VW Saveiro Trendline 1.6 (2027): Preiswert-Pick-up im Test
Der betagte Brasilianer verzichtet auf Turbo, Displays und Automatik, überrascht aber mit Robustheit
Stellen Sie sich vor, Sie gehen 2026 zu einem Händler und finden dort ein zweitüriges Auto mit Schaltgetriebe und Saugmotor, mit griffbereiten Tasten und nur so vielen Bildschirmen wie nötig. Klingt fast anachronistisch, oder? Genau so empfängt jedoch der Volkswagen Saveiro seine Kunden in Brasilien.
Seit rund 44 Jahren ist er dort der wichtigste kleine Pick-up der deutschen Marke. Quasi der Bruder im Geiste des ersten Caddy, wie ihn Europäer noch kennen werden. Seit 2008 ist die aktuelle Generation des Saveiro in Brasilien auf dem Markt, drei Facelifts gab es seitdem.
Doch bald wird der rustikale Saveiro in Brasilien vom neuen VW Tukan abgelöst. Deshalb hat unser brasilianischer Kollege eine Art Abschieds-Test unternommen. Hier sind seine Eindrücke:
Allein die aktuelle Generation, abgeleitet vom längst eingestellten Gol der fünften Generation, ist inzwischen 17 Jahre alt. Angesichts dieser Zahlen könnte man leicht annehmen, dass wir es mit einem völlig veralteten Auto zu tun haben. Doch der Saveiro schlägt sich im Vergleich zu seinem wichtigsten (und wenn man nur die Single Cab betrachtet, einzigen) Rivalen Fiat Strada noch immer erstaunlich gut.
Immer noch stark bei dem, worauf es ankommt
Wenn ich beim Saveiro von Anachronismus spreche, ist das nicht negativ gemeint. Ganz im Gegenteil. Dank der letzten Modellpflege von 2024 kommt er optisch noch recht nah an die aktuellen Modelle der Marke. Nichts Revolutionäres, aber genug, um ihm bis zur endgültigen Markteinführung des Nachfolgers Tukan etwas frische Luft zu verschaffen.
Zu den Änderungen zählen ein neuer Frontstoßfänger, neue Scheinwerfer, ein neuer Kühlergrill und seitliche Einfassungen, in denen die Nebelscheinwerfer sitzen. Interessant dabei: Unter den Pkw und leichten Nutzfahrzeugen von Volkswagen in Brasilien bieten heute nur noch er und der Virtus diese zusätzliche Beleuchtung. Beim Pick-up ergibt das weiterhin Sinn, denn die gesamte Lichtanlage arbeitet mit Halogentechnik.
Auch das Heck wurde überarbeitet: Es erhielt neue Rückleuchten, die an jene des Amarok erinnern, den Saveiro-Schriftzug in Schwarz mittig auf der Heckklappe der Ladefläche sowie eine bei späten Facelifts seltene Lösung: Das Öffnen und Schließen erfolgt über das neue Logo in der Mitte der Klappe. Damit entfällt der alte Griff im oberen Bereich, der seit dem Start dieser Generation vorhanden war.
Das ist ein teures Detail, das Änderungen an Konstruktion und Werkzeugen der Klappe erfordert. Und genau aus diesem Grund bei den Pkw der Marke in Brasilien, etwa beim Polo, nicht umgesetzt wurde.
Am deutlichsten zeigt der Saveiro ihr Alter in der Seitenansicht. Seit 2009 wurde dort kaum etwas verändert. Zu sehen sind die klassischen langen Türen, die später, Mitte 2012, auch beim zweitürigen Gol auftauchten. Deshalb ist beim Parken mehr Vorsicht gefragt.
Das hat natürlich auch Vorteile. Soll etwas in die Kabine geladen werden, bietet der Saveiro eine deutlich größere Öffnung, um Gegenstände oder Personen hinein- und herauszubekommen. Das bietet der Fiat mit seinen seit 2020 vom Mobi abgeleiteten Türen nicht.
An den Seiten finden sich außerdem praktische Trittstufen, die den Auf- und Abstieg zur Ladefläche erleichtern, ohne die Heckklappe öffnen zu müssen. Nur wenige Wettbewerber brachten ein solches Detail bislang in diese Klass. Beim Tukan wird dieses Feature nach dem, was die offiziellen Bilder des künftigen Pick-ups bislang zeigen, fehlen.
Die seitliche Trittstufe wird es beim Tukan leider nicht geben
Apropos Ladefläche: Die von Motor1.com Brasil getestete Trendline-Version, aktuell die teuerste Variante ohne Doppelkabine, fasst 924 Liter, deutlich weniger als die 1.354 Liter des entsprechenden Strada. Es ist die gleiche Kapazität wie bei der Flottenversion Robust. Bei der Nutzlast fällt der Abstand geringer aus: 664 kg stehen 720 kg beim Fiat gegenüber.
