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Chery Tiggo 4 (2026) im Kurztest: Duster-Jäger mit Nachholbedarf

2027 soll der kompakte Chinese mit Turbo-Vollhybrid hierzulande starten – Richtung Konkurrenz bleibt jedoch noch Luft nach oben

Chery Tiggo 4 (2026)

Bild von: Chery

Benja Hiller Benja Hiller

Von: Benja Hiller

26. Aug. um 13:53 Uhr

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Das Handeln von Chery zum Eintritt in den deutschen Automobilmarkt ist bedacht. Ein eigenes Entwicklungszentrum entstand bereits 2018, danach kreiste man die anspruchsvollen Deutschen immer weiter ein. In Großbritannien, Spanien, Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien wollten die Chinesen europäische Erfahrungen sammeln, insgesamt sind sie inzwischen in 25 Märkten aktiv – im Fahrzeugabsatz sogar recht erfolgreich.

2027 sollen die Fahrzeuge dann auch für den hiesigen Einstieg soweit sein. Ein eigener Firmensitz ist bereits in Frankfurt nahe des Flughafens entstanden. Doch hier bröckelt das bedachte Handeln ein wenig. Bei der ersten Fahrveranstaltung stehen vier Tiggo-Modelle (4,7,8 und 9) zu einer ersten Ausfahrt bereit.

Bildergalerie: Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

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Quelle: Chery

Modelle vom erfolgreichen polnischen Markt, auf dem Chery in den anvisierten Segmenten bereits auf Platz 2 und 3 vorgedrungen ist. Die Fahrzeugspezifikationen können sich bis zum deutschen Markteintritt jedoch noch erheblich ändern, so Chery.

Familien im Visier

Am härtesten trifft es das Einstiegsmodell Tiggo 4. In Europa mit einem 1,5-Liter-Benziner-Vollhybrid mit 163 PS Systemleistung und 260 Nm Drehmoment ausgestattet, soll er in Deutschland jedoch als Turbo-Version mit über 200 PS starten. Die Relevanz des gefahrenen Tiggo 4 ist für uns also relativ gering. Aber was da im Frühjahr 2027 im entfernten Sinne auf den deutschen Markt kommt, das können wir uns dennoch ansehen. 

Schnelle Daten Chery Tiggo 4 (2026, Polen) Antrieb 1,5-Liter-Benziner (95 PS9 kombiniert mit einem Elektromotor (204 PS) und einer 1,83-kWh-Batterie (nicht für den deutschen Markt eingeplant) Systemleistung / Drehmoment 163 PS / 260 Nm Beschleunigung 8,9 Sekunden Verbrauch 5,3 l/100 km Abmessungen 4.320 x 1.831 x 1.653 mm Kofferraumvolumen 430 - 1.190 Liter Preis 22.000 - 25.000 Euro

Der kompakte Chinese will mit 4,32 Metern das obere Ende des SUV-B-Segments angreifen. Der Länge nach fällt er damit auch schon in das Revier des unteren C-Segments. Ja, exakt das, in dem sich hierzulande nicht nur lokale Dauerbrenner wie VW T-Cross, T-Roc, Opel Mokka, Frontera und Ford Puma tummeln, sondern auch so illustre Namen wie Renault Captur, Toyota Yaris Cross, Kia XCeed und Dacia Duster herumtreiben.

Huiui? Ja, denke ich auch gerade. Und wie startet man als bisher unbekannte Marke? Richtig, wie letztere über das Preis-Leistungs-Verhältnis mit Familien im Visier. 22.000 bis 25.000 Euro hat Chery für den Markteinstieg des Tiggo 4 im Blick.

Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

Bilder von: Chery

Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

Bilder von: Chery

Mit dem Turbo-Aggregat wird er hierzulande wohl eher die Obergrenze erreichen und vermutlich über Startangebote ordentlich gedrückt werden. Wir kennen das. Mit dabei sein soll eine umfangreiche Ausstattung: LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Alufelgen, etlichen Assistenten, zwei 12,3 Zoll große Displays, vegane Lederbezüge, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, beheizbare Vordersitze, Zweizonen-Klimaautomatik und ein 360-Grad-Kamerasystem.

Fokus: Raumgefühl

Das ist nicht nur üppig, das übertrifft auch die Einstiegsoptionen bei den rumänischen Kollegen von Dacia. Beim ersten Einsteigen in den Tiggo 4 macht sich eine inzwischen fast landestypische gute Verarbeitung breit. Der Sichtbereich wurde aufgepolstert, akkurate Nähte setzen Akzente. Ein aufdringlicher Geruch des Materialmixes stört zu Anfang das Ambiente. Im Laufe der Fahrt verflüchtigt sich das jedoch.

