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Corvette Z06
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Corvette Z06 im Test
Ist das der letzte echte Sportwagen auf dem Markt?

Daniel Hohmeyer 
Von: Daniel Hohmeyer
5. Jun. 2018 um 16:07 Uhr
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Da Sie auf diesen Artikel geklickt haben, gehe ich einfach mal davon aus, dass Sie sich für Corvette und im weitesten Sinne, amerikanische Autos interessieren. Deshalb spare ich mir die ganze Einführung, in der ich Klischees wie „die Dinger können nur geradeaus fahren“ bringe. Das stimmt schon lange nicht mehr. Ehrlich gesagt überwältigt das Z06 Cabrio in so vielen Punkten, dass ich nach Gründen suchen muss, die für einen europäischen Konkurrenten sprechen würden. Wenn man überhaupt von Konkurrenz sprechen kann. Wer sonst bietet einen offenen, zweisitzigen Sportwagen mit 659 PS und Hinterradantrieb? Und das für einen Basispreis von 127.500 Euro? Der Testwagenpreis beträgt durch Extras wie Lederausstattung, Sportsitze, Metallic-Lackierung, schwarze Alu-Felgen, schwarze Bremssättel und Data Recorder für Rundenzeiten 136.050 Euro. Von einem Schnäppchen kann man nicht sprechen, nichtsdestotrotz gibt es nirgendwo sonst ein derartiges Preis-Leistungsverhältnis. Die Qualität stimmt ebenfalls.
Cool. Nicht nur Dank Klimaanlage
Einzig die dünne, knarzige Plastikverkleidung hinter den Sitzen weckt Erinnerungen an die (gute) alte Corvette-Zeit, als Karosserie-Teile die Verwindungsteifigkeit von Frischhaltefolie besaßen. Obwohl: Das ist gemein. So schlimm schlackert die Verkleidung nicht – 100.000-Euro-toll, passt sie jedoch auch nicht. Der restliche Innenraum glänzt dagegen mit verdammt guter Verarbeitung. Komfortfeatures wie die Sitzlüftung und die Klimaanlage besitzen zudem eine ungemeine Power, die nicht nur den Innenraum angenehm temperiert, sondern bei allzu frischem Setting innere Organe auf Kühlwagen-Temperaturen bringt. Über den Bordcomputer lassen sich neben den üblichen Navi- und Infotainmenteinstellungen Front- und Heckkameras auswählen. Dadurch verliert der Fahrer schnell die Ehrfurcht vor engen Parkhäusern. Beim starken Einlenken rubbeln die vorderen Michelin-Pilot-Super- Sport-Reifen (285 / 30ZR19 vorne; 335 / 25ZR20 hinten) über ihre Kanten. Das liegt am sportlichen Radsturz und gehört einfach dazu. Wer sich daran stört, sollte lieber Opel Cascada fahren. Oh, und dann wäre da natürlich noch der vollkommen absurde 6,2-Liter-V8 mit Kompressor-Aufladung.
Mit „good old“ Blattfedern
Laut Hersteller wird die 1.659-Kilo-Corvette in 3,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Das erscheint durchaus realistisch… bei angewärmten Reifen, idealer Asphalttemperatur und Drag-Strip-ähnlichen Grip-Verhältnissen. In Wirklichkeit zuckt das Heck bei weniger als dem halben Gaspedaldruck. Und zwar so stark, dass das ESP eingreifen muss. Fantastisch und äußerst respekteinflößend zugleich. Bei Nässe kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Hinterachse im fünften Gang bei Teillast auskeilen kann. 881 Newtonmeter lassen sich auch von 335er Reifen nicht zähmen. Jetzt klingt es als sei die Z06 unfahrbar. Davon kann jedoch keine Rede sein. Lernt man, die eigenen Impulse zu zügeln, fährt die Corvette auf dem Niveau der besten Sportwagen der Welt. Die breite Spur, die breiten Reifen und die Doppelquerlenker-Vorderachse verleihen diesem Auto ein beinahe unvergleichliches Einlenkverhalten. Die Kohlefaser-Blattfedern sind zwar High-Tech-Varianten historischer Technologie, machen sich aber nicht negativ bemerkbar. Verglichen mit einer herkömmlichen Feder-Dämpfer-Einheit verringern sie sogar den Schwerpunkt, da sie tiefer im Fahrzeug verbaut werden können.
