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Die 2016er Harley-Davidson Roadster im Test

Ein Bike für Motorradfahrer?

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Von: Motor1.com

6. Okt. 2016 um 15:42 Uhr

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Wir alle kennen diese Männer-Klischees: Man wird 50, verdient ganz gutes Geld und plötzlich schlägt sie zu, die Midlife-Crisis. Was tun? Wer sich nicht gleich von seiner Ehefrau trennen möchte, um den jungen Dingern in irgendwelchen Nachtclubs nachzulaufen, der rebelliert und lotet seine Freiheiten anders aus. Mit einem neuen Hobby zum Beispiel. Auf zwei Rädern vielleicht. Was passt da besser, als sich endlich die lange ersehnte Harley zu gönnen? Am besten ein Modell aus der Sportster-Reihe. Die gibt es seit 1957 und sie steht seit jeher für Jugend, Aufbruch und Rebellion.

Richtiges Motorradfahren im Harley-Stil?
Warum Sie heute aber nicht mehr unbedingt dem Klischee entsprechen müssen (der Autor dieses Textes wird im kommenden Jahr 30 und ist weit von einer Krise entfernt)? Weil in Milwaukee mittlerweile Bikes zusammengeschraubt werden, die nicht nur zum gemütlichen Cruisen mit V2-Soundtrack taugen, sondern auch für richtiges Motorradfahren – selbstverständlich mit dem nötigen Stil. Was ich also gefahren bin? Die brandneue Harley-Davidson Roadster.

Kein Vergleich zur modernen Klassiker-Konkurrenz
Zum Modelljahr 2016 hat der US-Motorradhersteller mit der neuen Roadster eine ziemlich puristische, cleane und schlanke Fahrmaschine auf die Räder gestellt. Die Verarbeitung und die Materialien sind traumhaft. Kein Vergleich zur modernen Klassiker-Konkurrenz aus Italien oder England, wo mittlerweile so viel Plastik verbaut wird, dass einem schon Mal schlecht werden kann.

Platz nehmen und kontaktlos starten
Ich nehme auf der abgestuften Sitzbank Platz. Gestartet wird auf Wunsch sogar schlüssellos. Einzig die Lenkersperre sollte zuvor an der typischen Stelle (am vorderen Ende des Doppelschleifen-Stahlrohr-Rahmens) entriegelt werden. Ein kurzer Druck auf den Startknopf und die Roadster springt mit einem forschen Knallen an.

Weniger Vibrationen, weniger Sound
Unter mir läuft nun Ventile-klappernd der Evo-Sportster-1200-Motor. Der luftgekühlte 45-Grad-Zweizylinder mit 1.202 Kubikzentimeter Hubraum leistet 67 PS und 97 Newtonmeter Drehmoment. Die Vibrationen im Stand halten sich angenehm in Grenzen. Leider auch der Sound an den mit schwarzen Hitzeschutzblechen versehenen Chrom-Endschalldämpfern. Er ist durch immer strenger werdende Abgas- und Lautstärke-Vorschriften nicht mehr ganz so druckvoll wie noch vor einigen Jahren. Der klassische Harley-Klang ist zwar noch zu vernehmen, wer aber deutlicher auf sich aufmerksam machen will, sollte hier auf jeden Fall nachrüsten.

Eine engagierte Sitzposition. Langstreckentauglich?
Mit einem metallischen ,Klonk" lege ich den ersten Gang ein und rolle los (wer diesen Ton das erste Mal hört, meint, das Getriebe würde jetzt in 1.000 Einzelteile zerspringen). Die Sitzposition fällt direkt als ziemlich engagiert für ein Milwaukee-Moped auf. Daran beteiligt sind die mittig montierten Fußrasten und der flache Lenker. Und auch die Sitzhöhe ist mit 79 Zentimeter die aktuell höchste Harley-Position über dem Asphalt. Was heute auf dem Programm steht? 350 Kilometer. Hoffen wir mal, dass der Ofen sich nicht nur gut fährt, sondern es sich auch so lange in dieser Sitzposition aushalten lässt.

