Lust auf Luxus

Es gibt Autos, die sind zu weit weg. Autos, die man einfach nie fahren wird, wenn man nicht gerade in Abu Dhabi einen Turm besitzt, oder eine Gas-Pipeline in Russland. Von mir aus auch 500 Wohnungen in bester Münchner Innenstadtlage. Auf jeden Fall sollte man viel von irgendwas besitzen, sonst wird das nichts. Der Mercedes S 65 AMG ist so ein Auto. Er ist viel zu groß und viel zu mächtig und überhaupt viel zu viel von allem. Bis auf diese völlig absurde G-Klasse mit sechs Rädern, ist er das Teuerste, was der Stern derzeit zu bieten hat. Der S 63 AMG ist unglaublich schnell und dabei unglaublich komfortabel und auch aus jedem anderen Blickwinkel ziemlich unglaublich, aber er hat nur acht Zylinder und deswegen wollen ihn manche Leute nicht. Wir leben in einer Welt, in der ein ultraflacher BMW-Sportwagen mit einem 1,5-Liter-Dreizylinder fährt und trotzdem gibt es den S 65. Immer noch. Ein Zwölfzylinder ist ein Statement, auch wenn er derzeit in etwa die soziale Akzeptanz eines Mantels aus Baby-Nerz genießt (und das, obwohl Daimler beim neuen S 65 den Verbrauch um gut 17 Prozent gesenkt hat. Woher kommt nur dieser Hass?). Und überhaupt: Was sind schon 80.000 Euro Aufpreis, wenn dafür dieser wundervolle V12-Biturbo-Schriftzug am Kotflügel prangt?

Viel Respekt. Oder ist es Angst?
Was man der Ober-S-Klasse allerdings wirklich lassen muss, ist, dass sie eine nicht zu verachtende Aura umgibt. Ein wenig zu viel Chrom für einen AMG. Felgen, die mehr nach Casino als nach Rennstrecke ...