Gar nicht so ungefährlich
Zusätzlich vermittelt die elektromechanische Lenkung eine sehr gute Rückmeldung. Die Lenkung der europäischen Z06 wurde übrigens so kalibriert, dass sie aus der Mittellage direkter anspricht als die des US-Modells. Die Ingenieure haben sich dazu entschieden, weil europäische Straßen allgemein in besserem Zustand sind. Spurrinnen und Verwerfungen deformieren dennoch unseren Asphalt und diesen folgt die Corvette wie ein Trüffelschwein. Also Lenkrad im Griff haben! Nervosität dieser Art sollte viel öfter Teil des Sportwagen-Erlebnisses sein. Auch das straffe Abrollen des Adaptivfahrwerks formt den puristischen Charakter der Corvette. Etwas sentimental ausgedrückt: Die Z06 fühlt sich an wie der letzte echte Sportwagen, denn hier können Fahrfehler nicht nur leichtsinnig entstehen, sie können ebenso schnell kapitale Konsequenzen haben. Gut. Sportwagen-Fahren hat nichts mit Sicherheit zu tun. James Dean starb schließlich nicht in einem SUV. Und wie Dean in seinem Porsche 550, kann auch der Corvette-Fahrer in den Genuss abenteuerlicher Offenheit kommen. Bei meinem Testwagen handelt es sich nämlich um das Cabrio mit elektrischem Stoffverdeck.
Einfach nicht laut genug
Eine offene Corvette, ein riesiger V8 – das sollte ein Klanggenuss sein. Sollte. Tatsächlich bleibt die Z06 unterhalb von 3.500 Umdrehungen überaus leise. Daran ändert auch der Wechsel von Weather zu Eco, zu Tour, zu Sport, zu Track nichts. Das Fahrwerk wird zwar härter, die Lenkung schwergängiger und die Gaspedalansprache empfindlicher, aber der Klang bleibt nahezu identisch. Lediglich ein dumpferes Brummen mischt sich unter das leise Blubbern des V8. Richtig laut wird es erst über 3.500 Umdrehungen. Dann öffnet die Klappensteuerung schlagartig alle Tore und der Sound explodiert so unvermittelt und brutal aus dem Heck, dass man im Sitz zusammenzuckt. Bevor sich der erste Schreck in Freude über das Achtzylinder-Orchester verwandelt, tuschiert die Drehzahlnadel allerdings die 6.500-Marke. Die Achtgangautomatik legt den nächsten Gang nach. Daraufhin beginnt das Spiel von neuem – der Klang kommt spät und zu kurz und inzwischen zeigt die Tachonadel eine Geschwindigkeit, die in so kurzer Zeit eigentlich nicht möglich sein sollte. Das ist eine von zwei Schwachstellen der Corvette. Den Verbrauch lasse ich mal außer Acht (9,3 bis 22 Liter). Für ein derart entfesseltes Fahrerlebnis kommt soundtechnisch einfach zu wenig. Die zweite Schwachstelle: das Automatikgetriebe. Es scheint des Öfteren zu schlummern. Bei langsamer Fahrt wechselt es angemessen relaxed durch die Gänge, sobald es flott nach vorne gehen soll, wuselt es jedoch verdattert in den Ritzeln, als wäre es gerade abrupt aus einem Nickerchen geweckt worden. Auch im manuellen Modus bleiben Schaltverzögerung und Zugkraftunterbrechung spübar. Aber halb so wild, denn die Z06 ist auch mit Siebengang-Handschalter erhältlich. Der passt ohnehin viel besser zum letzten echten Sportwagen.
Wertung
-
★★★★★★★★★☆
Der wohl beste amerikanische Sportwagen auf dem Markt. Okay, so viele gibt es nicht. Er ist allerdings auch einer der besten Sportwagen überhaupt. Das überrascht – vor allem zu diesem Preis.
-
Antrieb
80%
-
Fahrwerk
85%
-
Karosserie
80%
-
Kosten
90%
Preisliste
Chevrolet Corvette Z06
Grundpreis: 127.500 Euro
Ausstattungen Preis in Euro Metalliclackierung 950 Leichtmetallfelgen 800 Lederausstattung 1000
Ausstattungspaket Innenraum Karbon 1000 Sportsitze 2500 Schwarz lackierte Bremssättel 600 Performance Data Recorder 1700
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart V-Motor, Kompressor Zylinder 8 Hubraum in ccm 6162 Leistung in PS 659 Leistung in kW 485 bei U/min 3600 Drehmoment in Nm 881 Antrieb Hinterradantrieb Gänge 8 Getriebe Automatik Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1633 Spurweite hinten in mm 1607 Wendekreis in m 11,5 Räder, Reifen vorn 285/30 ZR19 Räder, Reifen hinten 335/25 ZR20 Lenkung elektromechanisch Geländekompetenz Bodenfreiheit in mm 127 Maße und Gewichte Länge in mm 4514 Breite in mm 1965 Höhe in mm 1243 Radstand in mm 2710 Leergewicht in kg 1659 Tankinhalt in Liter 70 Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 310 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,7 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 14,1 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 22,0 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 9,5 CO2-Emission in g/km 322
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- Make: Chevrolet
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- URL: Chevrolet

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Bild von: Fabian Grass
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