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Wir fuhren ein Kei Car von Honda in Japan. Es war unglaublich!
Der Honda N-One RS überzeugt durch Qualität, Komfort und Wertigkeit. Warum nicht in Europa?

Bild von: Chris Rosales / Motor1

Von: Chris Rosales
Übersetzt von: Roland Hildebrandt
27. Nov. 2024 um 08:57 Uhr
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Wer sich stärker für Autos interessiert, hat bestimmt schon einmal den Begriff "Kei Car" gelesen. Dabei handelt es sich um sehr kleine Autos speziell für Japan, deren Abmessungen gesetzlich vorgeschrieben sind.
Oder wie es ein Online-Lexikon ausführt: Sie bilden eine in Japan sehr beliebte Fahrzeugklasse, besonders in ländlichen Präfekturen, wo Kei-Cars in vielen Gemeinden von der Nachweispflicht für einen eigenen Stellplatz befreit sind, und wo in manchen Dörfern die Straßen so eng sind, dass sie praktisch nur von Kei-Cars befahren werden können.
Bildergalerie: Honda N-One RS Kei Car im Japan-Test

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Quelle: Chris Rosales / Motor1
Außerdem sorgen die staatliche Förderung durch finanzielle Anreize bei den Kfz-Steuern, der Maut und bei den Parkkosten sowie die etwas geringeren Unterhalts- und Anschaffungskosten für eine rege Nachfrage. 2020 waren 40 % der zugelassenen japanischen Autos Kei-Cars. In Europa (mit Ausnahme von Großbritannien) blieben Kei-Cars eine Rarität, bekannt sind vielleicht der Suzuki Cappuccino, der Honda N600 oder der Daihatsu Copen. Schade eigentlich.
Unser Kollege Chris Rosales konnte nun ein Kei-Car in Japan fahren. Hier ist sein Bericht:
Ein Kei-Auto ist die einzige Möglichkeit, Japan richtig zu erleben.
Vergessen Sie es, in einem RX-7 durch Hakone zu fahren, in einem R34 GT-R den Wangan entlang zu gleiten oder in einer Supra durch Shibuya zu rumpeln. Der Honda N-One RS mit Schaltgetriebe ist perfekt dafür geeignet, das große Nippon zu durchqueren.

Foto von: Chris Rosales / Motor1

Auf einer Fahrt von Tokios ausufernder Metropole zu den ruhigen Bergen von Gunma über gut 800 Kilometer hat sich der N-One ehrenhaft geschlagen, obwohl er äußerlich wie ein Spielzeugauto auf Gabelstaplerreifen aussieht. Er mag zwar winzig aussehen, aber das kleine Ding ist eines der cleversten, charmantesten und besten Fahrzeuge, die ich je gefahren bin.
Alles basiert auf einer einfachen, strengen Idee. Kei-Autos, kurz für Kei-jidōsha (Kleinwagen), sind eine Säule der japanischen Mobilität. Die Kategorie wurde 1949 von der japanischen Nachkriegsregierung erfunden, um die Menschen zum Autokauf zu ermutigen und die lokale Produktion zu fördern. Von Anfang an war sie als eine Klasse von besonders kleinen Autos mit einzigartigen Vorteilen wie drastisch reduzierten Zulassungs- und Steuerkosten konzipiert.
Seitdem hat sich die Klasse zu dem heutigen restriktiven Regelwerk entwickelt:
- Nicht mehr als 660 Kubikzentimeter Hubraum (meist mit Turbo)
- Nicht mehr als 64 PS
- maximal 3,40 Meter lang, 1,50 Meter breit und 2,00 Meter hoch (daher die kastige Form)
- Extrem liebenswert sein (keine Voraussetzung, aber definitiv ein Ergebnis)
In Japan gelten ganz andere Regeln. Für uns Westler mag es das Land der heroischen Sportwagen aus Gran Turismo sein, aber die japanische Regierung möchte lieber, dass die Menschen neuere, sauberere und effizientere Autos fahren, als dass sie ihre alten Autos auf der Straße lassen.
Daher werden Autos in Japan nach Größe, Hubraum und Alter besteuert, wobei für ältere Autos eine deutliche Erhöhung gilt. Auch deshalb haben Gebrauchtwagen dort kein gutes Ansehen. Die meisten Schnellstraßen in Japan sind gebührenpflichtig, wobei die Tarife je nach Größe variieren. Hinzu kommt der berühmt-berüchtigte "japanische TÜV", der sehr streng ist und ältere Autos oft aus dem Verkehr zieht. Außerdem muss man, um ein Auto in Japan zu besitzen, nachweisen, dass man einen Parkplatz besitzt, auf dem man es abstellen kann.

