Nur neun Exemplare: Morgan enthüllt das exklusive Midsummer Coupé
In Zusammenarbeit mit Pininfarina zeigt Morgan ein neues Meisterwerk des modernen Karosseriebaus
Es begann mit dem exklusiven Wunsch eines einzigen Kunden – und mündet nun in einer der wohl elitärsten Kleinserien der Gegenwart: Morgan hat am traditionsreichen Standort im britischen Malvern das Midsummer Coupé enthüllt. Das Rezept ist einfach: Den Erfolg der offenen Barchetta-Studie von 2024 weiterdenken, allerdings mit geschlossenem Dach.
Was die britische Manufaktur selbstbewusst als revolutionären Meilenstein des modernen Karosseriebaus feiert, bleibt für die automobile Öffentlichkeit jedoch ein beinahe unsichtbares Spektakel. Denn gerade einmal neun handverlesene Käufer weltweit werden das Privileg besitzen, eine dieser maßgeschneiderten Skulpturen auf Rädern ihr Eigen zu nennen.
Bildergalerie: Morgan Midsummer Coupe (2026)
Der nun präsentierte Prototyp, intern klangvoll als "Artists' Proof" betitelt, liefert die Blaupause für ein ungewöhnliches Projekt, das handwerkliche Traditionen zwar eindrucksvoll auf die Spitze treibt, sich am Ende aber wohl vor allem als sündhaft teures Garagengold für einen absoluten Mikrokosmos an Sammlern entpuppt.
Symbiose aus britischer Tradition und italienischer Eleganz
Das ehrgeizige Vorhaben setzt die kreative Partnerschaft zwischen Morgan und dem renommierten italienischen Designhaus Pininfarina fort. Bereits in der frühen Konzeptionsphase arbeiteten die Designer beider Marken eng zusammen, um dem Fahrzeug eine völlig eigenständige, geschlossene Identität zu verleihen.
Die neu gezeichnete Dachlinie bricht mit bekannten Proportionen, verändert den Charakter des Wagens grundlegend und verleiht der fließenden Silhouette eine ungeahnte visuelle Spannung. Ein absolutes Highlight ist dabei die großzügige Glasüberdachung: Sie flutet das Interieur mit natürlichem Licht und kreiert eine erstaunlich luftige Atmosphäre.
Auch in den Details offenbart sich die gestalterische Raffinesse. Inspiriert von italienischen Sportwagen der 1960er-Jahre wurde die Grafik der Seitenfenster mit versenkbaren Scheiben entworfen. Am unteren Karosseriebereich schlagen polierte Edelstahlpaneele eine direkte optische Brücke zum ursprünglichen Barchetta-Modell.
Im Interieur dominiert feinstes Teakholz, das eine subtile Hommage an den klassischen Yachtbau darstellt. Clevere Lösungen, wie die im Dachbereich montierten Fensterschalter oder der neu entwickelte Aluminium-Gangwahlschalter mit edlem Teakholz-Inlay, zeugen von einer tiefen Leidenschaft für funktionales, aber wunderschönes Design.
Die Philosophie hinter dem Midsummer Coupé
"Das Midsummer Coupé begann mit einem Gespräch", verrät Matthew Hole, Managing Director der Morgan Motor Company, den Ursprung hinter dem exklusiven Sondermodell. "Ein Kunde kam mit einer Idee zu uns, und anstatt uns zu fragen, wie genau wir diese Vorgabe erfüllen können, haben wir uns gefragt, wie weit wir sie treiben können."
"Spezialprojekte wie dieses bringen dieselben Designer, Ingenieure und Handwerker zusammen, die jeden Morgan-Sportwagen bauen, und geben ihnen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf neue Weise einzusetzen. In enger Zusammenarbeit mit jedem Kunden erforschen sie neue Ideen, verfeinern neue Techniken und entwickeln das Wissen weiter, das den Karosseriebau von Morgan heute ausmacht."