Bei den Abmessungen sprechen wir von 4.493 mm Länge, 1.721 mm Breite, 1.520 mm Höhe und 2.752 mm Radstand. Auch der Tukan dürfte diese Werte mit Einzelkabine kaum grundlegend verändern.
Der Innenraum vereint mehrere VW-Epochen
In der Kabine des Saveiro Trendline erwartet uns ein schlichtes, aber sauber verarbeitetes Umfeld. Am auffälligsten ist die Mischung verschiedener Designsprache. Ein Beispiel? Das Armaturenbrett ist der jüngste Teil und stammt vom letzten großen Facelift der gesamten Gol-Familie aus dem Jahr 2017. Inspiriert vom Tiguan der zweiten Generation, der in Brasilien bis Mitte 2025 verkauft wurde, bringt es geradere Linien bei den Luftausströmern und ein zentrales Multimediasystem mit.
An den Seiten finden sich dagegen die inzwischen fast retro wirkenden Türverkleidungen, die seit dem Start dieser Generation im Jahr 2009 verwendet werden. Es gibt runde Elemente und einige Bedienelemente, die an VW-Modelle der 2000er-Jahre erinnern, etwa die Spiegelverstellung, ähnlich wie beim damaligen Golf. Gleichzeitig ist der Saveiro dem jüngeren Trend entgangen, nahezu alles mit hartem Kunststoff zu verkleiden. Dort, wo die Arme aufliegen, befindet sich sogar ein ordentlicher Stoffeinsatz.
Auch die Schwächen stammen aus einer anderen VW-Zeit
Kaum zu verteidigen ist allerdings das Fehlen jeglicher Verkleidung an der Trennwand zwischen Kabine und Ladefläche. Direkt hinter den Sitzen liegt das in Wagenfarbe lackierte Blech vollständig offen – anfällig für Kratzer und zudem hilfreich dabei, mehr Wärme in den Innenraum der Saveiro zu übertragen.
Bei einem Auto, das in der Ausstattung dieses Testwagens auf 135.640 R$ kommen kann, ist diese Sparmaßnahme schwer zu rechtfertigen. Vor allem, weil der Pickup in diesem Bereich früher bereits eine Verkleidung hatte. Ebenfalls vermisst wird das zu öffnende Heckfenster, das in den G5- und G6-Phasen angeboten wurde.
Das Heckfenster lässt sich nicht mehr öffnen
Und weil wir gerade bei den Patzern des Saveiro sind, ist es Zeit für die Aufpreispolitik dieser Version. Gefällt Ihnen der äußere Auftritt mit 15-Zoll-Leichtmetallrädern, Nebelscheinwerfern und Laderaumabdeckung? Nichts davon ist im Grundpreis der Konfiguration enthalten, der derzeit bei 123.090 R$ liegt, umgerechnet rund 20.800 Euro.
Tatsächlich gehören diese Elemente zu einem optionalen Paket namens Trendline Conforto für 6.450 R$. Wer es auswählt, muss zusätzlich ein weiteres Technikpaket namens Composition Touch II für weitere 4.250 R$ hinzubuchen. Rechnet man noch die 1.850 R$ für die Lackierung Prata Sirius des Testwagens hinzu, landet man bei 135.640 R$, fast 23.000 Euro.
Im Laufe der Jahre hat die Marke die Kabine so stark vereinfacht, dass die Trennwand zur Ladefläche keinerlei Verkleidung mehr hat
Im Grunde sind genau diese beiden Pakete das, was diese Version wirklich vom Robust trennt, der Basisausführung der Baureihe mit schwarzen Stoßfängern und neu im Modelljahr 2027 15-Zoll-Stahlräder ohne Radkappen. Beide bringen bereits das grundlegende Überlebenspaket eines heutigen Neuwagens mit: manuelle Klimaanlage, Servolenkung, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung.
Beim Trendline kommen ein in Wagenfarbe lackierter vorderer Stoßfänger (und nur der vordere), elektrisch verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, dunkel gehaltene Radkappen im Stil des Polo Track sowie ein Klappschlüssel mit Alarmanlage hinzu. Das ist wenig, um den Aufpreis ohne die optionalen Pakete zu rechtfertigen.
