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Für eine persönlichere Erfahrung

M1 im gediegenen Outfit: Unterwegs im BMW M635 CSi (E24)

Unter der konservativen Hülle steckt echte Renntechnik. Sie sorgt auch heute noch für gute Laune

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht
Bild von: BMW Classic
Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Wenn die 1970er-Jahre in München eines hinterlassen haben, dann die Olympiabauten von 1972 samt U-Bahn. Und vor 50 Jahren die Definition des eleganten Gran Turismo. Auf dem Genfer Autosalon 1976 enthüllt BMW den Nachfolger des legendären E9. Der interne Code lautet E24, offiziell rollt das Fahrzeug als BMW 6er Coupé in die Schaufenster der Händler.

Das Design stammt aus der Feder von Paul Bracq und setzt Maßstäbe für die gesamte Epoche. Die Frontpartie neigt sich im charakteristischen Haifischnasen-Profil nach vorne, die Seitenscheiben kommen ohne B-Säule aus, und die Heckscheibe fällt sanft in Richtung Kofferraum ab.

Bildergalerie: BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

Der E24 wächst im Vergleich zum E9 deutlich in den Abmessungen, gewinnt an Platz im Innenraum und etabliert sich sofort als Reise-Coupé der Luxusklasse. Denn preiswert ist der BMW nicht: Mindestens 42.300 Mark sind es im Herbst 1977, ein Mercedes 450 SE kostet weniger. Im Blick hat man natürlich auch Märkte wie die USA.

Die technische Basis des E24 stammt anfänglich von der 5er-Reihe der Generation E12. Karmann übernimmt in den ersten Monaten die Fertigung der Rohkarosserien in Osnabrück, bevor BMW die Produktion komplett in das Werk Dingolfing verlegt. Unter der langen Haube arbeiten ausschließlich Reihensechszylinder-Motoren der M30-Familie. Spitzname des legendär laufruhigen Motors: Eisenschwein.

Die Palette reicht vom 628 CSi über den 630 CS bis hin zum beliebten 635 CSi. Im Jahr 1982 erfährt der E24 ein großes Facelift, auch mit Blick auf den neuen Mercedes SEC. BMW stellt die Plattform auf die neuere Technik des 5er E28 um, was dem Coupé eine modernisierte Vorderachse, ein verändertes Fahrwerk und ein überarbeitetes Cockpit beschert.

Ober-6er als M1 für die Familie

Der absolute Höhepunkt der Baureihe debütiert im Herbst 1983 auf der IAA in Frankfurt: der M635 CSi. Entwickelt von der BMW Motorsport GmbH, schlägt in diesem Topmodell das Herz des legendären Rennsport-Mittelmotorsportwagens M1. Der M88/3 genannte Vierventil-Reihensechszylinder schöpft aus 3,5 Litern Hubraum satte 286 PS bei 6.500 Umdrehungen pro Minute und stemmt ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmeter auf die Kurbelwelle.

Ohne Katalysator stürmt der Sportwagen in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 255 km/h. Damit steigt der M635 CSi in die Riege der schnellsten Viersitzer seiner Zeit auf und fordert etablierte Superportwagen heraus.

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

Bild von: BMW Classic

Im direkten Vergleich zum regulären 635 CSi mit seinen 218 PS und 310 Newtonmetern aus dem M30-Triebwerk leistet der M635 CSi mit dem vom M1 abgeleiteten Vierventiler 68 PS sowie 30 Newtonmeter mehr. Dieser Leistungssprung spiegelt sich auch in den Fahrleistungen wider, da der Motorsport-Ableger die Höchstgeschwindigkeit um knapp 25 km/h steigert und den Sprint auf Tempo 100 um rund eine Sekunde schneller absolviert.

