Heftiges Durcheinander bei der Frage der Biosprit-Verträglichkeit

Das Chaos ist perfekt: Einmal heißt es, die allermeisten Autos vertragen E10-Sprit, dann wieder werden von kundiger Seite Zweifel geäußert. Mittlerweile kennt sich kaum jemand mehr aus, wenn es darum geht, ob sein Fahrzeug den mit zehn Prozent Bioethanol angereicherten Sprit verträgt oder nicht.

Chaos bei BMW
So war von BMW bisher zu hören, dass der Einsatz von E10-Kraftstoff in allen Pkw-Modellen des bayerischen Herstellers unbedenklich sei. Doch am Wochenende äußerte Thomas Brüner, Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, gegenüber der Zeitung ,Welt am Sonntag" Zweifel: Wasser könne aus den Verbrennungsgasen kondensieren und ins Motoröl gelangen. Daher könnten häufigere Ölwechsel nötig sein. Experten rieten daraufhin den Autobesitzern, öfter den Ölstand zu kontrollieren: Wäre der Stand dann höher als bei der vorherigen Kontrolle, könnte dies an Wasser im Motoröl liegen. Darauf verwies allerdings BMW in mehreren Pressemitteilungen auf die unveränderte Position zum Thema E10. Der Kondensationseffekt ist laut BMW "ein Nebeneffekt des normalen Verbrennungsvorgangs, unabhängig von der Verwendung von E10." Die Aussagen von Brüner hätten sich ,nicht auf Länder mit Kraftstoffqualitäten wie die in der EU verwendeten" bezogen, sondern auf Länder mit minderwertigem Sprit. Aus der Online-Meldung der Welt zu dem Thema lässt sich diese Einschränkung allerdings nicht entnehmen.

Probleme vor allem bei Benzindirekteinspritzern
Inzwischen gibt es allerdings Listen, die Aufschluss geben, welche Fahrzeuge den Sprit nicht vertragen. So warnt Mercedes unter anderem, E10 bei Modellen mit CGI-Direkteinspritzung der ersten Generation zu verwenden, die von 2002 bis 2005 gebaut wurden. Ausgerechnet Fahrer von sparsamen Fahrzeugen wie dem C 200 CGI der Baureihe 203 müssen also weiter den teureren Kraftstoff tanken. Auch bei VW vertragen Autos mit Benzin-Direkteinspritzung (FSI) oft keinen E10-Kraftstoff. So auch bei Opel – Modelle mit dem 2,2-Liter-Benzindirekteinspritzer müssen herkömmliches Super tanken – und Ford, wo man bei den Buchstaben SCi aufpassen muss.

Mehrverbrauch und ethische Aspekte
Unabhängig von der Frage der Verträglichkeit werden in den Medien weitere Aspekte diskutiert. So erinnern Verbraucherschützer daran, dass E10-Sprit einen geringeren Energieinhalt als herkömmlicher Super-Kraftstoff besitzt, was zu einem Mehrverbrauch führt. Außerdem wird diskutiert, ob der Anbau von Mais und anderen Pflanzen für die Bioethanol-Gewinnung ethisch gerechtfertigt ist, und ob auf diesem Wege die CO2-Emissionen nicht sogar höher sind, als wenn weiter Super in den Tank kommt.

Politiker sind sich uneins
Auch die Politiker sind sich uneins. FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring will den E10-Sprit schlicht vom Markt nehmen. Dagegen verteidigt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die E10-Einführung – sie verringere die Abhängigkeit vom Öl. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) lädt zu einem Benzin-Gipfel am 8. März 2011 ein. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erkennt Defizite bei den Mineralölkonzernen, die ihrer Informationspflicht nicht nachkämen. Diese wiederum lassen verlautbaren, dass sie zu wenig Informationen über die Autos und ihre Eigenschaften haben, um hieb- und stichfeste Informationen bieten zu können. Inzwischen meldet sich fast jede Institution zu Wort, die eine Presseabteilung besitzt – von den Bauern bis zu den Autovermietern. Man darf gespannt sein, ob der Benzin-Gipfel endlich Klarheit schafft.

Großes E10-Chaos