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Für eine persönlichere Erfahrung

60 Jahre Toyota Corolla: Wir fahren zurück in die Siebziger

Satte 57 Million Corolla wurden bislang gebaut. Doch die Anfänge in Europa waren schwierig

Toyota Corolla KE25 (1974)
Bild von: Motor1.com Deutschland
Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Über 57 Millionen verkaufte Einheiten und zwölf Modellgenerationen: Der Toyota Corolla gilt unangefochten als das meistverkaufte Automobil der Welt. Zumindest mit dem gleichen Namen am Heck. Falls Sie es nicht wissen sollten: "Corolla" leitet sich vom lateinischen Begriff für den Blütenkranz einer Blume ab, der vielfach als ihr schönster Teil angesehen wird.

Fast in jedem Land der Welt trifft man auf den Toyota Corolla, was seit 1966 zu einer Typenvielfalt führt, die im Detail nur noch echte Experten verstehen. Aber der Kundschaft ist das ziemlich schnuppe: Sie will bedingungslose Zuverlässigkeit, hervorragende Qualität und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis.

Toyota Corolla 60th Anniversary

Toyota Corolla 60th Anniversary

Bild von: Toyota

Neue Mittelklasse für die neue Mittelklasse

Zu Beginn der 1960er-Jahre erlebt Japan ähnlich wie Westeuropa einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Mit dem Wachstum der Bevölkerung und der Ausdehnung der Städte in neue Vororte wächst bei den Menschen in Japan das Bedürfnis nach einem eigenen, erschwinglichen Automobil.

Zwar gibt es zu diesem Zeitpunkt bereits kleine Autos von fast allen großen Firmen. Aber die neue Mittelklasse verlangt nach größerem Blech. Toyota reagiert auf diese gesellschaftliche Entwicklung und entwirft unter der Leitung von Chefentwickler Tatsuo Hasegawa ein neuartiges Fahrzeug, das im eigens dafür errichteten Takaoka-Werk vom Band läuft.

Bildergalerie: Toyota Corolla E10 (1966-1970)

Die Geschichte des Corolla beginnt mit der ersten Generation (Baureihe E10, 1966–1970), die im November 1966 auf dem japanischen Markt debütiert. Ausgestattet mit einem modernen, sportlichen Design, einem 1,1-Liter-Motor mit 60 PS, Scheibenbremsen und einem Viergang-Schaltgetriebe mit Mittelschaltung setzt der 3,84 Meter lange Wagen sofort Akzente.

Der Corolla-Export in die USA, wo Toyota seit 1958 aktiv ist, beginnt zu Preisen ab 1.668 US-Dollar im Sommer 1968, ein Opel Kadett B kostet vergleichsweise ab 1.785 US-Dollar. In Deutschland wird der Corolla E10 nicht angeboten, wohl aber in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz; dort kostet der Corolla ab 6.990 Schweizer Franken (Kadett 1100: ab 6.600 Schweizer Franken). In Japan beträgt der Neupreis 495.000 Yen.

Unterwegs im Toyota Corolla von 1974

Mit der zweiten Generation (Baureihe E20, 1970–1974) reagiert Toyota auf den wandelnden Geschmack und erweitert das Angebot um ein elegantes Coupé sowie den Corolla Levin mit einem 1,6-Liter-Twin-Cam-Motor und 115 PS. Der E20 weist einen um fünf Zentimeter längeren Radstand auf.

Bildergalerie: Toyota Corolla E20 (1970-1974)

Schon im Juni 1970 wird die Marke von einer Million produzierten Fahrzeugen geknackt, und ein Corolla TE25 sorgt 1973 in den USA für den ersten historischen WRC-Sieg der Marke. In Deutschland wird der Corolla ab März 1971 als Limousine und Coupé (6.890 DM und 7.650 DM) angeboten, ein Jahr später folgt der dreitürige Kombi (7.795 DM). Alle hiesigen Versionen besitzen den 1,2-Liter-Motor mit 58, später 55 DIN-PS (43/40,5 kW).

Bildergalerie: Toyota Corolla KE25 (1974)

Ich drehe eine Runde im sogenannten Corolla KE25, dem Coupé der zweiten Generation. Und bin überrascht, wie gut sich der Wagen von 1974 noch heute fährt. Gewiss, ein moderner Corolla hat mehr Platz. Aber die Schaltung geht auf kurzen Wegen präzise durch die vier Gänge, der simple Vierzylinder zieht schön von unten heraus. Einzig die Lenkung weist im Stil der Zeit viel Spiel auf.

Toyota Corolla KE25 (1974)

Toyota Corolla KE25 (1974)

Bild von: Toyota

Doch schon auf meiner kurzen Ausfahrt merke ich, was den Erfolg des Corolla ausgemacht: Einfache Bedienung, gute Ausstattung, keine großen Überraschungen. Dieser Toyota macht mobil und bringt jeden ans Ziel. Ähnlich wie beim VW Golf mag man das langweilig finden. Aber ein Corolla ist quasi wie ein Cheeseburger von McDonalds oder ein Snickers: Gibt es überall auf der Welt, kennt man und macht satt.

Mein Beifahrer im KE25 bringt es auf den Punkt: "Der wäre immer noch ein guter Daily Driver." Das stimmt, wären die ganz alten Corolla nicht so selten und Ersatzteile noch seltener. Drehen wir das Rad der Geschichte also weiter ...

