ADAC-Studie: Moderne Autos und sensible Daten

Sensoren, Steuergeräte, Computer-Chips: Die vielen elektronischen Helferlein moderner Fahrzeuge können im richtigen Moment zwar ein Segen sein, stellen aber auch Angriffsfläche für Kritik dar – Stichwort ,Gläserner Benutzer". Der Automobilclub ADAC hat nun zusammen mit zwei Experten vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz untersucht, wie und in welchem Umfang mit sensiblen Daten moderner Autos umgegangen wird. Die Studie gewährt interessante Einblicke auf das Innenleben der Fahrzeug-Elektronik. Untersucht wurden eine Mercedes B-Klasse und ein Renault Zoe. Im Mittelpunkt der Studie standen die Fragen, welche Daten erhoben werden, wo, zu welchem Zweck und wie lange diese gespeichert werden und ob sie nach außen gesendet werden.

Mercedes ermöglicht Nutzungsprofile
Bei der B-Klasse kam man zu folgenden Ergebnissen: Das System speichert alle zwei Minuten die genaue GPS-Position, den Kilometerstand, den Verbrauch, den Reifendruck sowie weitere Fahrdaten in einem Speicher ab. Außerdem wird die Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen sowie die Aufteilung zwischen Stadt-, Land- und Autobahnfahrten gespeichert, was einen Rückschluss auf Fahrstil und Nutzungsprofil zulässt. Weiterhin werden zu hohe Drehzahlen und Motortemperaturen im System abgelegt.

Renault Zoe mit Fern-Stilllegung
Renault geht bei der Datensammlung im Elektroauto Zoe noch einen Schritt weiter. Sämtliche Informationen, die normalerweise extern über den Can-Datenbus ausgelesen werden, können automatisch an Renault übermittelt werden. So wird bei jeder Fahrt ein Datenprofil erstellt und an den Hersteller versendet. Besonders geschickt: Bei nicht bezahlten Leasingraten kann Renault das Aufladen der Batterien jederzeit über das Mobilfunknetz deaktivieren. Das Auto bliebe dann bis zur Bezahlung stehen.

Fahrprofil auch bei BMW
Bereits 2015 wurde ein BMW 320d auf die Daten-Thematik hin untersucht. Das Auto speichert maximal erreichte Drehzahlen samt Kilometerstand, die Anzahl der Fahrstrecken von null bis fünf, fünf bis zwanzig, zwanzig bis hundert und über hundert Kilometer sowie die Dauer der Fahrten in den einzelnen Fahrmodi ab. Zusammen mit der Zahl der Gurtstraffungen lässt sich auch mit den 3er-Daten ein aussagekräftiges Nutzungsprofil erstellen.

i3 mit Daten-Flut
Der BMW i3 sendet ähnlich wie der Renault Zoe diverse Daten direkt an den Hersteller. So wird bei jedem Abschalten des Fahrzeugs ein Datenpaket verschickt. In welchen Fahrmodi wurde wie oft gefahren, wann und wo ist der Nutzer auf Bus oder Bahn umgestiegen, wie oft wurde der Ladestecker genutzt, wie und wo wurde geladen – diese Informationen wandern direkt aus dem i3 zu BMW. Auch die Position der letzten 16 Ladesäulen und die letzten 100 Abstellorte des i3 werden gespeichert. Letztere Information ist allerdings nur direkt aus dem Fahrzeug auszulesen.

ADAC fordert mehr Transparenz
Der ADAC fordert auf Grund dieser neu gewonnenen Erkenntnisse nun mehr Transparenz darüber, welche Daten der Hersteller im Auto erhebt, wie lange und zu welchem Zweck sie gespeichert und ob und wie oft diese versendet werden. Dazu soll für jedes Auto eine Liste erstellt werden, aus dieser die geforderten Informationen für den Endverbraucher ersichtlich sind. Außerdem sollen die Nutzer beispielsweise über Werkstätten jederzeit freien Zugriff auf ihre Daten bekommen. Auch das Thema Datensicherheit sei nicht zu vernachlässigen, so der ADAC. Fahrprofile und Nutzungsdaten seien besonders für Versicherungen, Banken und Leasing-Unternehmen sehr interessant.

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