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Was bringt das Mini-Facelift?
Ausgerentnert? Verjüngte Mercedes B-Klasse im Test

Stefan Wagner 
Von: Stefan Wagner
22. Okt. 2014 um 13:47 Uhr
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,Also was soll das denn jetzt?", mögen sich manche von Ihnen vielleicht denken. Ein Facelift nach gerade mal drei Jahren? Und das obwohl der biedere Familienkübel läuft wie geschnitten Brot? (Immerhin konnte Mercedes von der aktuellen B-Klasse seit der Einführung 2011 bereits mehr als 380.000 Exemplare absetzen.) Das große ,Aber" kommt aus München beziehungsweise Wolfsburg mit dem brandneuen BMW 2er Active Tourer und dem VW Golf Sportsvan. Die beiden Neulinge sprangen relativ hemmungslos auf den ,Sports-Tourer"-Erfolgszug auf, den die B-Klasse bereits 2005 losfahren ließ. Also musste man in Stuttgart reagieren. Nicht, dass der Platzhirsch am Ende noch hinterherfährt.
Frisch aus dem Fitnessstudio
Besagte Reaktion fällt im Großen und Ganzen allerdings eher dezent aus. Vor allem optisch hat man in den Fels gehauen. Vornehmlich, um das ,Rentner-Auto" ein gutes Stück in Richtung ,sportlicher Untersatz für jüngere Familien" zu trimmen. Dafür hat man vor allem die Front ans aktuelle Konzerndesign angepasst. Sprich: mehr Schneid, weniger Bus. Das beinhaltet neue Schürzen, geänderte Scheinwerfer und einen flotteren Grill. Voll-LED-Leuchten sind jetzt zudem vorne und hinten optional erhältlich. Hinten gibt es ebenfalls einen neuen Stoßfänger und ab der zweithöchsten Ausstattungslinie "Urban" ein ziemlich schickes Doppelendrohr mit Chromeinfassung. Apropos Ausstattungslinien: Hier hat man komplett neu eingedeckt und die Versionen Style, Urban und AMG-Line geschaffen, auf denen wiederum die Pakete Night, Exklusiv und AMG Exklusiv aufbauen. Gerade im frisch gebackenen AMG-Trimm sieht die B-Klasse jetzt aus, wie ein Jahresabo von McFit. Es steht ihr ganz hervorragend.
Innen etwas schicker
Im Interieur haben die Daimler-Designer ebenfalls Hand angelegt, wenn auch nicht so gravierend wie außen. Der B-Klasse-Connaisseur freut sich über eine schickere Instrumenten-Optik und das neue Display dazwischen, das nun erstmals in Farbe informiert. Zudem wurde der mittlerweile Mercedes-typische Tablet-Monitor auf dem Armaturenbrett überarbeitet. Seine Grafiken erstrahlen in neuem Glanz und er ist gegen Aufpreis (beim Command-Infotainmentsystem Serie) nun auch in Acht-Zoll-Ausführung erhältlich. Ein bisschen mehr Wertigkeit in Tasten, Knöpfchen und Rädchen sowie zwei neue Lederausstattungen (Cranberryrot und Schwarz ,Red Cut" mit roter Ziernaht) schließen das Kapitel ,Schöner Wohnen" ab. Außerdem ist der Connect-Me-Dienst nun serienmäßig am Start. Er hilft automatisch bei Unfällen, Pannen oder der Wartung. Gegen 178 Euro Aufpreis kommen Sie zudem in den Genuss, Ihrer B-Klasse mit dem Tablet oder Smartphone auch aus weiterer Entfernung ins Handwerk zu pfuschen. Beispielsweise wenn Sie ihren Untersatz orten oder die optionale Standheizung aktivieren wollen.
94 Gramm CO2
Eher marginal sind die Neuerungen bei der Technik. Alle Motoren wurden durch optimierte Reibwerte leicht in Richtung Verbrauch getrimmt und die gesammelte Diesel-Truppe erfüllt jetzt Euro-6. Der größte Selbstzünder im B 220 CDI durfte zudem um sieben auf nun 177 PS zulegen. Außerdem wird es in Kürze bei den B 180ern (Benziner wie Diesel) betont knausrige BlueEfficiency-Varianten geben, die mit neuer Getriebeübersetzung und reibungsärmeren Reifen auch den letzten Tropfen sinnvoll ausnutzen sollen. Das resultiert laut Mercedes in Kraftstoffverbräuchen von 5,2 und 3,6 Liter sowie in CO2-Werten von 122 und 94 Gramm pro Kilometer. Auf letzteren Wert ist man in Untertürkheim besonders stolz, liegt er doch um ein sagenhaftes Gramm unter dem des sparsamsten BMW 2er Active Tourer. Interessanter als CO2-Kleinkriege dürfte für die meisten Kunden jedoch die Info sein, dass es mit dem Facelift gleich drei neue Allradvarianten geben wird. Künftig wühlen sich auf Wunsch also auch B 200 CDI, B 220 CDI und B 250 mit allen Vieren durchs Leben.
