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ADAC-Kindersitztest 2026: Zwei Modelle fallen durch

16 Kindersitze im Herbsttest: Sieben sind gut, doch zwei Modelle versagen beim Crashtest

ADAC Kindersitztest 2026

Bild von: ADAC e. V.

Fabian Grass Fabian Grass

Von: Fabian Grass

20. Okt. um 11:36 Uhr

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Zweimal im Jahr nimmt der ADAC gemeinsam mit Stiftung Warentest und weiteren europäischen Partnern aktuelle Kindersitze unter die Lupe. Beim Herbsttest 2026 mussten sich 16 Modelle zwischen 65 und 570 Euro den Prüfungen stellen. Das Ergebnis fällt zweigeteilt aus: Sieben Sitze erreichen die Note "gut", zwei fallen mit „mangelhaft“ komplett durch.

Schon beim ADAC-Kindersitztest im Frühjahr 2026 zeigte sich, dass ein hoher Preis nicht automatisch für ein gutes Ergebnis sorgt. Auch diesmal bewerteten die Tester Sicherheit, Bedienung, Ergonomie sowie Schadstoffe und Umweltschadstoffe. Dabei gehen die Anforderungen des ADAC teilweise deutlich über die gesetzlichen Zulassungstests nach UN Reg. 129 hinaus.

ADAC Kindersitztest 2026

Der Kindersitz Axkid Minikid Core ist mit "mangelhaft" im ADAC Test durchgefallen, ebenso wie die Babyschale Britax Römer Baby-Safe Pro + Vario Base 5Z

Bild von: ADAC e. V.

Babyschalen dominieren das Spitzenfeld

Testsieger wird die Maxi-Cosi Coral Slide Pro mit FamilyFix Slide Pro. Die Babyschale für Kinder von 40 bis 87 Zentimetern erreicht die Gesamtnote 2,1. Ganz billig ist der Sieg allerdings nicht: Mit 570 Euro ist die Kombination gleichzeitig das teuerste Produkt des gesamten Vergleichs. Dahinter folgen die Cybex Cloud G3 mit Base G3 sowie die Joie i-Gemm 3 mit i-Base Encore, jeweils mit der Gesamtnote 2,2.

Auch ohne Isofix-Basis schneiden einige Babyschalen ordentlich ab. Die Cybex Cloud G3 erreicht für 230 Euro die Note 2,3, die Joie i-Gemm 3 kommt mit 140 Euro auf 2,6. Bei der Maxi-Cosi Coral Slide Pro ohne Basis fällt das Ergebnis dagegen auf 3,0 zurück. Die Britax Römer Baby-Safe Pro erreicht einzeln noch die Note 3,1.

Kindersitz Alter (ca.) ADAC-Note Preis Maxi-Cosi Coral Slide Pro + FamilyFix Slide Pro bis 1,5 Jahre 2,1 570 € Cybex Cloud G3 + Base G3 bis 1,5 Jahre 2,2 460 € Joie i-Gemm 3 + i-Base Encore bis 1,5 Jahre 2,2 330 € Cybex Cloud G3 bis 1,5 Jahre 2,3 230 € Recaro Toron 1 bis 4 Jahre 2,3 550 € Cybex Sirona G3 + Base G3 1–4 Jahre 2,5 500 € Maxi-Cosi MobiFix Pro 1–6 Jahre 2,5 550 € Joie i-Gemm 3 bis 1,5 Jahre 2,6 140 € Avova Alora X1 1–4 Jahre 2,8 480 € Maxi-Cosi Coral Slide Pro bis 1,5 Jahre 3,0 300 € Britax Römer Baby-Safe Pro bis 1,5 Jahre 3,1 275 € Lionelo Neal i-Size 4–12 Jahre 3,5 100 € Joie i-Provo 4–12 Jahre 3,6 65 € Avionaut Aerofix Smart + IQ Orbit 1–4 Jahre 3,8 540 € Britax Römer Baby-Safe Pro + Vario Base 5Z bis 1,5 Jahre 5,5 535 € Axkid Minikid Core bis 6 Jahre 5,5 400 €

Bei den Sitzen bis etwa vier Jahre setzt sich der Recaro Toron 1 durch. Der für Kinder zwischen 40 und 105 Zentimetern ausgelegte Isofix-Sitz kostet 550 Euro und erhält die Gesamtnote 2,3. Unter den Modellen für ungefähr ein bis vier Jahre landet der Cybex Sirona G3 mit Base G3 mit Note 2,5 vorne. Avova Alora X1 erreicht 2,8, der Avionaut Aerofix Smart mit IQ Orbit lediglich 3,8.

