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Skoda Citigo im Test: Der Stadt-Prinz
Sieben Punkte zum Facelift des Kleinstwagens

Roland Hildebrandt 
Von: Roland Hildebrandt
28. Jun. 2017 um 17:27 Uhr
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Weniger ist manchmal mehr: Aus allen Richtungen kreuzen Fußgänger, Radfahrer und andere Autos meinen Weg, ganz zu schweigen von den links und rechts parkenden Fahrzeugen. Meine Stadtrundfahrt durch Prag sorgt nicht gerade für ausgeglichenen Blutdruck. Wie gut, dass der Skoda Citigo hier in seinem Element ist. Nachdem sein Bruder, der VW Up, schon 2016 geliftet wurde, bekommt nun auch der kleinste Skoda eine Überarbeitung. Wir zeigen in unserem Test die sieben wichtigsten Punkte.
Was hat sich beim Citigo geändert?
Sagen wir es mal so: Optisch wie technisch weniger als beim VW Up. Der Citigo des Jahres 2017 bekommt eine faltigere Motorhaube, modifizierte Stoßfänger plus neue Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion sowie LED-Tagfahrlicht. Letzteres gibt es aber wie die abgedunkelten Heckleuchten nicht in der Basisversion. Die Länge wächst um vier Zentimeter auf 3,60 Meter. Innen gibt es optional erstmals ein Multifunktionslenkrad sowie eine Klimaautomatik. Die Navigation erfolgt künftig über eine App aufs Smartphone, bislang gab es eine Aufstecklösung.
Welche Vor- und Nachteile haben alle Citigo?
Trotz der geringen Außenabmessungen gefällt das luftige Raumgefühl auf den vorderen Plätzen, bequeme Sitze inklusive. Schon seit geraumer Zeit hat der Citigo endlich auch den Schalter für den Beifahrer-Fensterheber auf der Fahrerseite, die Hutablage schwenkt nach oben, was anfangs nicht der Fall war. Gut im Blickfeld liegt der große Tacho, der aber erst mit Bordcomputer gut lesbare Ziffern aufweist. Leider gibt es beim Fünftürer unverändert hinten nur Ausstellfenster. Das kann die Konkurrenz besser. Rund 70 Prozent der Citigo-Kunden wählen den Fünftürer. Eine gute Entscheidung, gerade bei engen Parklücken stört das riesige Portal des Dreitürers. Apropos eng: Im Fond ist das Platzangebot bestenfalls ausreichend und daher mehr etwas für Kurzstrecken. Eine Frage des Geschmacks sind die in Wagenfarbe lackierten Blechflächen im Innenraum. Mit einer poppigen Farbe wie etwa dem 150 Euro teuren, neuen ,Kiwi-Grün" hat das aber seinen Charme. Anders als beim fast baugleichen VW Up ist die Heckklappe des Skoda nicht komplett aus Glas und Plastik, sondern im unteren Teil aus Blech. Das wirkt stabiler. Pfiffig sind Detaillösungen wie der Ablagehaken im Griff des Handschuhfachs (bis auf Basis Serie) oder der variable Ladeboden, der in Verbindung mit dem kleinen Abfalleimer für die Beifahrertür 90 Euro kostet.
Die Motorenauswahl: 60 PS als Einstieg
Recht überraschend mutet die Tatsache an, dass 78,5 Prozent der Citigo-Kunden den Einstiegsmotor mit 60 PS wählen. Es handelt sich um einen Dreizylinder-Saugbenziner, der wie sein stärkerer Bruder 95 Newtonmeter Drehmoment bei 3.000 Touren abliefert. Beim innerstädtischen Slalom durch eine Metropole wie Prag zeigt sich, dass 60 PS absolut okay sind. Einzige Bedingung: Man darf nicht schaltfaul fahren, sondern muss den Motor drehen, um flott ums Eck zu kommen. Das ist aber kein Problem, da die Aggregate im Citigo durchgehend gut gedämmt sind. Erst bei offenem Fenster dringt der markante Dreizylinder-Klang ans Ohr. Unter dem Label ,Green Tec" gibt es optional ein Start-Stopp-System und Rekuperation. 400 Euro kostet die Möglichkeit, auf dem Papier in der Stadt 0,6 Liter weniger zu verbrauchen.
Lohnt sich der 75-PS-Motor?
Weil Skoda beim Citigo auf den Einliter-Turbo mit 90 PS des VW Up verzichtet, markieren wie bislang 75 PS das Ende der Fahnenstange. 540 Euro ist dieser Motor teurer als die 60-PS-Maschine. Wer fast nur in der Stadt herumkurvt, kann sich diese Summe schenken und in mehr Ausstattung investieren. Dort ist kein Unterschied zwischen beiden Motoren spürbar, weil das maximale Drehmoment gleich ist. Erst bei Überlandfahrten sind die 75 PS etwas spritziger. Doch mit 13,5 Sekunden auf Tempo 100 reißen sie auch nicht den Asphalt auf, die Differenz zum 60-PS-Motor beträgt nur 0,9 Sekunden.
Ist die Automatik zu empfehlen?
