in der Nähe von Birmingham. Als Westfield Mitte der 80er Jahre seine Modelle genauso wie Caterham mit einer Aluminium-Karosserie überzog, klagte Caterham erfolgreich dagegen. So ist Caterham der einzige Seven-Car-Hersteller, der seinen Autos eine Aluminiumkarosserie verpassen darf. Und gekämpft wird mit harten Bandagen: Um Fahrer der wesentlich preiswerteren aber gar nicht mal schlechten Westfield-Modelle von Caterham-Produkten zu überzeugen, lädt Caterham regelmäßig die Mitglieder vom Westfield Owners Club zu Testfahrten ein.

Driftspaß mit Caterham
Die kleine englische Sportwagenschmiede baut pro Jahr 500 Autos, langfristig soll das Volumen auf 600 Fahrzeuge steigen. Bisher geht mit 250 Wagen die Hälfte der Produktion auf den britischen Markt, gefolgt von Frankreich (80), Japan (ebenfalls 80), Deutschland (30-40), den USA (30 in Kalifornien) und Portugal (20). In diesen sogenannten Schlüsselmärkten veranstaltet Caterham im Rahmen der ,Academie Series" regelmäßig Rennfahrtrainings für Otto Normalverbraucher. So sollen Menschen puren Fahrspaß erleben und natürlich als Kunden gewonnen werden. In 1,5 Jahren will sich Caterham auch nach China und Osteuropa ausdehnen, wobei man große Befürchtungen hat, dass Chinesen einfach Caterham-Modelle nachbauen könnten. Aus diesem Grunde will man auf keinen Fall in China produzieren.

Magere Zeiten
Gerade in der jüngeren Zeit hat Caterham so einiges durchmachen müssen. Im Januar 2005 verkaufte Firmengründer Graham Nearn den Laden und im März 2005 passierte das, was für die Briten anscheinend immer noch ein Trauma ist: Rover ging pleite. Zu diesem Zeitpunkt fuhren die Caterham-Modelle mit Rover-Motoren, schnellstens mussten neue Triebwerke her. Insgesamt wurden 91 Motoren getestet, am Ende entschied man sich für zwei Ford-Aggregate: den 1,6-Liter-Sigma-Motor und den von Cosworth modifizierten 2,3-Liter-Duratec. Das Sigma-Triebwerk wurde unter der Federführung eines Deutschen in Köln konstruiert, welcher sich jetzt seinen ersten Caterham bestellt hat. Die gesamte Umstellung hat Caterham beinahe 150.000 Euro gekostet. Als wir David Ridley fragen, ob Caterham nicht einen eigenen Motor bauen möchte, weicht sämtliche Farbe aus seinem rundlich-fröhlichen Gesicht. Eine glänzende Schweißschicht legt sich auf seine Haut und er sieht aus wie ein traumatisierter Vietnam-Veteran. Kurz angebunden stammelt er, dass es Caterham bloß nicht so gehen soll wie TVR (die es mit einem eigenen Motor versucht haben). TVR stellte die Produktion im englischen Blackpool Ende 2006 ein, der russische Firmeneigner Nikolai Smolenski sucht nach einem neuen Standort in Europa.

Dartford statt Caterham
Das Örtchen Caterham ist zwar immer noch ein bedeutender Sitz des Unternehmens, aber produziert werden die Fahrzeuge jetzt in Dartford östlich von London. Auch wird ein Caterham nicht mehr in reiner Handarbeit hergestellt, inzwischen wurden einige Arbeitsgänge wie das Schweißen automatisiert. Zudem gehen bei Caterham die meisten Autos fertig montiert raus, obwohl sie in einigen Ländern auch noch als Kit Car zum Selberbauen zu haben sind. Geleitet wird der Laden inzwischen vom ehemaligen Lotus-Manager Ansar Ali, der das kleine Familienunternehmen deutlich professionalisierte und die Modellvielfalt vorantreibt. Caterhams spektakulärstes Modell ist zur Zeit die Studie X330 mit 330 PS. Demnächst will Caterham mit dem X330 den Rekord für die Nordschleife des Nürburgrings in Angriff nehmen – momentan wird der Rekord von einem Donkervoort D8 RS gehalten (7:14,89 min). Für den X330 könnte Caterham jeden Preis verlangen, Fans haben schon mit Blankochecks gewunken. Aber das Gefährt wird ein Einzelstück bleiben, ausschließlich dazu da, die Presse heiß zu machen und das Marketing anzukurbeln. Wir haben nach dem Wagen gefragt – bei uns hat das schon mal funktioniert.

Bildergalerie: Caterham aus Caterham