Der Zweizylinder will bei Laune gehalten werden
Aber was soll ich nach meinem Ausritt sagen? Harley-Davidson hat ein verdammt gutes Motorrad gebaut, das wie eine Harley aussieht, sich aber nicht unbedingt wie eine Harley fährt – was nichts Schlechtes ist. Okay, den Hubraumtrumpf (kraftvolles Hochdrehen aus dem Drehzahlkeller) zieht der V2 nicht unbedingt. Man sollte deshalb mit dem kurz und sauber abgestuften Fünfgang-Getriebe stets darauf achten, dass man über 2.000 Touren bleibt. Erstens, weil darunter die Power für spontane Überholmanöver fehlt und zweitens, weil der untertourig laufende Motor die Roadster zu einem schweren, mechanischen Zweirad-Bullen macht.

Trotz hohem Gewicht handlich bis sportlich bei der Sache
Apropos schwer: 259 Kilogramm Leergewicht sind eine Menge Holz für ein Bike dieser Klasse. Trotzdem fühlt sich die Roadster nie unhandlich an, sondern ist sportlich bei der Sache. Dafür sorgt das Fahrwerk mit der Upside-down-Gabel vorne und den zwei einstellbaren Emulsion-Federbeinen hinten. Es ist ausgereift, sportlich-komfortabel und bietet eine hohe Schräglagenfreiheit. Wirklich. Und auch allzu weit vorausschauend muss man mit der Roadster nicht unterwegs sein, denn die 320-Millimeter-Doppelscheiben und die 260-Millimeter-Scheibe hinten (ABS ist übrigens serienmäßig) verzögern nach modernen Standards. Auch hier: Wirklich.

Kleiner Tank, wenig Verbrauch
Nervig bei längeren Strecken ist der winzige 12,5-Liter-Tank. Okay, er sieht in seiner schlanken Tropfenform wunderschön aus, aber nach 200 Kilometer heißt es meist nachtanken. Obwohl ich mit einem Durschnittsverbrauch von lediglich 4,5 Liter je 100 Kilometer sogar noch etwas länger hätte durchhalten können. Und wenn man sich nicht sicher ist, dann gibt es sogar eine Restreichweitenanzeige im neuen 10,2-Zentimeter-Rundinstrument an der Lenkerklemme. Darin enthalten sind ein klassischer Drehzahlmesser und ein digitaler Tacho.

Guter Preis auch für alle unter 50
Was der Anflug von Jugend, Aufbruch und Rebellion im Roadster-Gewand kostet? Mindestens 12.795 Euro wollen investiert werden. Und wenn man nicht zu einem Klischee werden will, kann man das auch ohne Bedenken vor der Midlife-Crisis tun.

Wertung

Preisliste

Harley-Davidson Roadster

Grundpreis: 12.795 Euro

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart luftgekühlter 45-Grad-V-Benzinmotor  Zylinder 2  Ventile 2  Hubraum in ccm 1.202  Leistung in PS 67  Leistung in kW 49  bei U/min 4250  Drehmoment in Nm 97  Antrieb Hinterrad-Riemenantrieb  Gänge 5  Getriebe Schaltgetriebe  Fahrwerk Radaufhängung vorn Upside-down-Telegabel  Radaufhängung hinten zwei Emulsion-Federbeine mit einstellbarer Federbasis  Bremsen vorn zwei Scheibenbremsen, gelocht, 300 Millimeter  Bremsen hinten eine Scheibenbremse, gelocht, 260 Millimeter  Räder, Reifen vorn 120/70 R19  Räder, Reifen hinten 150/70 R18  Maße und Gewichte Länge in mm 2.185  Breite in mm 840  Höhe in mm 1.080  Radstand in mm 1.505  Leergewicht in kg 259  Zuladung in kg 195  Tankinhalt in Liter 12,5 (3 Liter Reserve)  Kraftstoffart Superbenzin  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 180  Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 4,5  Schadstoffklasse Euro 3  Fixkosten Service-Intervalle 1x jährlich oder alle 8.000 km 

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