Suche nach Dynamik
Ich starte meine Kurzbeziehung zur gelifteten B-Klasse im 211 PS starken B 250 mit 4Matic-Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Das volle Programm also. Und weil man den Kennenlern-Termin auf des Deutschen liebste Insel (ja, Mallorca) gelegt hat und es dort herrliche Bergstraßen gibt, tue ich das, was wohl die Wenigsten mit einer B-Klasse je tun werden: Ich suche nach ihren dynamischen Fähigkeiten. Und ich finde sie überraschend schnell. Klar, das B wird nie ein Sportwagen werden, aber mein 250er mit Komfortfahrwerk und normaler, nicht variabler Lenkung lässt sich sehr akkurat und zielgenau bugsieren, ist dank des Allrads verblüffend neutral, untersteuert sehr spät und hat irre viel Traktion aus der Kurve heraus. Das dürfte selbst der als Dynamikwunder gepriesene 2er Active Tourer nicht wirklich besser hinkriegen. Dabei gelingt dem zum Facelift minimal angepassten Fahrwerk samt 18-Zoll-Rädern ein guter Spagat aus Fahrfreude und Komfort. In der Regel werden mit der AMG-Line ein Sportfahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung sowie eine variable Direktlenkung geliefert, was das Fahrverhalten nochmals deutlich versportlichen soll. Aus meiner Sicht macht man – in Anbetracht des gewöhnlichen B-Klasse-Einsatzgebietes – mit der normalen Abstimmung aber wohl den besseren Stich.
Zweiliter-Benziner marschiert richtig
Am Zweiliter-Turbo gibt es ebenfalls wenig zu mäkeln. Er ist sicher nicht der Charismatischste, aber selbst einen hoch bauenden Halb-Van … äh … Sports Tourer schiebt er mit großer Wucht aus unterem und mittleren Drehzahlbereich vehement nach vorne. Untermalt von einem röchelnden Fauchen wird die B-Klasse so zu einem verdammt schnellen Begleiter. Schön ist auch, dass man dem oft kritisierten Doppelkupplungsgetriebe ein Update verpasst hat. Es wirkt nun deutlich zackiger und geschliffener. Ob der vom Bordcomputer ermittelte Verbrauch angesichts der kurvig-bergigen Testroute sonderlich aussagekräftig ist, sei mal dahingestellt. Nach dem flotten Teil zeigte der Rechner gute zwölf Liter. Als ich später entspannt und bewusst effizient unterwegs war, wurden um die sieben Liter angezeigt.
Wie gut ist Diesel plus Allrad?
Neben dem 250er hatte ich außerdem die Gelegenheit, den etwas realitätsnäheren B 200 CDI zu fahren. Und das ebenfalls mit Allradantrieb und Doppelkupplung. Kurzfazit: Der schwerere Motor raubt ein wenig an Agilität, der Allrad-Grip ist aber auch hier eine Wucht. Der 136-PS-Diesel ist in allen Lagen deutlich als solcher zu identifizieren, in punkto Vortrieb allerdings vollkommen ausreichend. Leider harmoniert das Siebengang-DCT mit den Dieseln nicht ganz so sorgenfrei, wie es das mit den Benzinern tut. Man merkt, dass hier ein VW-DSG oder die BMW-Achtgang-Automatik einfach eine Nummer fluffiger und schneller unterwegs sind. Wenn man so will, ist das aber Meckerei auf hohem Niveau und generell kann man mit der Doppelkupplung ziemlich gut leben. Meckerei auf weniger hohem Niveau gibt es beim Verbrauch, der laut Bordcomputer trotz gezügelten Gasfußes nicht unter 6,8 Liter zu bringen war. Das sind immerhin 1,8 Liter mehr als der Prospekt sagt.
