Schweden-Derby und der ultimative Getriebetest

Was passiert, wenn man einen acht Tonnen schweren LKW gegen einen Supersportwagen antreten lässt? Eigentlich eine rhetorische Frage, denn der Supersportler wird mit ziemlicher Sicherheit die bessere Rundenzeit hinlegen. So ist es jetzt auf der 2,1 Kilometer langen Rennstrecke Knutstorp im südlichen Schweden geschehen. Hier lieferten sich ein Volvo-Truck namens FH und ein Koenigsegg One:1 ein ungleiches Duell. Aber warum gab es das eigentlich vorhersehbare Schweden-Derby überhaupt?

Ein Getriebe aus dem Rennsport
Ziel war es, das neue I-Shift-Doppelkupplungsgetriebe, welches aus dem Rennsport adaptiert wurde, dem ultimativen Test zu unterziehen. Der Gangwechsler mit zwölf Fahrstufen wird seit Juli 2014 für den Volvo-LKW angeboten. Während der Truck anfährt, hat der Doppelkupplungs-Automat in einer separaten Box bereits den zweiten Gang eingelegt. Ist der zweite Gang aktiv, steht schon der Dritte bereit und so weiter. Das verkürzt die Schaltzeiten und macht den Wechsel der Stufen komfortabler. Reicht das, damit der Transportkoloss eine Rennstreckenrunde absolvieren kann, während der Straßenrennwagen zwei abspult?

400 km/h gegen 130 km/h
Für den Vortrieb liegen im LKW 540 PS an. Sie stammen aus sechs Zylindern, die zusammen auf ein Brennraumvolumen von 12,8 Liter kommen. 2.600 Newtonmeter maximales Drehmoment beschleunigen den acht Tonnen schweren Koloss bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h (ohne gesetzlich vorgeschriebenen Begrenzer). Beim Kontrahenten ist der Name "One:1" Programm: Eine der insgesamt 1.360 Pferdestärken des Biturbo-V8 muss nur ein einziges Kilogramm des Fahrzeuggewichts in Bewegung setzen. 20 Sekunden braucht der Koenigsegg, um auf, Achtung!, 400 km/h zu beschleunigen. Im Höchstgeschwindigkeitsvergleich sieht es ebenso schlecht für den Truck aus: 440 km/h stehen beim Koenigsegg im Fahrzeugschein.

Ein spannendes Finish
Die Chancen standen – trotz Rennsportgetriebe – schlecht für den Truck-Piloten Tiff Needell. Der britische Motorsportler nahm hinter dem Lenkrad des Volvo FH Platz und stellte sich dem ungleichen Duell. Am Ende wurde das sichere Ding für den Koenigsegg aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zur letzten Kurve. Letztendlich überquerte dann der Supersportler nach zwei Runden als Erster die Zielgeraden und konnte das Rennen für sich entscheiden. Dennoch ein gutes Ergebnis, denn der FH ist damit fast halb so schnell wie der One:1. Und dann hat er doch noch einen entscheidenden Vorteil, der LKW: eine Nutzlast für bis zu knapp 11 Tonnen Gepäckgüter. In den Sport-Schweden-Kofferraum passen nur 120 Liter und eine optionale Anhängerkupplung sucht man in der Aufpreisliste vergeblich.

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