Foto von: Chris Rosales / Motor1
Kei-Cars wie der N-One umgehen die meisten dieser Strafen oder verringern sie drastisch. Sie sind viel billiger zu kaufen, zu besitzen und zu lagern als ein traditioneller Kleinwagen wie ein Honda Fit oder Civic. Ihr Neupreis liegt oft unter 10.000 Euro, und sportliche Kei-Cars wie der Honda S660 kosten rund 17.000 Euro neu. Und man braucht keinen eigenen Parkplatz, um ein solches Auto zu kaufen, was in Japans dichten Städten ein großer Vorteil ist.
Auch wenn es eine unglaublich gesunde und vielfältige Liebhaberszene gibt, so wird doch schon nach kurzer Fahrzeit in Japan etwas sehr deutlich: Kei-Autos sind überall. Sicher, die Taxis sind Toyota-Limousinen und -Minivans, und es gibt eine ganze Menge kleiner SUVs, aber das Kei-Auto ist der König der japanischen Straßen. Während meiner Reise nach Japan habe ich vier verschiedene Autos ausprobiert: Einen Toyota GR86, diesen N-One, einen Honda Civic Type R und einen E90 BMW M3. Der N-One war mit Abstand das spaßigste, benutzbarste, einfachste und vernünftigste Auto für Japan.

Foto von: Chris Rosales / Motor1

Die Straßen sind klein, und die Leute fahren geordnet und ruhig. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden beachtet. Höflichkeiten, wie das Blinken nach einem gesitteten Spurwechsel, werden beachtet. Der in Amerika weit verbreitete Sinn für Gesetzlosigkeit und Individualismus ist in Japan auffallend wenig vorhanden. Ich könnte behaupten, dass man in Amerika mindestens 300 Pferdestärken braucht, um einen Platz auf der Straße zu bekommen. In Japan reichten die 64 PS des N-One aus. Der Punkt ist, dass in Japan das Kei-Auto im Mittelpunkt steht.
Vielleicht war meine Erfahrung stark von der Tatsache geprägt, dass selbst der GR86 nach kurzer Beschleunigung gegen das Gesetz verstößt, da die Höchstgeschwindigkeit auf den nationalen Autobahnen nur 100 km/h beträgt und auf den meisten Landstraßen 50 km/h vorgeschrieben sind. Der Type R und der M3? Vergessen Sie's. Im N-One mit seinem wunderbaren kleinen Sechsgang-Schaltgetriebe und dem charismatischen Dreizylindermotor konnte ich jede Schaltung bis zum fünften Gang durchziehen und trotzdem das Autobahn-Tempolimit einhalten.

Foto von: Chris Rosales / Motor1
Auf der Landstraße war es dasselbe. Bei 40 km/h erreichte der N-One sein Limit an Querbeschleunigung, während er zwischen jeder Haarnadelkurve durch den zweiten, dritten und vierten Gang raste. Okay, die Fahrposition erinnert ein wenig an einen Mikrobus: die Pedale liegen eng beieinander, die Lenksäule steht recht steil ohne viel Verstellmöglichkeit, und die Sitzposition ist hoch.
Aber das macht der N-One wieder wett, indem er den Schalthebel weniger als eine Handbreit vom Lenkrad entfernt platziert und die Pedale hervorragend für das Herunterschalten mit der Ferse positioniert. Die Drosselklappenkalibrierung des N-One ermöglicht einen befriedigenden und aggressiven Antritt bei allen Drehzahlen und Geschwindigkeiten, so dass das Cruisen in der Stadt genauso einnehmend ist wie die Vollgasfahrt auf einer Bergstraße.
Der kleine Wagen ist ein wirklich angenehmer Road-Tripper. Auf meinen 300 Autobahnkilometern war er bei einer Geschwindigkeit von 112 km/h wirklich leise und erreichte einen unglaublichen Durchschnittsverbrauch von fünf Liter auf 100 Kilometer, nachdem ich die gesamte Strecke in der Stadt, auf der Autobahn und in den Bergen zurückgelegt hatte.



Foto von: Chris Rosales / Motor1
Der Honda bot Platz für vier Personen und ihr Gepäck und brachte mich zu vielen Onigiris, Eiersalat-Sandwiches und Katsu-Currys. Vor allem aber fühlte ich mich mit dem N-One mehr mit Japan verbunden als mit den größten und bösesten Sportwagen da draußen.
Als ich ihn das erste Mal aus dem Keller des Honda-Hauptquartiers holte, wünschte ich mir nur eines: Bitte lass dieses Auto keine Nachhilfestunde sein. Ich wollte, dass er wirklich gut ist, nicht nur wegen der Neuheit, ein Kei-Auto in einem fernen Land zu sein.
Mit Freude kann ich berichten, dass der N-One RS entzückend ist. Er ist irgendwie alles auf einmal: Der mutige Außenseiter gemischt mit der Exzellenz und dem Auftritt eines teureren, größeren Autos. Er hat Charakter, der aus seinem Getriebe und seinem Motor herausquillt, und eine Praktikabilität, die es mit kleinen SUVs aufnehmen kann. Er ist einfach gut. Ohne Sternchen.
Sollte ich jemals nach Japan ziehen, weiß ich, was ich kaufen werde. Nach meinem S15 Silvia, natürlich.
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