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Für eine persönlichere Erfahrung

Seat vor dem Aus? Jetzt äußert sich die Marke selbst

Das Unternehmen hat eine klare Zukunft, bei der Automarke Seat klingt die Sache allerdings deutlich weniger eindeutig

Seat Logo
Bild von: SEAT
Christopher Otto Christopher Otto

Gestern sorgten Berichte über ein mögliches Ende der Automarke Seat für Aufsehen. Spätestens Ende 2029 könnte Schluss sein, hieß es. Nun reagiert Seat S.A. mit einer ausführlichen Mitteilung zur eigenen Zukunft. Wer darin allerdings ein klares Dementi erwartet, findet keines. Im Gegenteil: Ein Auslaufen der Marke Seat gehört ausdrücklich zu den Szenarien für die Zeit nach 2030.

Auslöser war ein Bericht der “WirtschaftsWoche”. Demnach erwägt der Volkswagen-Konzern, Seat im Zuge seines Sparprogramms spätestens Ende 2029 einzustellen. Die Zeitung berief sich auf ein internes Dossier. Später griff unter anderem Reuters die Pläne auf. Die offizielle Reaktion lautete zunächst, dass noch keine endgültige strategische Entscheidung gefallen sei.

Seat selbst spricht vom möglichen Auslaufen

Die nun veröffentlichte Mitteilung von Seat S.A. liefert mehr Details. Mindestens bis zum Ende des aktuellen Produktzyklus geht es weiter. Ibiza und Arona sollen 2027 Mildhybrid-Antriebe erhalten. Für den Leon ist 2028 ein Vollhybrid vorgesehen, weitere Aktualisierungen der Baureihe sollen 2029 folgen.

Seat Arona (2026)

Seat Arona 

Bild von: SEAT

Interessanter wird es bei der Zeit danach. Die zukünftige Ausrichtung der Marke befinde sich weiterhin in Prüfung. Strengere Vorschriften, die Kosten der Elektrifizierung und die notwendigen Investitionen in eine weitere Modellgeneration würden den wirtschaftlichen Spielraum zunehmend einschränken.

Für die Zeit nach 2030 nennt Seat S.A. verschiedene Szenarien. Dazu gehört ausdrücklich ein “gradual phase-out”, also ein schrittweises Auslaufen der Marke Seat. Eine endgültige Entscheidung sei bislang nicht gefallen. Die gestrigen Berichte werden damit in ihrem entscheidenden Punkt nicht dementiert.

Interessant ist, dass CEO Markus Haupt vor wenigen Wochen den Verbleib der Marke ausdrücklich bestätigt hatte. Motor1 hatte darüber berichtet.

Seat verkauft weiterhin erstaunlich viele Autos

Bemerkenswert ist das auch mit Blick auf die Verkaufszahlen. Trotz einer seit Jahren überschaubaren Modelloffensive ist Seat keineswegs in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. 2023 verkaufte die Marke weltweit 288.437 Autos. 2024 stieg der Absatz sogar um 7,5 Prozent auf 310.046 Fahrzeuge.

Allein der Ibiza kam 2024 auf 106.700 Exemplare und legte damit um satte 37,1 Prozent zu. Der Arona erreichte weitere 90.300 Einheiten. Und das mit Modellen, deren aktuelle Generationen bereits seit 2017 auf dem Markt sind.

Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest

Seat Ibiza 

Bild von: SEAT

2025 bekam Seat allerdings einen deutlichen Dämpfer. Die Verkäufe sanken um 17 Prozent auf 257.432 Fahrzeuge. Gleichzeitig legte Cupra um 32,5 Prozent auf 328.819 Autos zu. Die jüngere Schwestermarke hat Seat damit inzwischen deutlich überholt.

Der konkrete Fahrplan endet 2029

Auffällig ist vor diesem Hintergrund die weitere Produktplanung. Die jetzt genannten Maßnahmen für Seat betreffen ausschließlich bestehende Modelle. Eine komplett neue Modellgeneration oder gar ein batterieelektrisches Auto mit Seat-Logo kündigt das Unternehmen nicht an.

Ganz anders sieht es bei Cupra aus. Bis 2030 soll die Marke in Europa auf drei Prozent Marktanteil kommen. Ab 2027 steht die Expansion in den Nahen Osten an, langfristig bleibt sogar der Einstieg in den US-Markt ein Thema. Seat S.A. bezeichnet Cupra ausdrücklich als zentralen Treiber für Wachstum und Profitabilität.

Abt Cupra Formentor VZ5 635 (2026)

Bei Cupra ist noch alles klar.

Bild von: ABT

Eine spanische Marke mit fast 80 Jahren Geschichte

Seat wurde 1950 als “Sociedad Española de Automóviles de Turismo” gegründet und entwickelte sich mit Modellen wie dem 600 zur spanischen Massenmarke. Volkswagen stieg 1986 mehrheitlich ein und übernahm Seat später vollständig. Zu den bekanntesten Modellen der vergangenen Jahrzehnte gehören Ibiza und Leon. 2030 würde die Marke ihr 80-jähriges Bestehen feiern. Ausgerechnet dieses Jahr könnte nun zur entscheidenden Wegmarke für ihre Zukunft werden.

Seat S.A. ist nicht die Marke Seat

Entscheidend ist deshalb die Trennung zwischen der Automarke und dem Unternehmen. Selbst wenn irgendwann keine Fahrzeuge mit Seat-Logo mehr verkauft werden sollten, bedeutet das keineswegs das Ende von Seat S.A. oder des Stammwerks im spanischen Martorell.

Das Unternehmen übernimmt innerhalb des Volkswagen-Konzerns eine wichtige Rolle bei kleinen Elektroautos. In Martorell entstehen Modelle der neuen Electric Urban Car Family auf Basis der MEB21-Architektur. Seat S.A. bemüht sich außerdem um eine weitere Plattform für das Werk und rechnet in den kommenden Jahren sogar mit einem höheren Beschäftigungsbedarf.