Porsche bestätigt: Audis Elektro-Sportwagen nutzt die EV-Plattform von Boxster und Cayman
Allerdings wird kein Auto des Trios mit Verbrenner erhältlich sein
Bilanzkonferenzen sind meist ungefähr so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen: Vorstände sprechen über Margen, Prognosen und andere Finanzthemen, die abseits der Analysten-Branche kaum fesseln. Hin und wieder fällt dabei aber doch ein interessanter Hinweis, der das Zuhören lohnt.
Ein Beispiel dafür: Porsche hat praktisch bestätigt, dass Audis kommender elektrischer Sportwagen die Plattform nutzen wird, die für die nächste Generation von 718 Boxster und Cayman entwickelt wurde. Während der Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen des dritten Quartals 2026 stellte Finanzvorstand Jochen Breckner den Zusammenhang überraschend deutlich her, als er über die Zusammenarbeit mit Audi sprach.
"Wir stellen unsere elektrische Plattform für den 718 Boxster und Cayman, die im kommenden Jahr starten soll, für ein Audi-Projekt zur Verfügung. Intern nennen sie es C-Sport, und wir erhalten dafür eine Zahlung von Audi. Diese Zahlung wird für 2027 erwartet."
2025 Audi Concept C
Audis Targa-Sportwagen bekommt Porsche-Technik
Damit ist es im Grunde bestätigt. Porsche liefert für Audis attraktiven Zweisitzer die Elektro-Architektur, die für die eigenen Sportwagen der nächsten Generation entwickelt wurde. Absehbar war das bereits vor mehr als einem Jahr, als Daniel Schuster, Sprecher der Technischen Entwicklung in Ingolstadt, uns sagte, das Auto werde auf einer Plattform stehen, „die innerhalb des [Volkswagen-]Konzerns geteilt wird“. Nun fügt Porsche die Puzzleteile zusammen.
Audi arbeitet bei dem Projekt mit Porsche zusammen. Es ist Teil eines größeren Ansatzes, Entwicklungskosten und Technologie innerhalb des Volkswagen-Konzerns zu teilen. Herauskommen soll ein elektrischer Sportwagen, der irgendwo zwischen TT und R8 positioniert ist – allerdings ohne Verbrennungsmotor. Auch die entsprechenden 718-Modelle werden rein elektrisch.
Bildergalerie: Audi Concept C (2025)
Eine gemeinsame Plattform ergibt durchaus Sinn, zumal es am Ende um drei Nischenmodelle geht. Die Entwicklung einer eigenen Sportwagen-Architektur ist teuer. Erst recht bei Elektroautos, bei denen Batterie-Layout, Gewichtsverteilung, Kühlung und Performance-Ziele zusätzliche Komplexität mit sich bringen. Durch die gemeinsame technische Basis können Porsche und Audi diese Kosten verteilen und den einzelnen Modellen dennoch eine eigene Identität geben.
Das bedeutet nicht, dass die Autos identisch werden. Audi wird sein Modell über Exterieur- und Interieurdesign, Fahrwerksabstimmung, Leistung und weitere Eigenschaften abgrenzen können. Schließlich praktiziert der VW-Konzern dieses Prinzip seit Jahrzehnten. Und trotz des größten Sparprogramms seiner Geschichte hält der Konzern offenbar weiter an diesem Trio fest. Die Zusammenarbeit funktioniert zudem in beide Richtungen: Der zurückkehrende Macan mit Verbrennungsmotor wird erneut auf dem Q5 basieren.
Drei Autos, drei Karosserievarianten
Während der nächste Boxster wieder mit Stoffverdeck und der Cayman mit festem Coupé-Dach kommen wird, erhält Audis Version ausschließlich ein elektrisch betätigtes Targa-Dach. Die Serienversion des Concept C wird damit tatsächlich der erste Audi mit einer solchen Dachlösung in der Unternehmensgeschichte. Zwei Dachelemente verschwinden sauber unter der Heckabdeckung und verwandeln das Auto vom Coupé in einen offenen Sportwagen.
Die technischen Daten bleiben noch unter Verschluss. Bekannt ist aber, dass Porsche die Batterien dort unterbringen wird, wo beim eingestellten 718 Boxster und Cayman mit Verbrennungsmotor einst der Benziner saß. Das ermöglicht eine niedrigere Sitzposition, eine bessere Gewichtsverteilung und eine höhere Karosseriesteifigkeit. Ob man sie mag oder nicht: Zum Plan gehören außerdem simulierte Gangwechsel und künstliche Motorsounds.
Hinterradantrieb oder Allrad?
Beim Audi zeigte der Concept C einen Hinterradantrieb mit nur einem Elektromotor. Das Unternehmen erklärte jedoch, dass die Plattform auch einen zusätzlichen Frontmotor für einen quattro-Antrieb aufnehmen könne. Gewicht ist der Feind der Performance, und Audi gibt für die Studie 1.690 Kilogramm an. Es könnte schlimmer sein, aber auch besser.
Und die Abmessungen? Der Concept C ist 4.520 Millimeter lang, 1.970 Millimeter breit und 1.285 Millimeter hoch. Damit ist er in seinen Proportionen etwas größer als der R8. Die Serienversion dürfte also deutlich größer ausfallen als ein TT.
Audi Concept C (2025)
Audi drückt den Reset-Knopf
Der Concept C bedeutet für Audi weit mehr, als nach der Einstellung sämtlicher Zweitürer der vergangenen Jahre einfach wieder ein entsprechendes Modell ins Programm zu bringen. Er markiert den Beginn einer neuen Designsprache, die das übrige Modellangebot innen wie außen beeinflussen soll.
Nach Jahren mit übergroßen Bildschirmen, berührungsempfindlichen Bedienelementen, viel glänzendem Kunststoff und Materialien, die nicht immer dem Markenanspruch entsprachen, denkt Audi seine Innenräume grundlegend neu. Der Concept C zeigt einen anderen Ansatz: weniger Fokus auf Displays, mehr physische Tasten und Schalter sowie hochwertigere Materialien – inklusive echtem Metall statt billig wirkender Ersatzlösungen.
Mit anderen Worten: Es geht nicht nur darum, einen schönen elektrischen Sportwagen zu bauen. Audi versucht offenbar, wieder stärker herauszuarbeiten, was einen Audi ausmacht – auch wenn der Sportwagen selbst auf Porsche-Technik stehen wird …
Porsche hat bereits bestätigt, den neuen elektrischen Boxster und Cayman im kommenden Jahr vorzustellen. Unklar ist allerdings, ob beide Karosserievarianten gleichzeitig gezeigt werden. Audis Serienversion des Concept C soll ebenfalls 2027 debütieren.
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