"Nur neun Kunden werden ein Midsummer Coupé besitzen, aber die Wirkung des Projekts reicht weit über diese Aufträge und Erfahrungen hinaus. Jede Herausforderung, die wir meistern, jede Technik, die wir entwickeln, und jede Lektion, die wir lernen, stärkt Morgans Fähigkeit, unverwechselbare und fahrfreudige Sportwagen zum Leben zu erwecken."
Hochmoderne Architektur unter dem Maßanzug
Unter dem sinnlichen Blechkleid verbirgt sich pure Ingenieurskunst. Als technische Basis dient die moderne CXV-Generation der geklebten Aluminiumplattform von Morgan, die unter anderem im Supersport 400 Modell für beeindruckende Fahrdynamik sorgt. Gepaart wird diese Leichtbau-Architektur mit dem bewährten BMW B58 Antriebsstrang.
Um ein geschlossenes Dach nahtlos und stabil in dieses Gerüst zu integrieren, mussten die Entwickler tief in die Trickkiste greifen. Zum Einsatz kommen nun aus dem Vollen gefräste Aluminium-A-Säulen, die das Fundament für die direkt mit der Struktur verklebte Verglasung von Windschutzscheibe und Dach bilden.
Diese aufwendige Bauweise zahlt sich aus: Das Coupé wiegt gerade einmal 2,5 Prozent mehr als das Supersport-Modell mit konventionellem Hardtop. Vollständige Wetterabdichtungen und ein hochwirksames Klimasystem unterstreichen zudem den Anspruch, nicht nur ein Museumsstück, sondern ein funktionales Alltagsauto auf die Räder gestellt zu haben.
Kombination aus Handwerk und digitaler Präzision
Die Fertigung der Karosserie erfolgt in einem hybriden Prozess, der traditionelle Handwerkskunst mit digitalen Messverfahren kombiniert. Die zentralen Karosserieteile werden in hunderten Arbeitsstunden an der Rollenstreckmaschine aus flachem Aluminiumblech handgeformt. Weil die Aluminiumhaut beim Midsummer Coupé als tragendes Element in einer sogenannten Stressed-Skin-Konstruktion fungiert, ist eine hohe Präzision erforderlich.
Um diese Maßhaltigkeit zu gewährleisten, werden die Bauteile während der Montage kontinuierlich per Laserscan vermessen und mit den digitalen CAD-Referenzdaten abgeglichen. So wird eine Genauigkeit von 0,3 Millimetern über die gesamte Fahrzeuglänge erreicht. Ergänzt wird die Konstruktion durch den Morgan-typischen Karosserierahmen aus Eschenholz und laminierten Radläufen, der nicht nur zur Stabilität beiträgt, sondern auch Resonanzen der Aluminiumbleche akustisch dämpft.
Prototyp fährt vom Reißbrett direkt ins Museum
Doch wer zu den neun Auserwählten gehört, kauft nicht einfach ein Auto. In einem intensiven, persönlichen Dialog mit den Designern werden Farben, Lederarten, Holzoberflächen und feinste Details definiert, sodass am Ende neun absolute Unikate die Werkshallen an der Pickersleigh Road verlassen werden.
Um diesen Ausnahmestatus auch nach außen zu tragen, schmückt das begehrte "Fuoriserie"-Emblem von Pininfarina die Flanken hinter den Vorderrädern – ein Zeichen, das traditionell nur für Fahrzeuge vergeben wird, die weit abseits jeder gewöhnlichen Serienproduktion entstehen.
Während die Produktion der Kundenmodelle in Kürze anläuft, steht der Verbleib des vorgestellten "Artists' Proof"-Prototyps bereits fest: Das Modell wird in die Ausstellung der renommierten Louwman Collection im niederländischen Den Haag aufgenommen. Dort wird es der Öffentlichkeit als zeitgenössisches Beispiel für britische Coachbuilding-Tradition präsentiert, noch bevor das erste Kundenfahrzeug ausgeliefert wird.
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