Der Corolla wird europäischer

Bildergalerie: Toyota Corolla E30 (1974-1979)

Die dritte Generation (Baureihen E30/E50, 1974–1979) sieht sich strengeren Abgasgesetzen gegenüber, was Toyota zu einer echten Pionierarbeit bei Katalysatorsystemen motiviert. Erstmals fließt zudem detaillierte Windkanal-Forschung in das aerodynamische Feinschliff-Design ein. Preis des günstigsten Corolla im Herbst 1977 in Deutschland: 9.395 DM, ein deutlich magerer ausgestatteter VW Golf kostet 200 Mark mehr.

Bildergalerie: Toyota Corolla E70 (1979-1987)

Die vierte Generation (Baureihe E70, 1979–1983) verbringt über 400 Stunden im Windkanal und präsentiert sich mit einer markanten, kantigeren Linienführung, die endlich auch den europäischen Geschmack trifft. Hinzu kommen eine neue Vierlenker-Aufhängung und ein sparsamer 1,8-Liter-Dieselmotor. Im März 1983 durchbricht die kumulierte Produktion die Schallmauer von zehn Millionen Einheiten.

Einen echten technischen Meilenstein markiert die fünfte Generation (Baureihe E80, 1983–1987). Unter der Leitung von Chefentwickler Fumio Agetsuma wird sie als erster Corolla computergestützt entwickelt, was zu einer konsequenten Umstellung auf den platzsparenden Frontantrieb bei den Volumenmodellen führt.

Die sportlichen Coupés halten jedoch am klassischen Heckantrieb fest. Darunter befindet sich der legendäre AE86 (in Europa als Corolla GT und GTi verkauft), der mit seinem hochdrehenden 1,6-Liter-4A-GE-Motor (130 PS) und dem geringen Gewicht zur unbestrittenen Ikone im Motorsport und in der weltweiten Driftszene aufsteigt. Unsterblichkeit verleiht dem "Hachi-Roku" (Acht-Sechs auf Japanisch) zudem seine Rolle in der Anime-Serie "Initial D", was ihn zum wohl berühmtesten (und einem der teuersten) Corolla macht.

Bildergalerie: Toyota Corolla E90 (1987-1992)

Die sechste Generation (Baureihe E90, 1987–1991) etabliert den Frontantrieb flächendeckend und bietet für Limousinen und Kombis zeitweise sogar Allradantriebe an. Mehr als 100 Zulieferer arbeiten an über 2.000 Detailverbesserungen, um das Geräuschniveau zu senken und die Materialqualität im Interieur spürbar zu steigern.

Bildergalerie: Toyota Corolla E100 (1991-1997)

Mit der siebten Generation (Baureihe E100, 1992–1995) wachsen die Abmessungen und der Komfort, während ab September 1994 der Fahrerairbag zur Serienausstattung gehört. Zugleich beginnt 1994 die europäische Großserienproduktion im türkischen Werk von TMMT.

Bildergalerie: Toyota Corolla E110 (1995-2002)

Die achte Generation (Baureihe E110, 1995–2000) erhält ein eigenständiges, exklusiv auf den europäischen Geschmack zugeschnittenes Design. Ab 1998 rollt der Fünftürer in Großbritannien vom Band. Sportlichen Ruhm erntet diese Ära durch den Corolla WRC, der 1998 drei Rallye-Siege einfährt und Toyota 1999 die Hersteller-Weltmeisterschaft sichert.

Bildergalerie: Toyota Corolla E120 (2000-2007)

Die neunte Generation (Baureihe E120, 2000–2006) basiert auf einer völlig neuen Plattform mit einem um 135 mm verlängerten Radstand und bringt moderne VVT-i-Benziner sowie sparsame D-4D-Diesel nach Europa.

Bildergalerie: Toyota Corolla E150 (2006-2013)

Die zehnte Generation (Baureihe E150, 2007–2012) trennt in Europa die Wege: Das Schrägheck läuft fortan unter dem Namen Auris (wohl eine der seltsamsten Ideen von Toyota), während die Limousine den Namen Corolla behält. Im Jahr 2010 markiert der im britischen Burnaston produzierte Auris Hybrid den Startschuss für Toyotas europäische Großserien-Hybridisierung.

Bildergalerie: Toyota Corolla E170 (2013-2019)

Die elfte Generation (Baureihe E170/E180, 2013–2018) bringt in Europa den überarbeiteten Auris samt des praktischen Touring Sports hervor, während die aktuelle zwölfte Generation (seit 2019) auf der modernen TNGA-C-Plattform aufbaut und mit hocheffizienten Vollhybridantrieben der fünften Generation (1,8- und 2,0-Liter) sowie dem 2022 ergänzten Corolla Cross Maßstäbe setzt.

Toyota Corolla 60th Anniversary (2026)

Toyota Corolla 60th Anniversary (2026)

Bilder von: Toyota
Toyota Corolla Concept (Konzeptfahrzeug)

Toyota Corolla Concept (2025)

Bilder von: Toyota

Und wie geht die Corolla-Geschichte weiter? Das auf der Japan Mobility Show 2025 vorgestellte Toyota Corolla Concept zeigt auf, wie sich das Modell weiterentwickeln könnte und dabei dennoch ein Fahrzeug für alle bleibt. In diesem Sinne: Auf die nächsten 60 Jahre!