Ein guter Sitz bis sechs Jahre

Wer einen Sitz sucht, der über einen besonders langen Zeitraum genutzt werden kann, findet im Maxi-Cosi MobiFix Pro den einzigen Kandidaten dieser Größenklasse mit einem guten Gesamtergebnis. Er ist für Kinder von 61 bis 125 Zentimetern vorgesehen und erhält die Note 2,5. Allerdings wird der 550 Euro teure Sitz ausschließlich rückwärtsgerichtet eingebaut, was laut ADAC mit zunehmendem Alter nicht bei jedem Kind auf Begeisterung stoßen dürfte.

ADAC Kindersitztest 2026

Produkte aus dem Online-Handel, mit denen man kein Kind sichern sollte. Der Kindersitz im Vordergrund trägt sogar einen europäischen Zulassungsaufkleber ...

Bild von: ADAC e. V.

Weniger überzeugend schneiden die beiden Sitze für größere Kinder zwischen 100 und 150 Zentimetern ab. Der Lionelo Neal i-Size für 100 Euro bekommt die Note 3,5. Der mit 65 Euro günstigste Sitz im Test, der Joie i-Provo, landet mit 3,6 knapp dahinter.

Zwei Sitze mit Note 5,5

Deutlich ernster wird es bei zwei anderen Kandidaten. Sowohl die Kombination aus Britax Römer Baby-Safe Pro und Vario Base 5Z als auch der Axkid Minikid Core erhalten die Gesamtnote 5,5 und damit das Urteil „mangelhaft“. Beide hatten bereits beim Frontalcrash gravierende Schwächen gezeigt.

ADAC Kindersitztest 2026

Dieses Gurtsystem wird im Online-Handel zwar als "Kindersitz" verkauft, hätte in Europa aber keine Chance auf eine Zulassung und versagte im Frontalcrash

Bild von: ADAC e. V.

Beim Britax Römer öffnete sich während des Tests in Liegeposition das Gurtschloss des Hosenträgergurts, wodurch der Dummy aus der Babyschale geschleudert wurde. Britax Römer hat inzwischen einen freiwilligen Rückruf für bestimmte zwischen dem 26. Dezember 2025 und dem 30. September 2026 produzierte Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Isofix-Basis angekündigt.

Beim Axkid Minikid Core versagte ebenfalls die Konstruktion im Frontalcrash. Der Stützfuß entriegelte sich und fuhr ein, zusätzlich brach die Kunststoffschale im Bereich des Gurtschlosses. Axkid hat den Verkauf des Sitzes eingestellt und ebenfalls einen freiwilligen Rückruf gestartet. Betroffene Besitzer können ihn laut ADAC kostenlos gegen einen Axkid Minikid 4 Pro austauschen.

ADAC Kindersitztest 2026

Erstmals hat der ADAC in einem zusätzlichen Crashtest auch drei Kindersitze geprüft, die über Onlineplattformen von Anbietern außerhalb Europas gekauft wurden

Bild von: ADAC e. V.

Schadstoffe bleiben ein Thema

Auch die Untersuchung auf Schadstoffe bringt Auffälligkeiten. Ausgerechnet der Britax Römer Baby-Safe Pro ist laut ADAC das einzige Modell im gesamten Test, in dem weder mit noch ohne Vario Base 5Z relevante Schadstoffe für Mensch oder Umwelt nachgewiesen wurden. Bei den meisten anderen Produkten fanden sich lediglich geringe Spuren.

Beim Avionaut Aerofix Smart mit IQ Orbit stellten die Tester allerdings eine erhöhte Konzentration sogenannter PFAS fest. Beim Lionelo Neal i-Size und beim Axkid Minikid Core wurden außerdem erhöhte Konzentrationen von Stoffen nachgewiesen, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Beim Axkid lag der Wert laut ADAC deutlich über dem entsprechenden Grenzwert.

ADAC Kindersitztest 2026

Bild von: ADAC e. V.

Der ADAC hatte zusätzlich drei Produkte untersucht, die zwar über europäische Online-Plattformen nach Deutschland bestellt werden können, hierzulande aber teilweise gar nicht zugelassen sind. Zwei einfache Gurtsysteme aus Stoff hielten das Kind beim Frontalcrash nicht ausreichend zurück.

Bei einem weiteren namenlosen Kindersitz war der Seitenschutz so schlecht, dass der Kopf des Dummys nahezu ungebremst gegen die Fahrzeugtür schlug. Der Club warnt deshalb ausdrücklich vor dem Kauf unbekannter Produkte ohne vorherige Recherche.

Unterm Strich fällt der Herbsttest dennoch überwiegend ordentlich aus. Sieben der 16 regulär getesteten Sitze erreichen ein „gut“, fünf ein „befriedigend“ und zwei ein „ausreichend“. Gleichzeitig zeigen die beiden Totalausfälle einmal mehr, dass eine gültige Zulassung allein noch keine Garantie für überzeugenden Schutz im Ernstfall ist.

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