Kraft mit dezentem Auftritt 

Äußerlich gibt sich der M635 CSi trotz seiner immensen Fahrleistungen zurückhaltend. Ein dezent vergrößerter Frontspoiler mit integrierten Nebelscheinwerfern, eine kleine Lippe auf der Kofferraumklappe, spezifische BBS-Kreuzspeichenräder und die M-Plaketten im Kühlergrill verraten die Performance-Variante. Spontaner Gedanke: Viel 1980er-Optik am Entwurf der Siebziger. Als hätte man Inspektor Derrick in einen Ballonseide-Trainingsanzug gesteckt.

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht
BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht
BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

Bilder von: BMW Classic
Bilder von: BMW Classic

Innen empfangen den Fahrer Sportsitze, ein dreispeichiges M-Technik-Lederlenkrad und veränderte Instrumente mit einem Drehzahlmesser bis 8.000 Touren. Fahrwerksseitig verbaut die Motorsport GmbH verstärkte Stabilisatoren, straffere Dämpfer und eine vergrößerte Bremsanlage mit Vierkolben-Festsätteln an der Vorderachse.

So fährt er sich

Ich betrachte den BMW: Was für ein schönes Auto, trotz des Lamettas der späten Jahre. Große Fenster, ausgewogene Form plus ein großer Kofferraum für lange Reisen. Aber wir sind ja nicht zum Angucken hier, der M635 CSi muss und will bewegt werden. Ich gleite in den bequemen Sportsessel für den Fahrer und checke die Lämpchen der damals üblichen "Check-Control". Sie ist übrigens wie auch der Bordcomputer auf Italienisch beschriftet und verrät die Herkunft des Wagens.

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

Bild von: BMW Classic

Sonor meldet sich der große Sechszylinder zur Arbeit bereit. Und mir fällt auf, was ich schon vor Jahren am Steuer des M1 bemerkte: Der M88/3 kann überraschend schaltfaul bewegt werden. Die erwähnten 340 Nm liegen zwar erst bei 4.500 U/min an. Aber ein großer Teil von ihnen ist bereits bei niedrigen Drehzahlen am Platz.

Apropos: Ich blicke auf den Tachometer bis 280 km/h und Drehzahlmesser mit rotem Bereich ab 6.900. Die bei den anderen Modellen im unteren Bereich des Drehzahlmessers befindliche Verbrauchsanzeige ist hier entfallen, jedoch nicht wie bei anderen M-Modellen durch eine Motoröl-Temperaturanzeige ersetzt. Egal, der große Block ist nicht in Gefahr. Schlicht aufgrund mangelnden Auslaufs. Ich bin ja kein Blogger, der mit Tempo 200 über Alpenpässe bügelt.

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

BMW M635 CSi (E24) im Fahrbericht

Bild von: BMW Classic

Deshalb begnüge ich mich mit gelegentlichem Herunterschalten. Eine in doppelter Hinsicht spaßige Arbeit. Klack. Aufs Gaspedal. Jubel unter der Haube und beim Schreiberling. Aber ganz klar: Dieser M ist eher Cruiser als Renngerät. Trotz Einsatz im Tourenwagensport. Ein exzellenter GT für die im Kürzel enthaltene große Tour. Vorausgesetzt, man füttert den M635 CSi reichlich mit Benzin. Wobei ein 628 CSi auch nicht markant weniger süffelt.

Kein BMW wurde länger gebaut  

Mit einer Bauzeit von 1976 bis 1989 bleibt der E24 über 13 Jahre im Programm und avanciert zur am längsten produzierten Baureihe der Marke BMW. Insgesamt laufen 86.216 Exemplare vom Band. Vom raren M635 CSi (Neupreis im August 1985: 93.550 DM, ein Porsche 911 Carrera ist über 20.000 Mark günstiger) entstehen bis zum Produktionsende im April 1989 exakt 5.855 Einheiten.

Davon sind 1.767 Fahrzeuge als M6 für den nordamerikanischen Markt mit Katalysator und 260 PS ausgeführt. Inzwischen gilt der E24 als zeitloser Klassiker, dessen Kombination aus Reihensechszylinder-Klang, Alltagsnutzen und stilvoller Formgebung die Faszination der bayerischen Oberklasse-Coupés bis heute prägt.