Auf Wunsch bietet Skoda ein automatisiertes Schaltgetriebe an, kurz ASG genannt. Der bekannteste Einsatzort einer vergleichbaren Technik war im alten Smart Fortwo. Auch im Citigo werden Schaltvorgänge unter Vollast mit einem Nicken quittiert, wenngleich der Effekt nicht ganz so krass wie beim Smart ist. Schwerwiegender wirkt der Umstand, dass das Getriebe beim spontanen Gasgeben (etwa beim Überholen) eine Gedenksekunde einlegt und dann erst herunterschaltet. Wer hingegen kommod fährt, kann den Nick-Effekt verringern, ebenso mit manuellen Eingriff. Also: Etwas für ruhige Fahrer und totale Automatik-Fans, die aber dann den 75-PS-Motor wählen sollten. Mit 60 PS sackt der Null-auf-100-Sprint von 14,4 auf 16,7 Sekunden ab, mit 75 PS sind es 14,9 statt 13,5 Sekunden. Ansonsten gilt: 700 Euro sparen und mit der präzisen Fünfgang-Schaltung per Hand arbeiten.
G-Tec alias Erdgas: Saubere Alternative?
Da in der Kleinstwagen-Klasse ein Diesel kaum nachgefragt wird, bietet Skoda schon seit geraumer Zeit eine Erdgas-Variante des Citigo an. Mit 82 Gramm CO2 pro Kilometer ist sie zwar sauber, aber leider verdammt teuer. Gegenüber dem 75-PS-Benziner mit Green Tec liegt der Aufpreis bei gut 2.000 Euro. Angesichts dessen müsste der Wagen ständig in Bewegung sein, damit es sich lohnt. Doch genau daran hapert es: Die 68 PS mühen den Wagen in langen 16,3 Sekunden auf Tempo 100. Erdgas wählen? Eher nicht.
Wie sieht der ideale Citigo aus?
Fassen wir unsere Erkenntnisse zusammen: 60 PS reichen im Skoda Citigo aus. Der Dreitürer startet bei 9.770 Euro, ein VW Up ist gut 200 Euro teurer. Erstaunlicherweise wählten 45 Prozent der deutschen Citigo-Käufer die Basisversion namens ,Active" ohne Klimaanlage. Hier dürften aber Pflegedienste und Pizzaboten eine große Rolle spielen. Dahinter kommt das ständige Sondermodell ,Cool Edition" mit Klimaanlage, CD-Player und Digitalradio für nur 300 Euro mehr. Als 60-PS-Green-Tec mit hinteren Türen liegt man bei 10.950 Euro, dazu noch das ,Kiwi Grün" (kleine Autos sollten poppig sein) für 150 Euro, macht 11.100 Euro. Klingt fair und wer kein ,Kiwi Grün" braucht, kann mit der Wahl des Vor-Faceliftmodells zusätzlich sparen. Mag man es nobel, ist die ,Style"-Ausstattung ein Tipp. Extras wie Parksensoren hinten, Licht- und Regensensor und der aktive Bremsassistent sind ebenso in einem günstigen Paket zusammengefasst wie die Sitzheizung vorne. Mit Klimaautomatik, Green Tec, Kiwi-Optik und fünf Türen liegt der 60-PS-Citigo so bei 14.130 Euro.
Wertung
-
★★★★★★★★☆☆
Skoda bleibt beim Citigo seiner Linie treu und wendet sich an kühle Rechner. Das erklärt auch den Verzicht auf einen stärkeren Turbo-Benziner. Doch die gut gedämmten Saugmotoren reichen im Alltag aus. Auch nach fünf Jahren auf dem Markt punktet der kleinste Skoda beim Raumgefühl, den Materialien und der Solidität.
+ laufruhige Motoren, präzise Lenkung, gute Raumökonomie
- billig wirkendes Blech innen, viele Aufpreise, unharmonische Automatik
-
Antrieb
75%
-
Fahrwerk
85%
-
Karosserie
80%
-
Kosten
80%
Preisliste
Skoda Citigo 1.0 MPI Style (60 PS)
Grundpreis: 12.080 Euro
Modell Preis in Euro Active 9.770 Monte Carlo 11.580 Ambition 10.560 Cool Edition 10.070
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaanlage Serie Klimaautomatik 260 Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe 1.100 (mit Green Tec plus 700) CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 720 Metalliclackierung 410 Leichtmetallfelgen Serie (14 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat 490 (im Paket) Nebelscheinwerfer Serie
Sitzheizung vorne 230 Einparkhilfe hinten 490 (im Paket) City-Notbremsassistent 280
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Benziner Zylinder 3 Ventile 4 Hubraum in ccm 999 Leistung in PS 60 Leistung in kW 44 bei U/min 3.000 Drehmoment in Nm 95 Antrieb Frontantrieb Gänge 5 Getriebe Schaltgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.428 Spurweite hinten in mm 1.424 Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an MacPherson-Federbeinen Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet Bremsen hinten Trommel Wendekreis in m 9,8 Räder, Reifen vorn 165/70 R14 Räder, Reifen hinten 165/70 R14 Lenkung elektromechanische Servolenkung Maße und Gewichte Länge in mm 3.597 Breite in mm 1.641 Höhe in mm 1.478 Radstand in mm 2.420 Leergewicht in kg 929 Zuladung in kg 436 Kofferraumvolumen in Liter 251 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 959 Tankinhalt in Liter 35 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 162 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 14,4 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,4 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 5,5 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,8 CO2-Emission in g/km 101 Fixkosten Garantie 2 Jahre
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Bildergalerie: Stadt-Prinz
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