Eura Mobil Xtura 656 HB (2026): 4x4-Camper mit Dachzelt
Eura Mobil macht den Xtura kürzer und familientauglicher mit vier Schlafplätzen und ziemlich viel Autarkie
Manchmal lernt man ein Wohnmobil nicht auf einer Messe kennen, sondern irgendwo ziemlich weit oben auf der Landkarte. Bei unserem letzten Camper-Roadtrip mit dem Carado CV600 Pro (der Testbericht folgt noch) standen wir am Inarisee in Finnland neben einem Paar aus Mainz mit einem Eura Mobil Xtura. Schickes Teil, ziemlich beeindruckend ausgestattet und definitiv eines dieser Fahrzeuge, um die man erst einmal herumläuft.
Ganz unbekannt ist die Baureihe allerdings nicht. Mit dem ziemlich wilden Xtura Escape hatte Eura Mobil bereits gezeigt, was aus dem Allrad-Camper mit zusätzlichen Umbauten werden kann. Und auch der Dethleffs Graneo verfolgt das Thema Autarkie ziemlich konsequent. Jetzt legt Eura Mobil mit dem neuen Xtura 656 HB nach und macht das Fernreisemobil vor allem kürzer und familientauglicher.
Bildergalerie: Eura Mobil Xtura 656 HB (2026)
Der 656 HB misst 6,68 Meter in der Länge und 2,20 Meter in der Breite. Mit 3,21 Meter Höhe bleibt er allerdings kaum unauffällig. Basis ist der Mercedes Sprinter 419 CDI mit 190 PS, 9G-Tronic-Automatik und Allradantrieb. Der Radstand beträgt 3,665 Meter, die technisch zulässige Gesamtmasse liegt bei 4.100 Kilogramm. Eura Mobil nennt 3.360 Kilogramm Masse in fahrbereitem Zustand und maximal 435 Kilogramm für Pakete und Sonderausstattungen.
Gegenüber dem größeren Xtura 686 EF ist der Neue rund 20 Zentimeter kürzer. Entscheidender ist aber der verkürzte Hecküberhang. Zusammen mit der abgeschrägten Heckwand soll das für einen optimierten Böschungswinkel und damit mehr Spielraum auf steilen Pisten sorgen. Aus einem 6,68 Meter langen Teilintegrierten wird deshalb natürlich noch kein Trial-Fahrzeug, schlechte Wege und die Suche nach abgelegenen Stellplätzen dürften ihm aber deutlich weniger Sorgen bereiten.
Die eigentliche Besonderheit sitzt auf dem Dach. Dort installiert Eura Mobil ein Dachzelt von Vickywood, das sich elektrisch per Knopfdruck öffnet. Der Einstieg erfolgt von innen durch einen Dachausschnitt über eine Teleskopleiter. Oben warten ein 1,98 x 1,30 Meter großes Bett mit Lattenrost und Zweikammer-Matratze, Innenbeleuchtung, Moskitoschutz sowie ein Thermo-Innenzelt.
Eine GFK-Schale und massive Scherengelenke sollen dafür sorgen, dass das Ganze nicht nur nach Campingplatz-Gadget aussieht. Clever ist dabei die asymmetrische Position des Dachzelts. Es beansprucht nicht die komplette Dachfläche, sodass noch Platz für Solarmodule oder Stauboxen bleibt.
Damit stehen insgesamt vier Schlafplätze zur Verfügung: zwei oben und zwei im quer eingebauten Heckbett mit 1,94 x 1,38 Meter Liegefläche. Vier gurtgesicherte Sitzplätze gibt es ebenfalls. Trotz Offroad-Auftritt geht es innen ziemlich klassisch und erstaunlich wohnlich zu.
Vorne sitzt eine L-Sitzgruppe für vier Personen, dahinter folgen Küchenblock und Mittelwaschraum mit schwenkbarer Duschwand. Der Kompressorkühlschrank fasst 137 Liter, gekocht wird auf einer Kombination aus zwei Gasflammen und einem Induktionsfeld. Dazu kommen Fußbodenheizung und eine große Heckgarage.
Interessant wird es auch bei der Autarkie. Serienmäßig nennt Eura Mobil zwei Lithium-Batterien mit jeweils 200 Ah. In Verbindung mit Solartechnik und 3-kW-Wechselrichter spricht der Hersteller beim Fernreisekonzept sogar von bis zu 30 Tagen elektrischer Autarkie. Das ist natürlich stark vom tatsächlichen Verbrauch und den Bedingungen abhängig, zeigt aber ziemlich gut, wohin die Reise gehen soll.
Auch die Wasservorräte passen dazu. 145 Liter Frischwasser und 105 Liter Abwasser nennt Eura Mobil in den technischen Unterlagen, beide Systeme sind für den Ganzjahreseinsatz entsprechend geschützt. Dazu gibt es unter anderem einen beheizten und isolierten Abwassertank sowie eine elektrische Entleerung. Bei der Toilette kann zwischen klassischer Lösung und einer Vorbereitung für ein alternatives System gewählt werden.
So viel Technik hat allerdings ihren Preis. Der Xtura 656 HB startet laut Preisliste bei 183.400 Euro, bereits inklusive 190-PS-Sprinter, Automatik, Allradantrieb und umfangreicher Ausstattung. Damit kostet der kürzere 656 HB sogar deutlich mehr als der 166.400 Euro teure Xtura 686 EF. Und nach oben ist natürlich noch Luft.
Das Paar, das wir am Inarisee getroffen haben, hatte seinen Xtura nach dem Kauf noch bei einem Wohnmobilbauer individualisieren lassen und nach eigener Aussage weitere rund 40.000 Euro investiert. Macht unterm Strich eine Größenordnung, in der man beim gemeinsamen Kaffee besser nicht mehr über den Fahrzeugpreis spricht.
Der Xtura 656 HB ist damit kein günstiger Einstieg ins Abenteuer-Camping, sondern ziemlich klar Oberklasse. Konkurrenz gibt es trotzdem reichlich: Der Hymer ML-T CrossOver und Grand Canyon S CrossOver setzt ebenfalls auf Mercedes und Allrad, der Kabe Novum Traq 750 LGB kombiniert das Ganze mit typisch schwedischem Winterkomfort.
Und wer noch konsequenter Richtung Expeditionsmobil möchte, landet beim Greenlander Sherpa oder beim Bimobil EX 462. Letzterer setzt auf einen Iveco Eurocargo 4x4, rund 15 Tonnen Gesamtgewicht und echte Lkw-Expeditionsdimensionen. Der Eura Mobil sitzt ziemlich genau dazwischen: Kompakt genug für normale Reisen, luxuriös genug für die lange Tour und mit seinem elektrischen Dachgeschoss jetzt tatsächlich familientauglich.
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