Design: Warum Hersteller ihr Logo durch einen Schriftzug ersetzen
Das altehrwürdige Logo wird immer häufiger durch einen Schriftzug ersetzt – und wird so zum neuen gestalterischen Element
Über Jahrzehnte trugen Autos stolz das Logo des Herstellers auf dem Kühlergrill und dem Heck: ein Pfeil, ein Löwe, ein Blitz oder ein Stern identifizierten den vorherfahrenden Wagen unverkennbar. Seit einiger Zeit aber scheint sich ein Wandel zu vollziehen: Immer mehr Hersteller entscheiden sich dafür, ihren Namen als Schriftzug auf das Auto zu pappen.
Das ist kein nebensächliches Detail und auch keine rein grafische Entscheidung. Denn die Buchstaben werden zunehmend vollständig in das Fahrzeugdesign integriert und prägen den Gestaltungsansatz am Heck ebenso wie die klassische und digitale Kommunikation. Selbst an der Front kommen die Schriftzüge immer häufiger zum Einsatz. Es ist eine der interessantesten Entwicklungen im zeitgenössischen Automobildesign.
Wenn die Marke zum Wort wird
Der Skoda Elroq zeigt diese neue Tendenz besonders deutlich. Der Schriftzug ersetzt das klassische Emblem sowohl an der Front als auch am Heck und wird damit zu einem Bestandteil der Designsprache Modern Solid, die die neue Generation der Marke prägt.
Dabei ändert sich nicht nur das Symbol, sondern auch die Art, wie man das Auto wahrnimmt: Der Schriftzug nimmt mehr Raum ein, begleitet die Linien der Karosserie und wird zu einem grafischen Element, das zur Balance des gesamten Entwurfs beiträgt – ähnlich wie eine Lichtleiste oder eine Sicke im Blech.
Es geht nicht nur um Marketing
Tatsächlich ist der auf die Karosserie geschriebene Markenname keine völlig neue Idee: Porsche nutzt ihn seit Jahrzehnten auf dem Heckband des 911, während Volvo häufig den ausgeschriebenen Namen dem Emblem vorgezogen hat. Heute bekommt diese Lösung jedoch eine andere Bedeutung: Sie ist nicht mehr nur ein Erkennungszeichen, sondern wird zu einem integralen Bestandteil des Fahrzeugdesigns.
Der Markenname vermittelt in jedem Markt unmittelbar die Identität des Autos, eröffnet Designern aber zugleich ein neues Gestaltungsmittel. Ein Wort beansprucht horizontalen Raum, tritt in Dialog mit den Leuchten, folgt einer Lichtleiste und prägt den Rhythmus des Hecks deutlich stärker als ein kleines zentrales Emblem.
Beim Lancia Ypsilon, und in Kürze auch beim Gamma, nimmt der Lancia-Schriftzug einen besonders hervorgehobenen Platz ein, als dunkler Flügel zwischen zwei runden Leuchten: In diesem Fall stammen die Elemente zum Teil vom Stratos, doch der Lancia-Schriftzug – mit A ohne horizontalen Querstrich – verbindet Modernität, Sportlichkeit und Eleganz
Obwohl DS das charakteristische geometrische Logo beibehält, setzt die Marke ihre Identität immer stärker auf das Lettering. Der vollständig ausgeschriebene Name "DS Automobiles" in klaren, gut erkennbaren Zeichen wird zu einem festen Bestandteil des Heckdesigns, während die Bezeichnung N° 7 das Modell klar identifiziert
Lancia oder DS Automobiles interpretieren dieses Prinzip auf unterschiedliche Weise. Die Typografie verändert sich, ebenso die Proportionen und sogar der Abstand zwischen den Buchstaben. Das Ergebnis ist jedoch stets ähnlich: Die Marke wird nicht einfach auf die Karosserie aufgebracht, sondern Teil ihrer Komposition.
Auch Typografie wird zum Design
Grafik war vor allem in Werbung und Katalogen schon immer ein wichtiges Element für eine Marke – mitunter auch für ein einzelnes Modell. Heute ist sie jedoch vollständig in die Gestaltung des Autos oder allgemeiner in das Markenbild integriert. Buchstaben werden mit derselben Sorgfalt entworfen wie Scheinwerfer, Felgen oder Karosserieflächen und folgen dabei gemeinsamen Gestaltungsmerkmalen.
Mazda und Peugeot bilden dazu zwei interessante Beispiele. Mazda setzt auf einen reduzierten, sehr klaren Schriftzug, während Peugeot den Markennamen in das Heckband integriert und ihn sogar beleuchtet. Typografie ist damit kein bloßes Detail mehr, sondern Teil der Architektur des Fahrzeugs.
Mazda erneuert seine Identität an zwei Fronten: einerseits das Logo, das in einer schlichteren und für die digitale Kommunikation geeigneteren Form neu gestaltet wurde; andererseits der Markenname, der immer häufiger ausgeschrieben am Heck erscheint. Ein Element, das heute das Design ergänzt, künftig aber ein integraler Bestandteil davon werden könnte
Für das Facelift des 408 hat Peugeot nicht nur entschieden, den Markennamen vollständig auszuschreiben – trotz eines markanten, erst kürzlich neu gestalteten Logos –, sondern den Schriftzug auch zu beleuchten, um auch nachts Wiedererkennbarkeit zu gewährleisten
Mehr Wörter, weniger Symbole
Dass Logos vollständig verschwinden, ist schwer vorstellbar: Sie bleiben eines der stärksten Elemente der Identität und Geschichte einer Marke und spielen auch im Elektrozeitalter weiterhin eine wichtige Rolle. Dennoch gewinnt der ausgeschriebene Name vor allem bei Fahrzeugen neuer Generationen zunehmend an Bedeutung.
Diese Entwicklung beschreibt gut, in welcher Phase sich das Automobildesign derzeit befindet: Die Flächen werden klarer, Details werden reduziert, und jedes Element muss zur Wiedererkennbarkeit des Modells beitragen. Auch vor dem Hintergrund einer weltweit stark wachsenden Zahl an Marken, insbesondere in Asien.
Bei Designs, die immer mehr von Aerodynamik, Sicherheit und Sensoren geprägt werden, kann und muss vermutlich ein einfaches Wort ein Auto gestalten, genauso wie ein Scheinwerfer, eine Gürtellinie oder eine C-Säule.
Bildergalerie: Skoda Elroq Praxistest
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