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Fiat 500L mit Erdgasantrieb im Test
Für wen oder was lohnt sich der Erdgas-Van?

Stefan Leichsenring 
Von: Stefan Leichsenring
13. Mär. 2018 um 11:05 Uhr
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Es gibt Leute, denen braucht man mit einem Fiat gar nicht zu kommen. Und wenn Fiat, dann kein Van. Und wenns ein Van sein muss, dann bitte wenigstens mit starkem Motor. Doch diese Klientel hat schon nach der Überschrift mit dem Lesen aufgehört. Falls nicht, hier noch mal eine Warnung: Es geht in diesem Test nicht um einen Porsche, sondern um den Fiat 500L mit einem 80 PS starken Zweizylinder für den Erdgasbetrieb. Wir haben ihn getestet.
Mehr Erdgasautos:
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Grandi vibrazioni
Mit einem Dreh ist der Motor an, und es geht los. Die ersten fünf Sekunden läuft der Wagen stets mit Benzin, danach wird auf Erdgas umgeschaltet. Ansonsten kann ich jederzeit per Knopfdruck die Kraftstoffsorte wechseln. Dabei ertönt nur ein leises Klack von den Gasflaschenventilen. Die fünf PS weniger (80 statt 85 PS) sind nicht zu spüren, wenn ich nicht gerade beschleunige. Was aber sofort auffällt, sind die Vibrationen des Zweizylinders. Schon im Leerlauf wird mein Hintern sanft massiert. Drehe ich über 4.000 Touren hinaus, tönt das 0,9-Liter-Motörchen wie ein röhrender Hirsch. Drücken wir es positiv und italienisch aus: Grandi vibrazioni, grandi emozioni! Im Stadtverkehr beschleunigt der Fiat 500L 0.9 8V TwinAir Natural Power (so die bürokratische Bezeichnung) ganz annehmbar, 140 Newtonmeter Drehmoment sind schon ganz ordentlich. Aber bei Tempo 100 noch beschleunigen? Da wird es zäh. Die Spitze von 163 km/h ist ebenfalls nicht gerade rekordverdächtig.
Großartige Rundumsicht
Nein, ein Autobahnauto ist der Erdgas-500L nicht. Dazu fehlt ihm auch ein komfortableres Fahrwerk. Selbst kleine Unebenheiten sind deutlich spürbar, und wenn ich bei Tempo 80 am Lenkrad ruckle, wirkt der Wagen schwammig. In puncto Alltagstauglichkeit dagegen trumpft der 500L auf – mit seinen Van-Qualitäten. Die Rundumsicht ist durch die riesigen Fenster und großen Außenspiegel hervorragend, dazu kommen kleine Zusatzfenster in den A-Säulen und die hohe Sitzposition. Alles ideal für die Stadt. Im Fond ist viel Platz, die Rückbank lässt sich wie bei jedem 500L längs verschieben und nach vorne „wickeln“ (Tumble-Sitzsystem) und der Kofferraum ist sehr gut nutzbar. Einen Unterschied zum normalen 500L sehe ich erst, als ich den variablen Ladeboden anhebe. Da eine Gasflasche in den Raum darunter ragt, verringert sich das Kofferraumvolumen je nach Sitzkonfiguration um sieben bis 20 Prozent.
Enorme Reichweite
Da mein Erdgas-Fiat mit zwei Kraftstoffen fahren kann, gibt es hinter der Tankklappe einen Stutzen für Erdgas (CNG) und einen für Benzin. Der CNG-Anschluss ist europaweit genormt, man braucht also keinen Adapter mitzunehmen, wenn man in den sonnigen Süden fährt. In Deutschland bieten von den etwa 14.500 Tankstellen zwar nur 900 Erdgas an, doch die Reichweite genügt auch für größere Lücken im Netz: Die 14 Kilo Erdgas in den beiden 200-bar-Stahltanks unter dem Boden sind zwar nach etwa 360 Kilometer leer. Aber keine Angst, dazu kommen noch über 800 Kilometer Reichweite durch den normalen 50-Liter-Benzintank.
Umweltfreundlich? Check!
Erdgasautos sagt man nach, dass sie besonders umweltfreundlich sind. Das stimmt. Wenn das getankte Erdgas in Biogasanlagen aus organischen Abfällen gewonnen wird, ist die CO2-Bilanz gut. Vor allem aber emittieren CNG-Autos praktisch keine Stickoxide (wie Diesel) und kaum Feinstaub (wie Benzin-Direkteinspritzer ohne Partikelfilter). Wenn es ernst wird mit den Diesel-Fahrverboten, wird Ihr Erdgasauto problemlos eine dunkelblaue Plakette bekommen, verspricht Fiat-Erdgasfachmann Kurt Pretscher. Von den Emissionen her wäre bei den Fiat-Erdgasautos die Norm Euro 6d-TEMP oder sogar Euro 6d drin, auch wenn sie derzeit nur nach Euro 6 zertifiziert sind, so Pretscher.
