Zum Hauptinhalt springen

McLaren will ein leichtes SUV, hat sich aber noch nicht fürs Material entschieden

Aluminium oder Kohlefaser? Und wer ist eigentlich der Hauptkonkurrent?

2025 McLaren Artura Spider First Drive Review

McLaren wird ein SUV bauen. Ja, wirklich. Nachdem sich der britische Supersportwagenhersteller jahrelang geweigert hat, diesen Weg einzuschlagen, bestätigte er in dieser Woche Pläne für sein erstes höhergelegtes Modell. Eine wichtige Frage bleibt allerdings offen: Woraus soll es bestehen?

Man würde annehmen, dass ein Unternehmen, dessen guter Ruf zu einem nicht unwesentlichen Teil auf Leichtbau fußt, darauf längst eine Antwort hat. Ganz so ist es aber nicht. McLaren sagt, man habe noch nicht entschieden, ob das SUV eine Struktur aus Carbon oder aus Aluminium nutzen wird. Diese Entscheidung hängt offenbar davon ab, ob die Herrschaften aus Woking Carbon bei einem Fahrzeug dieser Größe sinnvoll umsetzen können.

„Unsere DNA ist Carbon“, sagte McLaren-COO Michael Straughan dem Magazin Top Gear. Zugleich ergänzte er, dass man sich noch nicht festlege, weil der Einsatz von Carbon bei einem derart großen Fahrzeug Herausforderungen mit sich bringt. Sollte das nicht funktionieren, wäre Aluminium der Plan B.

<p><em>McLaren SUV-Rendering von Motor1</em></p>

McLaren SUV-Rendering von Motor1

Bild von: Theophilus Chin | Motor1

„Wir sind ein Carbon-Hersteller. Wie um alles in der Welt entwickeln wir uns in Richtung SUV weiter?“

Das Material-Dilemma

Für ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten eng mit der Kohlefaser verbunden ist, ist das ein bemerkenswertes Dilemma. Der ikonische dreisitzige F1 trug dazu bei, den Einsatz des Materials in Straßenautos zu etablieren. Eine Carbon-Konstruktion ist bis heute zentraler Bestandteil der Markenidentität. Diese Technologie jedoch auf ein zwangsläufig großes und deutlich schwereres Hybrid-SUV hochzuskalieren, ist eine ganz andere Aufgabe.

McLarens neues SUV wird außerdem keine Kopie des Ferrari Purosangue. Stattdessen nennt das Unternehmen den Lamborghini Urus und den Aston Martin DBX als Zielgröße, was auf ein eher klassisches Performance-SUV-Konzept hindeutet. Auf den V12-Familienwagen aus Maranello angesprochen, zeigte sich Straughan nicht überzeugt, dass dieser in dasselbe Wettbewerbsumfeld gehört, und verwies darauf, dass Ferraris Ansatz ein deutlich anderer sei.

Carbon oder Aluminium?

Gerade diese Abgrenzung könnte den McLaren besonders interessant machen. Das Unternehmen will ein SUV bauen, das seiner Leichtbau-Philosophie treu bleibt, muss sich aber zugleich mit der Realität auseinandersetzen, etwas deutlich Größeres zu entwickeln als seine aktuellen Sportwagen. Eine Carbon-Struktur würde helfen, die Markenidentität zu bewahren. Die technischen Herausforderungen und Kosten eines so großen Fahrzeugs könnten McLaren jedoch in Richtung Aluminium drängen.

Für welches Material sich McLaren am Ende auch entscheidet: Das SUV soll auf einer vollständig von McLaren entwickelten Plattform stehen und nicht auf einer Architektur eines anderen Herstellers basieren. Zudem ist ein eigener Hybridantrieb vorgesehen. Die Produktion wird noch vor Ende des Jahrzehnts erwartet. Das Timing ist durchaus interessant, wenn man bedenkt, dass McLaren noch nicht einmal das Material festgelegt hat.

<p><em>McLaren SUV-Rendering</em></p>

McLaren SUV-Rendering von Motor1

Bild von: Theophilus Chin | Motor1

Motor1 meint:  McLaren hat die größte Frage rund um ein eigenes SUV also endlich beantwortet. Viele kleinere Fragen bleiben jedoch offen. Und die vielleicht typischste McLaren-Frage von allen lautet: Kann das Unternehmen ein großes, luxuriöses Hybrid-SUV bauen, ohne seine Obsession für möglichst geringes Gewicht aufzugeben? Im Moment weiß selbst McLaren noch nicht, ob die Antwort Carbon oder Aluminium heißt.

Selbst wenn es technisch möglich wäre, wirkt eine vollständige Carbon-Konstruktion unrealistisch. Sie würde den Preis deutlich nach oben treiben und das SUV aus Woking preislich womöglich in eine ganz eigene Liga heben.

In einer Welt, in der Lotus ein SUV verkauft, das 2.640 Kilogramm wiegt, kann einen inzwischen allerdings kaum noch etwas überraschen.