Ebenfalls schön zu sehen ist, dass der Chinese noch mit einigen physischen Elementen kommt – wenn auch nicht alle gleich sinnvoll erscheinen. Zudem erinnern die Lenkradtasten an fiese und wenig haptisch herausragende VW-Tage. Auf den übergangslosen Flächen erwischt man ungesehen oftmals die falsche Funktion. Die digitalen Instrumente und das Infotainment zeigen sich in der Gestaltung recht lieblos und grau.

Letzteres ist etwas sperrig und langsam, der Gewöhnungseffekt kommt jedoch recht schnell. Top ist hingegen auch die kabellose Einbindung von Android Auto und Apple Car Play. Ersteres arbeitet im Kurztest ohne Ausfälle.

Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

Bilder von: Chery

Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

Bilder von: Chery

Der Sitzkomfort könnte noch etwas Ausarbeitung vertragen. Nach einer Stunde Fahrt bemerke ich bereits ungewöhnlich früh meinen unteren Rücken und den Steißbereich. Ergonomie und Härtegrad wirken ausbaufähig. Auf einem Radstand von 2,61 Meter zeigt sich das Raumgefühl segmentüblich. Der Kofferraum schluckt ordentliche 430 Liter. Über die leider nur 60:40 teilbare Rückbank können bis zu 1.190 Liter verwendet werden.

Zum Vergleich: Der fünf Zentimeter längere T-Roc schafft hier 1.350 Liter, der gut zehn Zentimeter kürzere Puma 1.216 Liter. Ein zwei Zentimeter längerer Duster kann gar 1.545 Liter aufweisen. Ein flexibler Packesel ist der Tiggo 4 also nicht. Dafür profitieren die hinteren Insassen von einer etwas großzügigeren Beinfreiheit.

Eigenwilliger Vollhybrid

Über den gefahrenen Vollhybrid Worte zu verlieren scheint bei Nichtnutzung des Aggregats auf dem deutschen Markt überflüssig. Die gegebene Charakteristik wird sich aber auch mit Turbo nicht großartig ändern, wenn wir uns seine größeren Brüder anschauen. Hier fehlt es dem 1,5-Liter-Benziner im Zusammenspiel mit der elektroseitigen Antriebskomponente enorm an Feinschliff. Der Tiggo 4 fährt zwar fröhlich säuselnd los, schaltet aber schon früh hör- und merkbar den Verbrenner dazu.

Das Aggregat werkelt damit fast ein bisschen ruppig – nicht aber im Anspruch. Beschleunigungseingaben werden nie unmittelbar verfolgt. Erst einen Moment später geht der Chinese vorwärts. Nach der Gaswegnahme schiebt er hingegen viel zu bestimmt. Hier ist die Kraft der Rekuperation und der Motorbremse nahezu nicht existent. Hinzu kommt eine eher gemächlich abgestimmte Automatik.

Chery Tiggo 4 (2026)

Chery Tiggo 4 (2026)

Bild von: Chery

Der Turbo wird sicher noch einmal stärker, das bringt aber effektiv nur etwas, wenn massiv am Ansprechverhalten gearbeitet wird. Besser ist hingegen der Verbrauch: Nach WLTP mit 5,3 Litern angegeben, verbrauchten wir 4,8 Liter auf unserer rund 60 Kilometer langen, hauptsächlich über Land führenden Runde. Auf dem Niveau Richtung Vier-Liter-Grenze oder darunter, wie bei Vollhybriden von Toyota oder Renault, ist das dennoch nicht.

Das Fahrwerk ist zudem fast ein bisschen zu holprig eingestellt – und das nicht auf diese gute, sportliche, vermittlungswerte Art, sondern auf die eher unangenehme Weise, zumal Wankbewegungen der Karosserie in schneller gefahrenen Kurven dennoch Standard sind. Auch Bremse und Lenkung könnten einen bestimmteren, akzentuierten Druckpunkt gebrauchen, die Assistenten sehr viel mehr Contenance.

Fazit: Eher Toggo als Tiggo

Optisch wirkt der Chery Tiggo 4 zwar recht eigenständig gegenüber der Konkurrenz, die Einzelelemente aus großem Grill, schmalen Scheinwerfer vorne und Leuchtband hinten sind dennoch nicht allzu wagemutig. Der Chinese ist ein gefälliger, unanstößiger Kompakt-Kandidat für Menschen, bei denen günstige Mobilität ohne fahrdynamischen Anspruch das Hauptargument bildet.

Um auf das Niveau der angesprochenen Konkurrenz zu kommen, muss aber noch einiges passieren, um auf einem anspruchsvollen Markt wie Deutschland Fuß zu fassen. Gerade was Antrieb, Fahrwerk und Dynamik angeht. Denn bis auf die Ausstattung und den Preis werden alle anderen Hersteller in dieser Entwicklungsstufe vermutlich nur ein müdes Lächeln für den kompakten Chery übrig haben.

Die Konkurrenz im Test:

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