Es lohnt sich, aber langsam
Was man Erdgasautos auch noch nachsagt, ist, dass man Geld damit spart. Stimmt das? Nun, es kommt drauf an. Vergleichen wir mit der Benzinversion des Zweizylinders. Die hat zwar 105 statt 80 PS, aber das gleiche Drehmoment. Bei identischer Ausstattung ist sie 1.900 Euro günstiger, dafür sind die Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer um 2,25 Euro höher. So ist der Break-even-Point nach etwa 84.000 Kilometer erreicht. 80 gegen 105 PS finden Sie unfair? Gut, dann nehmen wir den Basisbenziner mit 95 PS. Hier spart man mit der Erdgasversion zwar gleich vier Euro pro 100 Kilometer, aber dafür ist auch die Differenz beim Anschaffungspreis größer, so dass sich insgesamt ein ähnliches Resultat (80.000 Kilometer) ergibt. Wenn Sie also der Typ sind, der sein Auto nie länger als drei oder vier Jahre behält, dann vergessen Sie Erdgas. Wenn Sie Ihren Wagen dagegen 13 Jahre fahren, lohnt es sich. Das Gleiche gilt wie gesagt, wenn Sie auf die Umwelt achten.
Wertung
-
- ★★★★★★★☆☆☆
Mein Kollege sagt, wenn er sich einen Erdgas-500L kaufen würde, wäre sofort seine Frau weg. Ich antworte ihm, dann lohnt sich Erdgas vielleicht doch. Aber lassen wir die Späße. Der Fiat 500L Natural Power hat genug Power für die Stadt, wo er auch mit seiner guten Rundumsicht glänzt. Als Van ist er sehr variabel nutzbar, das Platzangebot überzeugt. Weitere Pluspunkte sind Umweltfreundlichkeit und geringe laufende Kosten. Finanziell lohnt sich das Erdgasmodell aber nur für Leute, die das Auto länger behalten und viel fahren.
+ geringe Kraftstoffkosten, sehr gute Rundumsicht und Variabilität
- deutlich höherer Anschaffungspreis, starke Vibrationen durch Zweizylinder, lautes Motorgeräusch
-
Motor
70%
-
Fahrwerk
80%
-
Karosserie
85%
-
Kosten
65%
Preisliste
Fiat 500L 0.9 8V Twinair Natural Power Urban Pop Star Grundpreis: 19.690 Euro
Ausstattungen Preis in Euro elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar) Klimaanlage Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe - Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat Serie
USB-Radio mit 5,0-Zoll-Touchscreen Serie asymmetrisch geteilt umklappbare Rücksitzlehne Serie Rücksitze längs verschiebbar, umklapp- und wickelbar (Tumble-Sitzsystem) Serie umklappbare Beifahrersitz-Lehne Serie Connect-Paket (7,0-Zoll-Display, DAB+, Smartphone-Anbindung) 300
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Ottomotor mit Turboaufladung, Direkteinblasung von Erdgas und Benzindirekteinspritzung, OHC, Multiair-Ventilverstellung, bivalent Zylinder 2 Ventile 8 Hubraum in ccm 875 Leistung in PS 85 (80*) Leistung in kW 63 (59*) bei U/min 2.500 (2.000*) Drehmoment in Nm 145 (140*) Antrieb Frontantrieb Gänge 6 Getriebe Schaltung Maße und Gewichte Länge in mm 4.242 Breite in mm 1.784 Höhe in mm 1.687 Radstand in mm 2.612 Leergewicht in kg 1.465 Zuladung in kg 430 Tankinhalt in Liter 50 (plus 14 Kilo Erdgas) Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 167 (163*) Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 14,8 (15,7*) EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,9 (3,9 kg*) EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,2 (4,7 kg*) EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,2 (3,3 kg*) CO2-Emission in g/km 137 (105 *) Schadstoffklasse Euro 6 Weitere Informationen 1/moreName 330 bis 396 Liter (je nach Position der verschiebbaren Rückbank) 2/moreName 1.380 Liter / 1.275 Liter 3/moreName *) In Klammern: Werte für Erdgasbetrieb
Lesen Sie auch:
- - Lohnt sich Erdgas bei der Konkurrenz? Ein Vergleich bei anderen Modellen
- - Opel Astra CNG im Test
- - Von Erdgas- bis Elektroantrieb: Die Strategie von VW
Bildergalerie: Fiat 500L mit Erdgasantrieb im Test
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