Eines der unerklärlichen Dinge: Selbst mit allen Extras ist der hintere Stoßfänger der Trendline immer mattschwarz
Diese Politik mit vielen Paketen war in Brasilien zur Zeit der Gol-Familie üblich, hat sich in den vergangenen Jahren aber verändert. Beim Polo ist das beispielsweise bereits der Fall, während teurere Modelle als Extras meist eher klassische Optionen wie ein Schiebedach oder ein Zweifarbdach bieten. Es bleibt zu hoffen, dass diese neue Logik ab dem kommenden Jahr auch beim Tukan beibehalten wird.
Unter der Haube überzeugt der 1.6 16V MSI weiter
Die Vorteile eines ausgereifteren Projekts zeigen sich erneut beim Antrieb. Unabhängig von der gewählten Ausführung verfügen alle derzeit verkauften Saveiro über den 1.6 16V MSI. Kein Turbo, keine Direkteinspritzung und nichts, was nicht schon 2014 üblich gewesen wäre, als der Motor in die Saveiro-Baureihe einzog. Dennoch ist er stärker als der 1,3-Liter-Firefly-Saugmotor des Strada.
Der Veteran debütierte in Brasilien ausgerechnet im Saveiro Cross und wurde später auf den in Brasilien gebauten Golf Mk7, die letzte Überarbeitung von Fox, CrossFox und SpaceFox, die ersten Jahre des aktuellen Polo und Virtus sowie natürlich auf Gol und Voyage mit sechsstufiger Aisin-Automatik ausgeweitet.
Das Schaltgetriebe ist so präzise wie kaum ein anderes in seiner Preisklasse
Ironischerweise fand die Wandlerautomatik nie den Weg in den Saveiro, obwohl der Antriebsstrang eine große technische Basis mit den Schrägheck- und Limousinenmodellen teilte. Das hätte dem Pick-up bei Privatkunden zusätzliche Lebenszeit verschaffen können, bleibt nun aber dem Tukan vorbehalten.
Stattdessen gibt es immerhin das hervorragende manuelle Fünfganggetriebe MQ200, dessen Schaltvorgänge so präzise sind, dass man über die durch andere Autos antrainierte Kraftanstrengung noch einmal nachdenkt. Mehrfach ertappte ich mich dabei, den Schalthebel kräftiger zu bewegen oder die Kupplung weiter durchzutreten als nötig, so, wie es mein eigenes Auto verlangt. Im Saveiro ist das anders. Die Betätigung ist leichtgängig, der Schleifpunkt der Kupplung liegt relativ niedrig, und alles erfordert wenig Kraft. Gerade bei einem Modell mit Fokus auf gewerbliche Nutzung ist das willkommen.
Vorn erinnert die Optik vage an den T-Cross
Auch der 1,6-Liter-Motor bietet eine Gasannahme, die bei neuen Autos selten geworden ist. Es gibt nicht diese kleine Verzögerung zwischen Gaspedalbefehl und Reaktion des Autos, wie sie bei vielen modernen 1,0-Liter-Turbos vorkommt und auch bei den aktuellen TSI-Motoren von Volkswagen deutlich spürbar ist.
Beim freisaugenden MSI kommt der Befehl des rechten Fußes deutlich direkter an, wodurch man gut einschätzen kann, wie viel Kraft in welchem Moment bereitsteht. Der eigentliche Charakter dieses 16-Ventilers zeigt sich aber erst mit steigender Drehzahl. Zwischen etwa 2.500 und 2.800 U/min beginnt der Saveiro wirklich aufzuwachen.
Der 1,6-Liter-Motor dürfte sogar im Tukan überleben
Hält man den zweiten Gang etwas länger, bringt der nächste Gang den Motor genau in dem Bereich, in dem er besser zu arbeiten beginnt. Ohne das bei manchen kleinen Turbos übliche Warten auf Schub. Die Drehzahl steigt willig, und man spürt die Kraft der 16 Ventile deutlich. Die Leistungsentfaltung ist progressiv und lädt dazu ein, jeden Gang etwas weiter auszunutzen.
Hier spricht vielleicht mein Enthusiast etwas lauter als der Journalist, doch erwähnenswert ist auch die heute seltene Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Der Saveiro ist klar ein Produkt seiner Zeit, und das merkt man beim Fahren sehr deutlich. Es gibt keine Fahrmodi, kein übermäßig entkoppeltes Fahrwerk und keine zu künstliche Lenkung. Alles, was beim Fahrer ankommt, passiert ohne allzu viele Filter oder Umwege.
Das Armaturenbrett des VW Saveiro Trendline ist vom Tiguan der zweiten Generation inspiriert
Ja, die hydraulische Servolenkung ist schwerer als das, was wir von neueren Modellen mit elektrischer Unterstützung gewohnt sind. Sie arbeitet aber präzise und kommuniziert mit dem Fahrer. In Kurven verhält sich der Saveiro für einen kompakten Pick-up ordentlich, ohne den Fahrer im Grenzbereich zu verunsichern; Traktions- und Stabilitätskontrolle greifen nur selten ein.