Ab 29. November beim Händler
Am Ende des Tages hat die geliftete B-Klasse vor allem optisch zugelegt. Die Karosserie kann man jetzt auch mit etwas Ähnlichem wie Stolz vorzeigen und im Interieur fühlt man sich noch ein bisschen wohler (man fühlt sich wirklich wohl in der B-Klasse). Wenn die Motoren jetzt ein Schlückchen weniger nehmen, dann ist das vor allem fürs Papier gut, auf dem es steht. Positiv sind die Verbesserungen beim Doppelkupplungsgetriebe und die Ausweitung des empfehlenswerten Allradantriebs. An den hervorragenden Platzverhältnissen im Fond und dem gut nutzbaren Kofferraum hat sich ohnehin nichts geändert. Die neue B-Klasse steht ab 29.November 2014 beim Händler und das zu Preisen ab 27.102 Euro für den 122 PS starken B 180. Damit ist sie 267 Euro teurer als bisher. Immer ab Werk dabei sind eine Klimaanlage, ein Sieben-Zoll-Farbdisplay und der neue Collision Prevention Assist Plus, der nun bei drohenden Auffahrunfällen nicht nur warnt und piepst, sondern auch autonome Teilbremsungen durchführt. Zum Vergleich: Der BMW 2er Active Tourer startet mit 136-PS-Benziner bei 27.200 Euro, der VW Golf Sportsvan mit 85 PS bei 19.625 Euro. Der von uns gefahrene B 250 4Matic steht ab 37.336 Euro in der Preisliste. Der B 200 CDI 4Matic ist ab 35.462 Euro zu haben.
Wertung
-
★★★★★★★★☆☆
Die B-Klasse ist nicht mega-innovativ, aber eine sehr ehrliche und runde Sache und deswegen wohl auch so beliebt. Mit dem Facelift gibt es nun kleine Impulse, damit das mit der Beliebtheit nicht abebbt – trotz der starken Konkurrenz von BMW und VW. Fahr- und bedientechnisch wirkt die B-Klasse extrem ausgereift. Auch die Qualität im Innenraum ist lobenswert. Außerdem tut die frische Optik dem Auto wirklich gut. Ein billiges Vergnügen ist das kompakte Platzwunder allerdings nicht. Vor allem nicht, wenn man sich in der langen Preisliste ein wenig austobt. Im Segment der Sports Tourer kann man als Kunde derzeit dennoch wenig falsch machen. Ob man sich für die geliftete B-Klasse, den BMW 2er Active Tourer oder den VW Sportsvan entscheidet, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen.
+ ausgereiftes Fahrverhalten, viel Traktion, sehr gute Verarbeitung, viel Platz im Fond
- Getriebe braucht Feinschliff, hohes Preisniveau -
Antrieb
75%
-
Fahrwerk
85%
-
Karosserie
90%
-
Kosten
75%
Preisliste
Mercedes B 200 CDI 4Matic
Grundpreis: 35.462 Euro
Modell Preis in Euro Ausstattungslinie AMG Line ab 2.630 Ausstattungslinie Style ab 595 Ausstattungslinie Urban ab 839
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Klimaautomatik 607 Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation ab 952 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.362 Metalliclackierung 619 Leichtmetallfelgen Serie Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung im Exklusiv-Paket ab 1.309 Xenonlicht Halogen Serie; LED-Scheinwerfer 1.041 Nebelscheinwerfer nicht mehr lieferbar Anhängevorrichtung 940
Comand Online Infotainmentsystem 3.510 Spurpaket (Spurhalte- und Toter-Winkel-Assistent) 928 Sitzheizung 345 Aktiver Park-Assistent 803
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Reihen-Dieselmotor, Turbo Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 2.143 Leistung in PS 136 Leistung in kW 100 bei U/min 1.400-3.000 Drehmoment in Nm 300 Antrieb Allradantrieb Gänge 7 Getriebe Doppelkupplungsgetriebe Kraftverteilung variabel Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.541 Spurweite hinten in mm 1.538 Radaufhängung vorn McPherson Radaufhängung hinten Vierlenker-Achse Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben, innenbelüftet Wendekreis in m 11 Räder, Reifen vorn 225/45 R17 Räder, Reifen hinten 225/45 R17 Lenkung elektromechanische Servolenkung Maße und Gewichte Länge in mm 4.393 Breite in mm 1.786 Höhe in mm 1.562 Radstand in mm 2.699 Leergewicht in kg 1.575 Zuladung in kg 520 Kofferraumvolumen in Liter 488 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.547 Tankinhalt in Liter 56 Kraftstoffart Diesel Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 207 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,8 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,0 Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 6,8 CO2-Emission in g/km 130 Schadstoffklasse Euro 6
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