Volkswagen warnt angesichts wachsender Probleme: „Wir haben keine Zeit zu verlieren“
China, E-Autos, deutsche Standort-Kosten: VW streicht mehr Stellen und reduziert Gewinnprognose
Der Volkswagen-Konzern steckt in den roten Zahlen. Der jüngste Plan zur Kostensenkung könnte am Ende zu 100.000 Stellenstreichungen über alle Marken hinweg führen. Eine davon könnte sogar ganz verschwinden. Eine endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, doch ein „schrittweiser Ausstieg aus der Marke SEAT“ wird offiziell geprüft.
Gleichzeitig hat der niedersächsische Autoriese seine Prognose für die operative Marge von vier auf nur noch ein Prozent gesenkt. Eine schwächere Nachfrage in China und steigende Energiekosten haben eine schwierige Gemengelage geschaffen, die durch den rasanten Aufstieg chinesischer Hersteller im Heimatmarkt und auf vielen internationalen Märkten zusätzlich verschärft wird.
Zwar steigen die Elektroauto-Verkäufe von VW, befeuert durch neue Modelle wie den ID. Polo. Doch Elektroautos sind noch immer bei weitem nicht so profitabel wie Verbrenner. Deren Auslaufen wird ja bekanntermaßen von der Europäischen Union zunehmend erwartet. Die Lage als besorgniserregend zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Bloomberg zitiert VW-Finanzchef Arno Antlitz, der offen einräumte, dass „die Marktveränderungen tiefgreifend und dauerhaft“ seien und man „keine Zeit zu verlieren“ habe.
2027 Porsche Cayenne Electric
Weitere Stellenstreichungen bei Porsche?
Nun berichtet das Handelsblatt, dass Porsche zusätzlich 4.100 Stellen abbauen wolle – zusätzlich zu den bereits vereinbarten 8.900 Stellenstreichungen. Weder Porsche noch der Volkswagen-Konzern wollten die angeblichen Pläne jedoch kommentieren. Sollte der Bericht zutreffen, könnte bis 2035 jeder fünfte Arbeitsplatz bei Porsche wegfallen.
Der VW-Konzern nimmt außerdem eine weniger offensichtliche Quelle der Komplexität ins Visier: das Teileregal. Bei der nächsten Generation von Modellen will der Konzern die Variantenvielfalt bei Komponenten um bis zu 75 Prozent reduzieren. Auch bei den Fahrzeugen selbst soll die Auswahl deutlich kleiner werden: Die Zahl der verfügbaren Modelle soll um bis zu 50 Prozent sinken. Der seit vielen Jahren gebaute Touareg ist beispielsweise nun Geschichte.
Der Sparkurs könnte nach der Schließung von Audi Brussels in Belgien im vergangenen Jahr weitere Werksschließungen bedeuten. Für die VW-Standorte Emden, Zwickau und Hannover sowie für das Audi-Werk in Neckarsulm sind über die aktuell dort gebauten Fahrzeuggenerationen hinaus keine neuen Modelle zugeteilt. Diese Standorte könnten künftig eine andere Rolle übernehmen, doch eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Das Werk Osnabrück, in dem derzeit das T-Roc Cabriolet montiert wird, soll unterdessen zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen werden.
Die Lage spitzt sich weiter zu
Fest steht: Für VW wird die Situation nicht einfacher. Nach Jahren der Warnungen vor hohen Kosten, schwacher Nachfrage in China und zunehmender Konkurrenz durch chinesische Hersteller liefert Europas größter Autobauer nun eine weitere schmerzhafte Erinnerung daran, dass seine Probleme nicht von selbst verschwinden.
Die Zeiten, in denen man für jeden alles anbieten wollte, könnten zu Ende gehen. Und angesichts dessen, was VW über Jahrzehnte aufgebaut hat, dürfte der Rückbau dieses Imperiums fast so schwierig werden wie sein Aufbau.
VW Mission Efficiency
Motor1 meint: An Ironie mangelt es hier nicht. VW hat jahrzehntelang daran gearbeitet, einer der größten Autokonzerne der Welt zu werden – mit einem beispiellosen Rundum-Angebot vom Kleinstwagen bis zum Bentley, Lamborghini, Porsche und schweren Nutzfahrzeugen. Nun muss der Konzern nach dem Aufbau dieses riesigen Imperiums herausfinden, wie er das Ganze kleiner, einfacher und günstiger gestalten kann.
Nicht zu vergessen: Bugatti ist bereits aus dem Konzernverbund ausgeschieden und die Zukunft der Marke Seat sieht alles andere als rosig aus. Darüber hinaus berichtet Bloomberg, dass der Motorradhersteller Ducati zum Verkauf angeboten werden könnte.
Mit drohenden Stellenstreichungen im sechsstelligen Bereich, einem verkleinerten Produktionsnetz und einem vereinfachten Produktportfolio wird der VW-Konzern von morgen deutlich anders aussehen.
Quelle: Bloomberg, Handelsblatt
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