Nicht einmal das höhergelegte Fahrwerk und die Goodyear-EfficientGrip-Reifen mit hoher Flanke (205/60), seit 2017 serienmäßig in allen Versionen des Pick-ups, nehmen ihr jene gute Fahrbarkeit, für die der Saveiro immer bekannt war und die hier als eines der großen Erbstücke des Gol erscheint. Das Rezept ist ebenfalls unkompliziert: McPherson-Federbeine vorn und eine klassische Verbundlenkerachse hinten. Dazu kommen Scheibenbremsen an allen vier Rädern, etwas, das der Strada nicht bietet und das interessanterweise auch beim Tukan fehlen wird.
Räder immer mit 15''-Felgen und hohen Reifen
Diese Nähe zwischen Fahrer und Maschine setzt sich in der Kabine fort. Die Klimaanlage wird beispielsweise über drei physische Drehregler in Griffweite bedient, und schon nach einer kurzen Fahrt ist klar, wofür jeder von ihnen zuständig ist. Gleiches gilt für die Bedienung der elektrischen Außenspiegel, die beim Einlegen des Rückwärtsgangs eine Absenkfunktion des Spiegelglases bieten, sowie für den einfachen Lichtschalter ohne Lichtsensor.
Das Kombiinstrument ist analog im klassischen Wolfsburger Stil, und erinnert ebenfalls an eine Ära, die es so nicht mehr gibt, allerdings gut umgesetzt. In dieser Version gibt es zusätzlich einen digitalen Tacho im kleinen zentralen Display sowie eine Schaltpunktanzeige.
Auch bei den Zahlen enttäuscht die Saveiro nicht. Offiziell nennt Volkswagen 78/85 kW (106/116 PS) und 151/158 Nm Drehmoment, je nach Kraftstoff. (Anmerkung der Redaktion: In Brasilien ist Ethanol-Kraftstoff sehr beliebt.) Bei einem Gewicht von nur 1.076 kg fällt das Leistungsgewicht günstig aus.
Ich weiß, vermutlich werden Sie sagen, dass der Fiat Strada trotz geringerer Leistung im Arbeitseinsatz dank seiner Blattfeder-Hinterachse besser abschneidet. Doch der Saveiro macht mit Ladung auf der Ladefläche keine schlechte Figur. Wie es im Leben eines Pick-up-Besitzers üblich ist, finden Bekannte immer wieder "Gelegenheiten", die Ladekapazität zu testen.
In unserem Fall durfte der Saveiro in drei Fahrten und ohne große Mühe die Überreste eines ausziehbaren Sofas und eines Küchenschranks transportieren, die schon seit einiger Zeit reif für den Ruhestand waren. Beladen merkt man das Zusatzgewicht nur wenig. Dank des guten Drehmoments des 1.6 16V sind keine Kunststücke und ständigen Zurückschaltungen an jeder Steigung nötig, damit sie vorankommt.
VW Saveiro Trendline im Einsatz beim Transport eines Sofas und eines Schranks
Das zeigte sich auch in den Praxiswerten des Pickups. In unseren Tests kam der Saveiro mit Ethanol im Tank und eingeschalteter Klimaanlage auf 13,3 l/100 km in der Stadt und 8,5 l/100 km außerorts. Mit Benzin sprechen die offiziellen Werte von 9,3 l/100 km und 8,1 l/100 km. Spektakulär ist das nach heutigen Maßstäben nicht, aber für einen 1,6-Liter-Saugmotor mit einigen Jahren auf dem Buckel angemessen.
Selten bei Facelifts: Die Heckklappe lässt sich nun über das Logo öffnen
Trotz so vieler Jahre auf dem Buckel zeigt der Saveiro, dass manche alten Rezepte noch immer sehr gut funktionieren. So sehr, dass der Veteran wohl auch nach dem Marktstart des Tukan noch einige Zeit bei den Händlern bleiben wird.
Vielleicht liegt der größte Reiz der Saveiro aber genau in seinem Alter. In der Woche, in der er in der Redaktion von Motor1.com Brasil war, hob er sich komplett von der üblichen Reihe an SUVs, Hybriden, Elektroautos und hochbeinigen Modellen voller Bildschirme ab, die wir sonst testen. Im Guten wie im Schlechten ist er noch ein Auto, bei dem man den Schlüssel dreht, den Gang einlegt, die Kupplung kommen lässt und losfährt. So wie ein Auto eben sein sollte. Und es war schwer, das nicht zu mögen.
Volkswagen Saveiro CS
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