Der heiße Scheiß: Dieses Camper-Klo arbeitet mit Mikrowellen
Die Xsani von HMT verbrennt Hinterlassenschaften im Camper einfach zu Asche
Keine Kassette, kein Schwarzwassertank und keine Beutel: Die Xsani von HMT soll die Hinterlassenschaften im Camper auf eine kleine Menge Asche reduzieren. Dafür braucht sie allerdings ordentlich Strom.
Mikrowellen waren einmal der heiße Scheiß. Essen in wenigen Minuten warm, Popcorn direkt aus der Tüte und dabei fasziniert durch die kleine Scheibe schauen. Rund 40 Jahre später ist die Technik offenbar noch immer heißer Scheiß, diesmal allerdings wörtlich genommen. Denn die Xsani nutzt Mikrowellen nicht fürs Abendessen, sondern fürs Geschäft danach.
Bildergalerie: HMT Xsani Mikrowellen-Camping-Toilette
Wer jetzt an Mikrowellen-Popcorn denkt: Dafür würden wir weiterhin das Gerät in der Küche empfehlen. Hinter Xsani steckt nämlich eine selbstreinigende Campingtoilette des chinesischen Herstellers HMT. Statt Kassette oder Schwarzwassertank sollen die Hinterlassenschaften direkt im Fahrzeug behandelt und am Ende auf eine kleine Menge Asche reduziert werden.
Dass sich beim Camping-Klo inzwischen einiges tut, ist nicht ganz neu. Wir haben uns bereits die spannendsten Toiletten-Innovationen fürs Wohnmobil angesehen. Inzwischen wird getrennt, verschweißt oder verbrannt. Die gute alte Chemiekassette bekommt also zunehmend Konkurrenz.
Xsani geht noch einen anderen Weg. HMT spricht von „Microwave Incineration“, also einer Behandlung mittels Mikrowellen. Ganz so simpel wie Essen in die Mikrowelle stellen und Start drücken ist die Sache allerdings nicht. Laut Hersteller kommt ein kombinierter thermischer Prozess zum Einsatz. Neben der Mikrowellenbehandlung sorgen zusätzliche innere und äußere Heizprozesse dafür, dass der Inhalt möglichst schnell reduziert wird.
Unter der Toilettenschüssel sitzt dafür ein Behälter aus Edelstahl 316 mit Keramikbeschichtung. Mehrere Temperatursensoren überwachen den Vorgang, während die Steuerung die Dauer automatisch an die tatsächliche Menge anpasst. Der aktuelle Betriebsstatus wird über ein Display angezeigt. Am Ende soll lediglich eine kleine Menge Asche übrig bleiben.
Der große Vorteil liegt auf der Hand: Eine klassische Schwarzwasserkassette gibt es nicht mehr. Entsprechend entfällt auch die Suche nach der nächsten Entsorgungsstation. HMT nennt eine automatische Aschesammlung und einen Hinweis, sobald der entsprechende Behälter geleert werden muss.
Auch Folienbeutel, wie sie bei manchen Verschweiß- oder Verbrennungstoiletten wie von Clesana oder Cinderella zum Einsatz kommen, sind laut dem derzeitigen Konzept nicht vorgesehen. Gerade für Wohnmobile, die längere Zeit autark stehen sollen, klingt das ziemlich interessant. Der Hersteller nennt deshalb unter anderem Campervans, große Wohnmobile und Expeditionsfahrzeuge als mögliche Einsatzgebiete.
Ganz aus dem Nichts kommt die Idee übrigens nicht. Die Xsani ist bei HMT kein einsamer Toiletten-Ausflug. HMT denkt gleich den halben Camper neu: 48-Volt-Bordnetz, Wärmepumpe, Wasser-Recycling, smarte Küche und modulare Ausbauten gehören ebenfalls zum Programm.
Einen Haken hat das Ganze allerdings: Die Energie muss irgendwo herkommen. Genau deshalb lässt sich die Xsani nicht einfach als universeller Ersatz für jede vorhandene Kassettentoilette betrachten. HMT weist selbst darauf hin, dass die Integration von elektrischer Leistung, Belüftung und verfügbarem Bauraum abhängt. Je nach Fahrzeug können außerdem zusätzliche Leitungen beziehungsweise Öffnungen für Belüftung und Abgasführung nötig sein.
Damit zielt die Toilette eher auf moderne Reisemobile mit entsprechend kräftiger Bordelektrik als auf den klassischen Camper mit kleiner 12-Volt-Batterie unter dem Beifahrersitz. Das passt wiederum zum restlichen HMT-Ansatz: Die Chinesen entwickeln ihre Systeme rund um elektrische Energieversorgung, Klima, Wasser und Sanitärtechnik als zusammenhängendes Paket. Einen Preis oder einen konkreten Termin für einen regulären Marktstart nennt HMT für die Xsani bislang nicht.
Damit bleibt abzuwarten, wann das Mikrowellen-Klo tatsächlich in einem Serien-Camper auftaucht. Langweilig ist die Idee jedenfalls nicht. Früher hat uns die Mikrowelle das Mittagessen heiß gemacht, heute soll sie im Camper dafür sorgen, dass vom großen Geschäft nur noch ein bisschen Asche übrig bleibt. Fortschritt kann manchmal ziemlich merkwürdige Wege gehen.
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